Hells Angels und Bandidos : Rockerclubs: Die Hand drauf

Die Chefs der Rockergruppen Hells Angels und Bandidos vereinbaren einen Nichtangriffspakt. Ermittler misstrauen dem Burgfrieden.

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Zum Frieden bereit? Hells Angels. Foto: ddp
Zum Frieden bereit? Hells Angels.Foto: ddp

Am Eingang der edlen Anwaltskanzlei in Hannovers Zooviertel steht auch der Name von Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), neben der Villa parkt eine Luxuslimousine. Breitschultrige Sicherheitsleute kontrollieren die Tür, Kamera- Teams drängen in die Kanzlei, die offenbar gute Umsätze macht. Drinnen sitzen sechs stämmige Rocker an einem Tisch und schauen in ein Blitzlichtgewitter.

Rechtsanwalt und Schröder-Freund Götz von Fromberg hatte in seine Räume zu einem als Friedensgipfel angekündigten Treffen zwischen Deutschlands mächtigsten Rockergruppen geladen: Hells Angels und Bandidos. Politiker und Polizisten erklärten fast zeitgleich, das von Angels-Chef Frank Hanebuth und Bandidos-Oberhaupt Peter Maczollek unterzeichnete Abkommen, Streit künftig friedlich zu regeln, diene nur der Tarnung ihrer „kriminellen Machenschaften“ und der „Beruhigung der Öffentlichkeit“, denn auf der Innenministerkonferenz wird über ein Verbot beider Bruderschaften debattiert. Doch Hanebuth und Maczollek genießen in einschlägigen Kreisen großen Respekt. Der Frieden könnte zunächst halten, die Bosse versprechen in einer Vier-Punkte-Vereinbarung eine für die Szene neue Form der Kooperation: Den Städten, in denen einer der beiden Clubs vorherrscht, bleiben Mitglieder des traditionell gegnerischen Vereins fern. Beide Bruderschaften werben sich keine Anhänger ab. Neugründungen lokaler Ableger sind innerhalb eines Jahres untersagt – auch danach wollen beide Seiten nur in Absprache vorgehen.

Kamerawirksam schütteln sich Hanebuth, der in Hannover vor Jahren schon Ruhe im Rotlichtviertel durchsetzt haben soll, und Maczollek, der als Vize-Chef der Bandidos in Europa gilt, die Hände. Danach gehen die beiden glatzköpfigen Hünen auf die Terrasse der Nobelkanzlei und rauchen zusammen mit ihren Gefolgsleuten eine Zigarette. Mitarbeiter der Kanzlei bringen gekühltes Bier.

Doch selbst ohne Streit untereinander sei davon auszugehen, dass es weiter zu „milieutypischen Straftaten“ komme, meinen Experten. Blutige Begleiterscheinungen bei illegalen Geschäften werde es weiter geben. In Berlin gab es in den vergangenen fünf Jahren nach Polizeiangaben fast 800 Ermittlungsverfahren und 430 Festnahmen im Milieu – auch wegen Waffen, Drogen, Schlägereien. Erst im März erschoss ein polizeibekannter Angels-Anhänger bei Koblenz einen Elitepolizisten bei einer Razzia.

Auf Vorwürfe, wonach die Rockerspitzen den Nichtangriffspakt unter allen Anhängern nicht durchsetzen könnten, reagierten die Männer in Hannover gelassen: Man habe das Abkommen auch mit den Rockerpräsidenten lokaler Ableger besprochen. Und schließlich lohne der Blick nach Norden. Nachdem der Rockerkrieg in den 90er Jahren in Skandinavien sogar mit Kriegswaffen ausgetragen worden war, vereinbarten Hells Angels und Bandidos in Dänemark ein ähnliches Abkommen: „Und das hält seit 14 Jahren.“

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