Helmut Kohl : Die Frau an seiner Seite

Helmut Kohl hat durch Maike Richter neue Lebensfreude gefunden und will sie nun heiraten.

Elisabeth Binder
Helmut Kohl
Helmut Kohl und seine Freundin Maike Richter. -Foto: dpa

Seit drei Jahren sind sie offiziell ein Paar, gern gesehene Gäste auf Galas und Festen. Nun wollen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Freundin Maike Richter „Ja“ zueinander sagen. Nach einem schweren Sturz und einer langen Genesungsphase will der 78-jährige Kanzler der Einheit seine 43-jährige Lebensgefährtin heiraten.

Der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, griff selbst zur Feder, um die freudige Nachricht als Schlagzeile zu verkünden. Helmut Kohls Berliner Büro bestätigte den Bericht. Vor drei Jahren gab Kohl aus Anlass seines 75. Geburtstags die Beziehung zu seiner Freundin offiziell bekannt. Sie ist Volkswirtin, im Wirtschaftsministerium tätig und außerdem, wie er selber, promoviert. In Details verlor er sich freilich nicht, begnügte sich mit dem Hinweis, das sei seine Privatangelegenheit. Immerhin sickerte durch, dass die beiden 2004 beim gemeinsamen Weihnachtsurlaub auf Sri Lanka zusammen die Tsunami-Katastrophe überlebt haben. Bei der Feier zum 75. Geburtstag im Deutschen Historischen Museum saß Maike Richter ganz offiziell zusammen mit Kohls Söhnen Walter und Peter und seinem Freund und geistlichen Begleiter Monsignore Erich Ramstetter. Danach trat sie bei öffentlichen Anlässen als Frau an seiner Seite auf, begegnete so Michail Gorbatschow, George Bush Senior und Bill Clinton. Schon lange, bevor die beiden ein Paar waren, hat Maike Richter Freunde verblüfft, indem sie sich als Fan von Helmut Kohl outete, in ihrer Altersgruppe keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Sie kennt ihn seit 1994, arbeitete im Kanzleramt an seinen Reden mit und half auch bei den Memoiren. Über Maike Richter ist immer wieder gesagt worden, dass große Arbeitsfreude und unerschütterliches positives Denken sie auszeichneten. Zeitweise arbeitete die gebürtige Siegerländerin auch für den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz und für die „Wirtschaftswoche“. Wenn man die zierliche Frau an Kohls Seite sieht, fallen vor allem ihr betont lieber Gesichtsausdruck auf, ihre frauliche Art, sich zu kleiden, und eine Ausstrahlung von großer innerer Gelassenheit und Heiterkeit. Der massive Altkanzler, fast ein Monument seiner selbst, und die zarte, noch junge Frau wirken glücklich zusammen, strahlen Harmonie aus.

Im vergangenen Herbst war sie an seiner Seite, als Helmut Kohl wiederholt für seine historischen Leistungen ausgezeichnet wurde. Noch an den Folgen einer Knieoperation leidend, erhob er sich nur schwer und mit Unterstützung von seinem Stuhl im Jüdischen Museum, um für den Preis für Verständigung und Toleranz zu danken. Ein paar Tage zuvor hatten die Zeitschriftenverleger bei der Publisher’s Night Kohls alten Freund Peter Scholl-Latour für die Laudatio gewonnen. Auf seine Gehschwierigkeiten ging er in dieser Zeit offen ein, sprach von der Hoffnung, dass die sich durch eine weitere Operation beheben lassen würden. Vergnügt plauderten Kohl und Maike Richter bei rosa Rotkäppchensekt und Jasminrisotto noch lange mit alten Bekannten in der VIP-Lounge der Verleger.

Bei einem schweren Sturz in seinem Ludwigshafener Haus vor zwei Monaten zog er sich ein Schädel-Hirn-Trauma zu und musste sich einer weiteren Operation unterziehen. Seitdem hat er alle Verpflichtungen abgesagt, kommt nur mit seinen Söhnen und ganz engen Freunden zusammen. Maike Richter hat sich von ihrer Tätigkeit im Wirtschaftsministerium beurlauben lassen, um den Genesungsprozess ihres Gefährten nach Kräften zu unterstützen.

Den schweren Unfall hat Kohl offenbar als Zeichen dafür verstanden, dass es Zeit wird für einen Neuanfang. Vor sieben Jahren hatte Hannelore Kohl, mit der er 41 Jahre lang verheiratet war, sich wegen ihrer unheilbaren Lichtallergie das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief hatte sie ihn offenbar ermutigt, nicht allein zu bleiben.

Helmut Kohl wirkt bei seinen Auftritten oft sehr gefühlvoll, scheut sich nicht, Tränen offen zu zeigen. Er hat viel erreicht und lässt sich getragene Lasten anmerken. Er hat aber durch die junge Gefährtin neue Lebensfreude gefunden, auch daraus macht er keinen Hehl. Schon von der Statur her ist er ein Denkmal. Dass er zu seinen Gefühlen nun steht, vom Sockel herabsteigt und vor den Traualtar tritt, wirkt sehr menschlich.

Wann und wo die Hochzeit stattfinden wird, konnte die Büro-Sprecherin gestern noch nicht sagen.

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