Welt : Heesters Johannes

Johannes Heesters lehnt im Sessel vor seinem Haus am Starnberger See und erhebt die Stimme, als stünde er auf einer Theaterbühne: „Es waren zwei Königskinder, ich glaube, sie hatten sich lieb. Sie konnten zusammen nicht kommen, wie einst dies ein Dichter beschrieb …“ – leicht gehen ihm die 24 Verse aus dem zweiten Akt der „Lustigen Witwe“ über die Lippen. Heesters ist wieder ganz Graf Danilo, der mit dem „schwachen, koketten Geschlecht“ abrechnet. Und der aus Rache an der vermeintlich Untreuen mit einem höhnischen „Haha“ ins Nachtleben entschwindet: „Heut geh ich ins Maxim, da bin ich sehr intim, ich duze alle Damen, ruf sie beim Kosenamen.“

In 3000 Aufführungen von Franz Lehárs berühmtester Operette war Heesters der flotte Graf im Frack, mit weißem Schal und Zylinder. Ein „König der Eleganz“, so die „Süddeutsche Zeitung“. Jedes Detail seiner Paraderolle hat der 103-Jährige noch präsent. Er genießt an diesem warmen Frühsommertag den Applaus der kleinen Zuhörerrunde und belohnt sich wie früher: „Jetzt möchte ich rauchen“, sagt er zu Ehefrau Simone.

Die Berichte vom März, der älteste Showstar der Welt habe die Zigarette überlebt, waren voreilig. Das Nichtrauchergelübde hielt nur, bis die Erkältung weg war. Heesters raucht wieder seine fünf, sechs Zigaretten am Tag, wie seit mehr als 80 Jahren. Nicht aus Sucht, sagt er, „sondern mit Genuss“.

Nach den ersten Zügen tastet er mit einer Hand unsicher den Tisch ab, sucht einen Aschenbecher. Seine Augen, vom Grünen Star und der Makula-Degeneration, einer Netzhauterkrankung, befallen, sind immer schwächer geworden. Inzwischen ist er blind, sieht weder die blühenden Bäume noch die vielen Blumen, die er auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück zum Teil selbst gepflanzt hat. In den 60er Jahren kaufte Heesters dieses eher bescheiden anmutende Landhaus mit weißer Holzverkleidung, zwei Kilometer von Bayerns größtem Gewässer entfernt. Die sechs kleinen Zimmer hat noch seine 1985 verstorbene Frau Wiesje mit antiken Möbeln eingerichtet.

Heesters ist der Bekannteste der fast 8000 Menschen in Deutschland, die 100 Jahre oder älter sind. Im Jahr 2050 sollen es weit über 100 000 sein. Wer heute geboren wird, hat laut Max-Planck-Institut eine über 50-prozentige Chance, 100 Jahre alt zu werden. Ob das Leben im hohen Alter tatsächlich ein Segen ist?

Oft klingen Schilderungen über das Altern düster, passen nicht in das Bild vom erfüllten Lebensabend. „Plötzlich entdeckt man, dass der Weg nirgendwohin führt, außer zum Grab“, schreibt Simone de Beauvoir in ihrem Buch „Das Alter“. Der amerikanische Autor Philip Roth lässt seinen alternden „Jedermann“ klagen über die „ziellosen Tage und die ungewissen Nächte und das ohnmächtige Sich-abfinden-Müssen mit dem körperlichen Verfall und dem Warten, dem ewigen Warten auf nichts“.

Für Heesters, der nach abgebrochener Banklehre schon als 17-Jähriger in Shakespeares „Sommernachtstraum“ auf der Bühne stand und seither das Rampenlicht gewohnt ist, ist die Blindheit seiner späten Jahre eine ganz besondere Tragödie. „Ich sitze im Dunkeln, das ist manchmal schlimm“, sagt er. Es sind die Momente, in denen die Depression auch diesen sonst so unverwüstlichen Optimisten anfällt. Besonders arg war es vor einem Jahr, als er mit der Familie seine alte Heimatstadt Amsterdam besuchte: mit Simone, den Töchtern Wiesje und Nicole aus erster Ehe, Schwiegersöhnen, drei Enkeln, vier Urenkeln. „Sie sagten“, erzählt er, „,Jopie, schau dies und schau das.’ Aber ich habe nichts gesehen von den Dingen, auf die ich mich so gefreut hatte.“ Aber lange jammern will er nicht. Er fühle sich fit, sagt er. „So jung wie mit 70, 80.“

Der von Generationen hauptsächlich weiblicher Fans umschwärmte Film- und Bühnenstar Heesters allerdings lebt im Heute. „Wir sprechen beide nicht von früher“, sagt Simone Rethel, seit 1992 mit ihrem 46 Jahre älteren „Jopie“ verheiratet. Im Haus erinnert allein ein Lehár-Foto mit Widmung für „den wirklich besten Danilo“ an die glanzvolle Karriere des Schauspielers und Sängers. Eitle Selbstdarstellung ist ihm fremd. Wenn er Kollegen über ihre früheren Erfolge reden höre, so Heesters, „denke ich: Mensch, halt die Klappe.“

Nur wenn Gäste kommen, ist die Vergangenheit ein Thema. Dann gibt Heesters den Grafen oder stimmt ein Lied aus dem Musical „Gigi“ an, mit dem er vor 40 Jahren im Berliner Theater des Westens gefeiert wurde: „Der dämmernde Tag umschimmert mich, kein Kummer in Blond mehr kümmert mich. Ich bin Gott sei Dank nicht mehr jung.“

Den Holländer, der sich gleichsam mit dem Champagnerglas in der Hand durch fast ein ganzes Jahrhundert sang, interessieren künftige Erfolge mehr als die von einst. Er sucht ein Theaterstück, das zu ihm passt. „Ich will wieder auf die Bühne, will spielen“, sagt er. Am liebsten zusammen mit Simone, wie zuletzt 2002 in Tschechows „Kirschgarten“ oder davor in der schwarzen Komödie „Ein gesegnetes Alter“ von Curth Flatow. Die feste Überzeugung, in seinem Beruf noch immer gefragt zu sein, hält ihn am Leben. Dafür arbeitet er Tag für Tag mit der Willenskraft eines jungen Schauspielers, der die großen Rollen haben möchte.

Sein Tag beginnt gewöhnlich um kurz nach zehn mit einem Cappuccino, der ihm ans Bett gebracht wird. Von Simone oder von Amalia Benneckenstein, die Heesters seit 36 Jahren umsorgt, sich um das Haus kümmert und ums Essen. Die Slowenin war aus der Nähe von Maribor nach München geflüchtet, weil ihr Vater sie zwangsverheiraten wollte. Seit Heesters nicht mehr sehen kann, schneidet sie manchmal das Essen klein und reicht es ihm auf einer Gabel.

„Nach dem Aufstehen“, erzählt er, „mache ich Atemübungen und singe. Aber keine Lieder, nur Töne. So!“ Er demonstriert, wie er seine Tenorstimme trainiert, die trotz nachlassender Kraft noch einen vollen, weichen Klang hat. „Nur weil ich so viel Sport getrieben habe“, sagt er; die Stimme sei auch Ausdruck dafür, wie man sich insgesamt fühle.

Der junge Heesters hat geboxt und beim holländischen Renommierklub Ajax Amsterdam Fußball gespielt. Jetzt geht er zweimal in der Woche ins Fitnessstudio, stemmt insgesamt eine Stunde lang Gewichte, fährt Rad oder bewegt sich auf einem Laufband. „Durch Sport ist ein Tag schnell vorbei. Ich bin danach selig, fühle mich so gesund“, sagt er. Daheim macht Heesters jeden Tag ausgiebig Gymnastik. Und wenn es nicht zu kalt ist, steigt er in den unterhalb des Hauses gelegenen Pool. Dann wachen Ehefrau Simone und Amalia Benneckenstein darüber, dass der blinde Schwimmer nicht die Orientierung verliert.

Es ist Heesters wichtig, nicht gebrechlich zu wirken. Sonst hätten ja die Leute recht, die seine jüngsten Auftritte kritischer sehen als sein gerührtes Publikum. Ob im Berliner Admiralspalast, in Hamburg, München oder Weiden in der Oberpfalz – überall dankten die im Durchschnitt gut 50 Jahre alten Besucher mit Standing Ovations, wenn Heesters „Ich knüpfte manche zarte Bande“ sang oder „Man müsste Klavier spielen können“. Doch das Boulevardblatt „tz“ fragte nach dem Abend in der Münchner Philharmonie, ob man nicht eher Mitleid mit Heesters haben sollte. Und Karl Dall, erzählt Simone Rethel empört, lästere sogar, „Jopie“ werde auf der Bühne ans Klavier gedübelt. Das gehe ohnehin, glaubt sie, hauptsächlich gegen sie, die Ehefrau.

Wenn Simone Rethel ihren Mann zum Konzert führt, haben manche Betrachter offenbar das Bild vom betagten Tanzbären vor Augen, der am Nasenring noch mal in die Manege gezogen wird. „Sie macht es doch nur, weil ich nichts sehe“, sagt dagegen Johannes Heesters. Stehe er erst mal am Klavier, brauche ihm keiner mehr zu helfen: „Dann singe ich und die Leute hören nicht auf zu klatschen, und ich denke: Wie wunderschön, sie mögen dich noch, immer noch.“

Bei der Feier zum 103. Geburtstags am 5. Dezember 2006 mit fast 2000 Gästen im Wiener Konzerthaus sagte ihm der große Theatermann Otto Schenk: „Du kannst noch so langsam zum Klavier gehen, aber in deinem Gesicht leuchtet der kleine Junge.“

Heesters liebt seinen Beruf, sein Publikum, und dieser Funke ist immer übergesprungen. In seinen Berliner Jahren von 1936 bis 1943 belagerten Verehrerinnen seine Villa an der Hubertusbader Straße in Grunewald stundenlang. Sie gingen erst, wenn sich ihr Held nach der Heimkehr vom Theater oder den Ufa-Filmstudios in Babelsberg wenigstens am Fenster gezeigt hatte.

Heute erscheint es manchmal so, als sei die Zeit stehen geblieben. „Sie sind noch derselbe, herzlichen Glückwunsch“, ruft ihm in der Münchner Philharmonie eine Frau zu.

Sicher, man merkt Heesters das hohe Alter an. Man muss laut mit ihm reden und möglichst nicht zu kompliziert fragen. Seine Hände sind übersät mit Altersflecken. Wenn er beim Erzählen oder Rezitieren ins Stocken gerät, hilft die Ehefrau als Souffleuse weiter. Vor zwei Jahren konnte Heesters noch extrem vergrößerte Schriften auf einem Bildschirm lesen. Auch das ist vorbei. Jetzt spricht Simone ihm die Texte vor und er repetiert, bis sie sitzen.

Heesters weiß, dass sein Leben mit dem von anderen sehr alten Menschen schwerlich vergleichbar ist, die im Heim allein auf die Hilfe eines oft überforderten Pflegepersonals angewiesen sind. Während er erzählt, seufzt er manches Mal: „Wenn ich Simonchen nicht hätte.“ Sie gibt seinen Tagen, die er allein nicht bewältigen könnte, eine Struktur. Einen Engel, nennt Heesters-Tochter Nicole die zweite Frau des Vaters: „Es ist ein Engel vom Himmel gefallen, der meinen Vater bei der Hand nimmt“, sagt sie, inzwischen selbst 70 Jahre alt.

Man steht staunend vor dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte, die begann, als Simone Rethel elf Jahre alt war. Sie sah damals Heesters im Fernsehen, fortan ließ sie „diese Mischung aus Lausbub und elegantem Herrn“ nie wieder los: Sie dekorierte ihr Zimmer mit Heesters-Fotos, nicht wie ihre Freundinnen mit den Beatles oder Rolling Stones. Sie fuhr als 16-Jährige im Holland-Urlaub nach Zandvoort, wo Heesters ein Haus besaß und sie ihm tatsächlich begegnete. Zurück in München rannte sie mehrmals in die Vorstellung, wenn er im Theater am Gärtnerplatz oder in der Kleinen Komödie gastierte.

Simone Rethel wurde auch Schauspielerin, hatte Beziehungen mit Männern, doch „die Liebe zu Jopie war immer in meinem Herzen“. Ein Freund brachte die beiden zusammen, als Heesters aus Trauer über Wiesjes Tod kaum noch unter Leute ging. 55 Jahre waren sie verheiratet gewesen, im Haus in Söcking empfand er nur noch Leere. „Ich glaube, meine Heiterkeit hat ihm gutgetan“, sagt Simone.

Sie ist Botschafterin der Initiative „Altern in Würde“, die sich intensiv mit dem Thema Alzheimer und Demenz befasst. Auch deshalb weiß sie, dass es richtig ist, ihren Mann bei seinen Anstrengungen zu unterstützen anstatt ihm einzureden, sich im Lehnstuhl auszuruhen. Geistige und körperliche Aktivitäten sowie soziale Kontakte fördern die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn. Das sagen auch Mediziner. Wenn die Neuronen-Produktion stoppt, drohen Depression und Demenz. Auch das Gefühl, gebraucht zu werden, stärkt die Lebenskraft alter Menschen. Trotzdem ärgert es Simone Rethel, wenn in Zeitungsartikeln durchklingt, es sei peinlich, dass der müde Alte immer noch auf die Bühne müsse. „Das Gegenteil stimmt“, sagt sie. „Wer keine Aufgabe mehr hat, baut ab.“ Heesters interessiert, was in der Welt geschieht. Vormittags liest ihm Simone aus der Münchner „Abendzeitung“ vor, ab 19 Uhr zählen die Fernsehsendungen „Heute“, „Zeit im Bild“ vom Österreichischen Rundfunk und „Tagesschau“ zum Pflichtprogramm. Später am Abend hört Heesters Radio, Hörspiele oder klassische Musik. Beeindruckt habe ihn, sagt er, die Salzburger „La Traviata“ mit Anna Netrebko und Rolando Villazón: „Welch herrliche Stimmen!“ Meist endet sein Tag kurz nach Mitternacht – bei einem Schluck Whisky und vielleicht noch einer letzten Zigarette.

Und der Altersunterschied, 46 Jahre liegen zwischen Heesters und seiner Frau, spielt im Zusammenleben keine Rolle? „Andere empfinden das so, wir nicht“, sagt Simone Rethel. Sie habe sich zwar früher Kinder gewünscht, aber es sei halt anders gekommen. Die 57-Jährige sieht sich auch nicht als Samariterin, die nur für ihren Mann da ist. Sie habe durchaus ein eigenes Leben. Simone Rethel malt, fotografiert, publiziert Bücher. „Schönheit des Alters“ zum Beispiel oder „Ein Mensch und ein Jahrhundert“ – Heesters Biografie in opulenten Bildern, umrahmt von den wichtigsten Ereignissen dieser Zeit.

Mit 27 Fotos ist darin auch der Tag festgehalten, von dem Heesters sagt, dass er sich für den bis heute schäme: der Besuch des Konzentrationslagers Dachau am 21. Mai 1941. Sie zeigen, wie ein SS-Sturmbannführer das Ensemble vom Münchner Gärtnerplatz-Theater begrüßt oder wie kahlgeschorene Häftlinge für die Gäste musizieren. Aber sie zeigen nicht, dass Heesters im KZ gesungen hat, was ihm in Holland unterstellt wurde.

„Das sind alle Bilder, die von meinem Besuch in Dachau existieren“, sagt Heesters. Simone Rethel entdeckte das Album im Keller des Stiefsohnes vom damaligen Gärtnerplatz-Intendanten. Auch Heesters niederländische Landsleute akzeptieren es als Beweis. Damit könne dieses Kapitel endlich geschlossen werden, schrieb 2006 die Tageszeitung „De Volkskrant“. Holland hat Heesters lange verübelt, dass er im Nazireich sang und tanzte, während seine Heimat von der Wehrmacht besetzt war. Die späte Versöhnung sei für ihn „eine Gnade, die ich noch erleben darf“, sagt er.

Heesters beteuert: Die SS habe seinerzeit auf die KZ-Visite gedrängt, er habe keine Wahl gehabt. Auch habe er nicht die Nähe zu den Nazis gesucht. Aber wie Zarah Leander, Hans Albers oder Heinz Rühmann verbreitete er auf Befehl des Propagandaministers Joseph Goebbels im Kino eine „Davon geht die Welt nicht unter“-Stimmung, die vom alliierten Bombenhagel ablenken sollte.

Am Ende eines langen Tages und nach beinahe sechsstündigem Gespräch kommt Johannes Heesters richtig auf Touren: „Herrr Heesterrrs, Sie warrren wiederrr ein wunderrrbarrrerrr Danilo“, imitiert er Adolf Hitler. Die „Lustige Witwe“ war die liebste Operette des Diktators, der des Öfteren die Aufführungen am Gärtnerplatz besuchte. Ein- oder zweimal habe der „Führer“ den Sänger zu einer kurzen Audienz gebeten.

Der witzige Plauderer Heesters begegnet der Mühsal des Alters meist mit Gelassenheit und Humor. So wie einst Krimi-Autorin Agatha Christie, die verkündete: „Je älter ich werde, desto interessanter werde ich für meinen Mann. Er ist Archäologe.“ Jeden Tag bittet Heesters, der als Junge Priester werden wollte, Gott im Gebet, ihm noch ein paar Jahre zu geben. Das erscheint ihm sicherer als die Aussicht, sich am Jüngsten Tag wiederzusehen. Am Weiterleben nach dem Tod zweifelt er ebenso wie an der biblischen Botschaft von der Auferstehung des Fleisches – „so katholisch bin ich auch wieder nicht“.

Das Essen mit dem beschwingten Heesters hätte auch Szenen für ein Lustspiel ergeben können. „Trinken wir Wein?“, fragt er, worauf Simone antwortet: „ Jopie, wir trinken doch um diese Zeit nie Wein.“ Er: „Aber es sind Gäste da. Vielleicht wollen die Wein.“ Sie wollen, Heesters nimmt einen Schluck und stellt fest: „Ist besser als Wasser.“

Nach dem Essen gelüstet ihn nach einer Zigarette und einem Sambuca, er sagt „Zum Wohl, Kinder“ und fragt erwartungsvoll: „Wie ist der Schnaps?“ Heesters rezitiert Texte aus Operetten oder parodiert Goebbels, wie der ihn zur Aufgabe der holländischen Staatsbürgerschaft bewegen wollte. Oder er erzählt vom erholsamen Leben am Starnberger See, wo die meisten Millionäre Deutschlands wohnen. Allerdings in Ufernähe und nicht – wie er – hoch am Hang. Die Steine für die Terrasse, sagt er, habe er übrigens selbst aus der Kiesgrube geholt.

„Erst trinken wir noch eine Flasche Wein“, sagt er, als es Zeit zum Aufbruch wird. Der Champagner, den Simone Rethel dann serviert, ist ihm auch recht. Weniger gefällt Heesters, dass die um seine Gesundheit besorgte Gattin den neuerlichen Wunsch nach einer Zigarette überhört. Schließlich meint er lächelnd: „Wenn ich jetzt keine Zigarette kriege, sage ich alles über dich, was ich weiß.“

„Woran denkst du, Jopie?“, fragt seine Frau, als er eine Weile schweigend im Sessel sitzt. „An den 5. Dezember“, entgegnet Heesters, „ob ich meinen 104. Geburtstag noch erleben werde“. Doch die Melancholie dauert nur einen Augenblick. „Ich lade Sie zu meinem Fest ein“, sagt er beim Abschied.

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