Havariertes Walfangschiff : Wettlauf gegen die Zeit

Nach Angaben von Greenpeace ist das in der Antarktis havarierte japanische Walfangschiff "Nisshin Maru" von Packeis bedroht. In den vergangenen 24 Stunden hätten sich die Eismassen drei Seemeilen in Richtung des Schiffes bewegt, so die Umweltorganisation.

Antarktis - Greenpeace-Aktivisten hätten mit einem Hubschrauber die nur noch rund zehn Seemeilen vom Schiff entfernte Packeisgrenze abgeflogen, erklärte die Umweltschutzorganisation. Greenpeace habe die Warnung an den Walfänger übermittelt. Das Greenpeace-Boot "Esperanza" befindet sich nach Angaben der Umweltschützer in Sichtweite zur japanischen Flotte und hatte vor drei Tagen angeboten, das havarierte Boot abzuschleppen. Dies sei jedoch abgelehnt worden.

Die Besatzung des Walfangschiffs versuchte am Sonntag, die "Nisshin Maru" wieder manövrierfähig zu machen. Sollte dies gelingen, will das Walforschungsinstitut ICR, zu dem das Schiff gehört, eine Entscheidung treffen, ob die "Nisshin Maru" den Walfang fortsetzt oder zur Reparatur nach Japan zurückkehrt. Die neuseeländische Seenotrettungsbehörde teilte mit, mittlerweile seien zwei weitere Schiffe in dem Gebiet eingetroffen, die dem Havaristen helfen könnten. An Bord des am Donnerstag in Brand geratenen Schiffes befinden sich Chemikalien zur Verarbeitung von Walfleisch. Auch das Auslaufen von Öl wird befürchtet.

Erneut Hilfsangebot abgelehnt

Ein bei dem Brand verunglücktes Besatzungsmitglied wurde mittlerweile an Bord tot geborgen. Ein Hilfsangebot der Umweltschutzorganisation Greenpeace, deren Schiff "Esperanza" sich in der Nähe des Walfängers befindet, schlug dessen Besatzung erneut aus. Die Seeleute dürfen aufgrund eines Verbots des japanischen Fischereiministeriums keine Schlepphilfe von der "Esperanza" annehmen.

Die Greenpeace-Aktivistinnen Regine Frerichs und Karli Thomas sagten per Satellitentelefon an Bord der "Esperanza", es müsse alles getan werden, um die Überlebenden des Feuers so schnell wie möglich in Sicherheit zu bringen. Packeis treibe auf den Havaristen zu. Jede Sekunde, die das Walfangschiff unnötig in dem Unglücksgebiet bleibe, gefährde weitere Menschenleben. Die Tierschützer von Greenpeace bedauerten zugleich den Tod des 27-jährigen japanischen Seemanns.

Greenpeace: Schiff stark beschädigt

Nach Greenpeace-Angaben wurde das havarierte Fabrikschiff durch den Brand offenbar weit stärker beschädigt als von den japanischen Behörden bislang angegeben. Der Besatzung sei es nicht gelungen, die Maschine zu starten. Zur Versorgung des Schiffes mit Elektrizität seien Leitungen von einem längsseits liegenden Walfänger und einem Versorger zur "Nisshin Maru" gelegt worden. Ein direkter Funkkontakt mit dem Havaristen sei nicht möglich. Das Schiff habe noch immer leichte Schlagseite. An Bord befinden sich 500.000 Liter Schweröl und weitere 800.000 Liter Heizöl. Der Walfänger befindet sich im so genannten Ross-Meer in der Nähe von Kap Adair, einer der weltweit größten Brutstätten für Pinguine.

Die Walfangflotte jagt die riesigen Säuger angeblich "zu wissenschaftlichen Zwecken", denn nur dann erlauben Gesetze den Abschuss. Laut Frerichs, die seit Jahren gegen den Walfang kämpft, landet das Walfleisch in Wirklichkeit in den Tiefkühltruhen japanischer Supermärkte. (tso/AFP)

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