Hedgefonds : Wie verdient David Tepper 3,5 Milliarden Dollar in einem Jahr?

David Tepper ist der bestverdienende Hedgefonds-Manager der Welt. 3,5 Milliarden Dollar hat er in einem Jahr verdient. Dagegen sind die großen Bankchefs der Wall Street Kleinverdiener. Wie hat er das gemacht? Was können Anleger daraus lernen?

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David Tepper und seine Frau Marlene.
David Tepper und seine Frau Marlene.Foto: Corbis

Der Hedgefondsmanager David Tepper hat in einem Jahr 3,5 Milliarden Dollar verdient, mehr als hundertmal soviel wie Bankchefs an der Wall Street. Wie er das gemacht hat, ist kein Geheimnis. Die Frage ist, was Anleger daraus lernen können und was nicht.

Die Anekdote von David Tepper und den Eierkuchen

Über Menschen, die extrem reich geworden sind, gibt es meistens eine Anekdote, die sie gern selbst von sich erzählen. Bei David Tepper ist das nicht anders und wie meistens geht es um Versagen. Ein schlechter Schüler sei er gewesen. Schuld sei ein Eierkuchen-Stand vor der Schule gewesen. Immer wieder habe er die Schule geschwänzt, um sich dort satt zu essen.

Während die Namen großer Bankchefs in aller Munde sind – Josef Ackermann oder seine Nachfolger Jain und Fitschen, Lloyd C. Blankfein von Goldman Sachs oder Jamie Dimon von JP Morgan –, war David Tepper der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Tepper hat im vergangenen Jahr sage und schreibe 3,5 Milliarden Dollar verdient, mehr als jeder andere. Zum Vergleich: Jamie Dimon von JP Morgan, Spitzenverdiener unter den Bankchefs, verdiente nur 20 Millionen. Das ist nicht einmal ein Prozent dessen, was Tepper verdient hat.

Sehr schnell haben einige Leute umgerechnet, wie viel Tepper pro Tag verdient hat. Da wurden dann Tagessätze von fast zehn Millionen ermittelt, und wenn man nur die Werktage rechnet, noch mehr.

Thomas Piketty und die Debatte über die immer größer werdende Ungleichheit

Die plötzliche allgemeine Bekanntheit von David Tepper wäre wohl nicht zu erklären ohne die neue Debatte über soziale Ungleichheit in den USA und – im Nachgang – in Europa. Angestoßen wurde sie durch den französischen Ökonomen Thomas Piketty von der Paris School of Economics, der bei der Vorstellung seines Buchs „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ in den USA wie ein Rockstar der Ökonomie gefeiert wurde. Auch die Obama-Administration war interessiert an den Erkenntnissen dieses Ökonomen, der nachgewiesen hat, dass der Kapitalismus unweigerlich zu einer immer größeren Ungleichheit und Vermögenskonzentration führt, der nur mit einer Vermögenssteuer beizukommen ist. Für Amerikaner und Deutsche erschreckend sind auch jüngste Zahlen, die belegen, dass in diesen beiden Ländern die Einkommen der Mittelschicht nicht mit dem Wirtschaftswachstum mithalten können. Die Meldung über den Jahresverdienst von David Tepper, über den jetzt das Fachmagazin „institutional investor’s alpha“ berichtet hat, ist ein zusätzlicher Hinweis darauf, dass das Wirtschaftssystem eine Ungleichheit erzeugt, die jede Vorstellungskraft übersteigt.

Was ein Hedgefonds ist und welche Strategien sie anwenden

Es stellt sich die Frage, wie David Tepper, der aus bescheidenen Verhältnissen stammt, sich nach einem erfolgreichen Volkswirtschaftsstudium bei Goldman Sachs hochgearbeitet hat, mit seinen beiden Hedgefonds im vergangenen Jahr so viel Geld verdient hat. Es gibt darüber zahlreiche Informationen, die kein Geheimnis sind und über die die Wirtschaftspresse wiederholt berichtet hat.

Tepper hat zwei Hedgefonds „Appaloosa I“ und „Palomina“. Hedgefonds sind Investmentfonds, die kaum einer Regulierung unterliegen und im Prinzip spekulieren dürfen, womit und wie sie wollen. Hedgefonds unterscheiden sich nach ihren Strategien, die sie anwenden. Da gibt es welche, die sowohl auf steigende wie auf sinkende Märkte setzen, es gibt Fonds, die auf globale fundamentale Trends setzen und es gibt welche, die verschiedene mathematische und statistische Handelssysteme anwenden. Der Entwicklung von Konzepten sind keine Grenzen gesetzt.

David Tepper setzte auf besonders schlechte Aktien

David Tepper setzte auf einen Ansatz, der sich „distressed securities“ nennt. Dabei setzen Anleger in wirtschaftlich schwierigen Zeiten darauf, dass sich besonders schlecht entwickelnde Unternehmen wieder aufrappeln. Tepper setzte vor allem auf Aktien gebeutelter Unternehmen wie die US-Fluggesellschaften Delta oder United Continental. Dabei setzte Tepper konsequent darauf, dass sich die US-Wirtschaft wieder von der Finanzkrise erholt. Er hatte in der Finanzkrise auf Bankaktien gesetzt mit dem Kalkül, dass sie vom Staat gerettet werden. Kleinanleger, die das kopieren wollen, seien gewarnt. Tepper hat die Aktien der Fluggesellschaften inzwischen wieder verkauft. Entscheidend bei seinem Ansatz ist, dass er zu bestimmten Zeiten sogenannte zyklische Aktien kauft, wenn die Wirtschaft unten ist. In der Folgezeit sind dann sagenhafte Gewinne möglich, wenn Aktien sich von ihrem Tief erholen.

Kann David Tepper eine Jahresrendite von 42 Prozent wiederholen?

Anleger, die solche Erfolgsgeschichten zum Anlass nehmen, ihr Geld in Hedgefonds zu stecken, sollten vorsichtig sein. Das erste Quartal dieses Jahres war für die Hedgefonds-Branche insgesamt gesehen das schlimmste seit Beginn der Finanzkrise, wie die „Financial Times“ berichtet. Hinzu kommt, dass die Hedgefonds-Branche in den vergangenen Jahren hinterhergehinkt ist, was zu einem erheblichen Vertrauensverlust unter Anlegern geführt hat, die seit Monaten in großen Mengen Geld aus diesen Fonds abziehen. Ob ein Hedgefonds erfolgreich ist oder nicht, hängt nicht zuletzt davon ab, ob seine Strategie zur aktuellen Marktphase passt. So haben beispielsweise trendfolgende Momentum-Fonds seit Jahresanfang ziemliche Probleme, weil weder ein Aufwärts- noch ein Abwärtstrend vorliegt und die Märkte stattdessen seitwärts tendieren. So passiert es fast zwangsläufig, dass Fonds, die mehrere Jahre erfolgreich waren, plötzlich einbrechen, wenn sich die Marktphase grundsätzlich ändert, während andere sich wieder berappeln.

Es ist deshalb die Frage, ob David Tepper die 42-Prozent-Rendite seiner beiden Fonds in den nächsten Jahren wiederholen kann.

Abgesehen von verschiedenen Marktphasen spielt auch das Geschick des Fondschefs eine Rolle, seine Strategie auch tatsächlich umzusetzen. Dass David Tepper dieses Geschick und die Disziplin hat, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Aber sicherlich spielt nicht zuletzt auch Zufall und Glück eine große Rolle. Zu auffällig ist die Tatsache, dass erfolgreiche Hedgefonds-Manager immer wieder Einbrüche erleben.

David Tepper setzt die Regeln für sein Einkommen selber fest

Aber wie setzt sich das Einkommen von David Tepper zusammen? Er bekommt jährlich zwei Prozent des gesamten Geldes, das seine Fonds einsammeln – dieses Geld zahlt er zum Teil an seine Mitarbeiter aus – sowie eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent. Das setzt er als Fondschef selber fest. Solange er viele Anleger hat, die ihm das Geld anvertrauen, kann er das tun. Wenn er also ein gutes Jahr hat, verdient er viel. Macht der Fonds in einem anderen Jahr einen hohen Verlust – sagen wir 40 Prozent – hat er keine Gewinnbeteiligung, verliert aber nichts. Es bleiben für ihn die zwei Prozent vom ganzen Fondsvermögen, was jedes Jahr für ihn abgezwackt wird. Das heißt: Wenn der Fonds gewinnt, gewinnt er. Wenn der Fonds einen Verlust erleidet, erleiden diesen Verlust nur die Anleger, die ihr Geld seinem Fonds anvertrauen. Sein Gewinn vom Vorjahr ist in Sicherheit.

Insofern kann David Tepper ruhig schlafen. Sein einmal verdientes Geld ist in Sicherheit. Der 56-Jährige ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Vermögen wird inzwischen auf sieben Milliarden Dollar geschätzt. Da gibt es Leute, die haben mehr. Die sind aber auch schon viel älter. Es sieht nicht so aus, als würde David Tepper sich auf seinem Geld ausruhen. Vielleicht geht es um etwas ganz anderes. Er ist der Beste, wenn es darum geht, ein Konzept zu entwickeln und es diszipliniert in die Tat umzusetzen.

Was kann der Anleger von David Tepper lernen?

Die Stärke von David Tepper ist zweifellos, dass er ein erfolgreiches Handelssystem entwickelt hat und es diszipliniert umsetzt. Der normale Anleger kann sich ebenfalls vornehmen, eine Handelssystematik anzuwenden, es kann eine ganz einfache sein. Dabei muss es nicht diejenige sein, die David Tepper anwendet, zumal es mental sehr schwierig ist, Aktien zu kaufen, wenn die Konjunktur darniederliegt und es nur schlechte Nachrichten gibt. Ein Handelssystem kann auch darin bestehen, dass der Anleger systematisch jeden Monat einen bestimmten Betrag spart und jedes Mal, wenn 2000 oder 3000 Euro beisammen sind, Aktien kauft. Weil es zu kompliziert und riskant wäre, einzelne Aktien auszusuchen, könnte der Anleger darüber nachdenken, ob er einen Indexfonds (ETF) kauft, in dem alle Aktien eines Index anteilig vorhanden sind. Der ETF kann den Dax abbilden, oder den Mdax mit mittleren Werten, den breiten US-Index S&P 500 oder irgendeinen anderen Index. Indexfonds haben den Vorteil, dass sie passiv den Verlauf des Index abbilden und nicht die Gefahr besteht, dass Fondsmanager versagen.

Es geht darum, eine einfache Systematik zu entwickeln und diese diszipliniert durchzuhalten

Es ist bereits eine Handelssystematik, wenn ein Anleger diszipliniert und regelmäßig in den Aktienmarkt investiert und dabei automatisch manchmal teurer einkauft und manchmal billiger. Auf Sicht von 20 oder 30 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit einer guten Rendite groß. Der Anleger könnte auch halbe-halbe machen und beim Sparen immer nur die Hälfte in Aktien anlegen und die andere Hälfte aufs Tagesgeldkonto legen. Den Möglichkeiten für Handelssysteme sind keine Grenzen gesetzt. Entscheidend ist, dass eine Handelssystematik vorliegt und sie diszipliniert durchgehalten wird. Das ist der Kern dessen, was erfolgreiche Hedgefonds-Manager beherzigen. Kleinanleger sollten bei ihren Überlegungen darauf achten, welche zwischenzeitlichen Verluste sie mental ertragen könnten. Wer in Panik gerät, wenn aus 20.000 Euro zwischenzeitlich Aktienwert 10.000 werden - das passiert mit Sicherheit irgendwann - der sollte vielleicht eine kleinere Aktienposition anstreben. Wer mehr aushält, kann mehr Aktien kaufen. Entscheidend ist, dass das Konzept zur eigenen Persönlichkeit und zur eigenen Risikobereitschaft passt.

Literatur zum Thema:

Brent Penfold, Die weltweiten Gesetze des erfolgreichen Tradings, Finanzbuchverlag, 34,99 €

Richard L. Weissman, Mechanische Tradingsysteme, Finanzbuchverlag, 39,90 €

Van K. Tharp, Clever traden mit System 2.0, Finanzbuchverlag, 44,90 €

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