Welt : Heirat nicht ausgeschlossen

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Von Matthias Thibaut, London

„Hoffnung für Charles“, schrieb die „Daily Mail“ und ließ die Hochzeitsglocken klingeln. Die englische Staatskirche hat eine Lockerung ihrer Ehestands-Regelungen beschlossen. Bis dato durften sich Geschiedene nicht mit kirchlichem Segen zum zweiten Mal ein Gelübde „bis, dass der Tod sie scheidet“ geben, wenn der frühere Partner noch lebt. Das soll nun anders werden – unter gewissen Voraussetzungen. Natürlich freute sich da die Boulevardzeitung, die sich lange schon für die Heiratswünsche des britischen Thronfolgers stark macht.

Niemand anderes als der Erzbischof von York, George Austin, hatte ja unlängst in der „Mail“ die Heirat von Charles und Camilla Parker Bowles vorgeschlagen: „Dies ist nicht eine Frage der Theologie oder Verfassungslehre, sondern der Menschlichkeit“, schrieb er. Das war umso interessanter, als er ja nach Charles Scheidung von Diana öffentlich zweifelte, ob Charles je König sein könne. „Wie können wir einem den Krönungseid abnehmen, der so öffentlich die ehelichen Treuegelübde gebrochen hat“, fragte der strenge Bischof. Schuld an seinem Sinneswandel ist nun die Macht der Tatsachen und der Liebe. Charles und Camilla leben offen in „wilder Ehe". Sie haben sich öffentlich geküsst und machen miteinander Urlaub. Sogar auf königlichen Schlössern.

Auch die Queen wird mit dem Alter umgänglicher. Unter den Augen der Welt durfte die einst verpönte Camilla beim Jubilee Konzert in ihrer Loge Platz nehmen. Vor allem aber ist die Diana-Begeisterung der Briten verflogen und damit ihre Abneigung gegen Camilla.

Also Happy End? In einem Land, wo Staat und Kirche so eng verquickt sind, dass der zukünftige König Charles auch Oberhaupt der Kirche und Verteidiger des Glaubens ist, können Theologie und Verfassungslehre nicht so einfach beiseite geschoben werden. Auch ist die Neuregelung der Geschiedenenheirat durch die Bischofssynode keineswegs auf Charles und Camilla gemünzt. Sie hat mehr mit der exorbitanten britischen Scheidungsrate zu tun und damit, dass die Kirche auch in Zukunft noch ein paar Trauungen abhalten will.

Die Bischöfe wollen auch keinesfalls Sünde und Buhlerei die Türe öffnen: Geschiedene müssen ihrem Pfarrer nachweisen, dass eine Wiederverheiratung keinen Grund für „öffentlichen Anstoß“ gibt und ihre Beziehung nicht „den Bruch einer früheren Beziehung verursacht hat". Das erste würden die Meinungsmacher der Palast Publicity schon schaffen. Aber die zweite Bedingung? So bleibt der Fall mit Theologie und Staatsräson heikel. Ein König, der in wilder Ehe lebt, oder ein geständiger Ehebrecher als Kirchenoberhaupt. Besser, wenn da am Schluss die Menschlichkeit obsiegt. Aber es wird wohl noch dauern. Auch im Buckingham Palace sieht man das Problem mit dem geduldigen Atem 1000-jähriger Familiengeschichte. Im übrigen wird es „Der liebe Gott schon wissen“, wie Prinz Charles auf die Frage seufzte, wann er denn nun wieder heiraten werde. Ganz, wie es einem zukünftigen Kirchenoberhaupt geziemt.

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