Welt : Havarie in der Ostsee: Gefahr für den Hering

Nach dem Unglück ist nach Ansicht von Fischereiexperten mit erheblichen Auswirkungen auf das Leben im Meer zu rechnen. Die Havarie gefährde "zwar nicht den gesamten Fischbestand", sagte der Direktor des Instituts für Ostseefischerei Rostock der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, Otto Rechlin, am Montag. Deutliche Beeinträchtigungen der Fischerei seien aber "sehr wohl zu erwarten".

Im Bereich der westlichen Ostsee laichen mit Dorsch und Hering derzeit zwei wichtige Fischarten. Speziell der Hering komme dazu nicht nur in sein Hauptrevier um Rügen, sondern auch in die Buchten, Haffs und Förden der dänischen und schleswig-holsteinischen Ostseeküste. "Der Hering legt seine Eier in dichten Schichten am Grund oder an Wasserpflanzen ab", sagte Rechlin. "Dort haften sie fest und wären durch den zum Grund absinkenden Ölschlamm unmittelbar gefährdet." Zurzeit zögen große Heringsschwärme auf der Wanderung zu ihren Laichplätzen auch durch das vom Ölunfall betroffene Gebiet. Ausgewachsene Fische würden Ölverschmutzungen im Wasser zwar meiden, trotzdem gehe von den fein gelösten toxischen Komponenten des Öls eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus. "Die leicht flüchtigen Komponenten können von den Fischen über die Haut oder auch über die Kiemen und die Nahrung aufgenommen werden", erläuterte der Experte. Dies berge die Gefahr, dass "bestimmte Entwicklungsstadien der Tiere absterben oder Missbildungen des Nachwuchses zu erwarten sind".

Standorttreue Grundfischarten wie Flunder und Scholle wären auch schon ohne unmittelbaren Kontakt zu den toxischen Stoffen gefährdet. "Allein durch ihren längeren Aufenthalt in ölbelasteten Seegebieten nehmen sie einen sehr unangenehmen Geschmack an: Selbst niedrige Konzentrationen der leicht- und mittelflüchtigen Ölkomponenten würden den Fang damit für den menschlichen Verzehr unbrauchbar machen."

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