Havarie in Italien : Costa Concordia: Vermisste Ungarin war schon lange tot

Das Öl in der „Costa Concordia“ soll Samstag abgepumpt werden. Die Justiz nimmt sich die Reederei vor.

Marinetaucher schwimmen im Inneren des Wracks an einem Deckengemälde entlang.
Marinetaucher schwimmen im Inneren des Wracks an einem Deckengemälde entlang.Foto: AFP/Marina Militare

Berlin - Das Abpumpen des Treibstoffs aus dem Wrack des vor der Toskana havarierten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ ist verschoben worden. Wie der Chef des Krisenstabs, Franco Gabrielli, am Dienstag mitteilte, wird die Arbeit an den ersten sechs Tanks „vernünftigerweise nicht vor Samstag beginnen“. Sie enthielten etwa die Hälfte der 2300 Tonnen Schweröl. Die holländischen Spezialisten, die seit Tagen auf der Insel Giglio bereitstehen, sollten eigentlich am Dienstag die Arbeit aufnehmen. Ein 200 mal 200 Meter breiter Ölfleck, der am Dienstag nahe des Wracks sichtbar wurde und aufgesaugt wird, besteht nach Behördenangaben nicht aus Treibstoff, sondern aus Speiseöl oder Reinigungsmitteln, die bei der Suche nach Vermissten durch die teils aufgesprengten Bordwände ins Wasser gerieten. Italiens Umweltminister Ruggero Clini zeigte sich sicher, dass eine Umweltkatastrophe vor Giglio ausgeschlossen sei.

Die Justiz scheint sich inzwischen auch mit der Reederei des Unglücksschiffs zu befassen. Der Chefankläger der Toskana sprach laut „Corriere della sera“ von „Problemen und unglaublicher Leichtfertigkeit in puncto Sicherheit und Organisation“. Dabei sei „der Arbeitgeber in der Verantwortung“; es müsse „da auf die Entscheidungen der Reederei geschaut werden“. Bisher macht der zuständige Staatsanwalt von Grosseto nur den Kapitän des Schiffs, Francesco Schettino, und einen seiner Offiziere für die Katastrophe verantwortlich.

Am Dienstag wurde die 16. Tote gefunden, eine ältere Frau. Zudem sind zwei weitere Leichen jetzt identifiziert. Die eine, die 30-jährige Maria D’Introno aus Bari, war mit dem Schiff auf Hochzeitsreise. Die 49-jährige Luisa Virzì aus Enna (Sizilien) galt zunächst als gerettet. Von der Freundin, mit der sie reiste, fehlt weiter jede Spur, deren Tochter ist gerettet. Insgesamt werden noch mehr als zwanzig Personen vermisst. Eine vermisst gemeldete Ungarin ist dagegen schon seit drei Jahren tot. Nach Angaben des ungarischen Außenministeriums hatte sich eine Betrügerin nach dem Unglück als ihre Mutter gemeldet. Budapest nannte den Fall „bedauerlich“. ade

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