Welt : Helmut Kohl nimmt Schröders engen Tanzstil in Schutz

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Helmut Kohl liebt es ebenso wie sein Nachfolger als Bundeskanzler, Gerhard Schröder, mit einer Frau eng zu tanzen. Nach der gestrigen Betrachtung im Tagesspiegel über den Tanzstil Schröders lief Kohl gestern mit dem Zitat über die Nachrichtenagenturen, Tango sei sein Lieblingstanz. Begründung: "Wissen Sie, ich tanze, um dem Weibe näher zu kommen. Beim Tango kommt man dem Weibe am nächsten." Aus dieser Äußerung sowie aufgrund von Fotos, die in Archiven über den tanzenden Kohl gestern zu finden waren, lässt sich bei dem früheren Bundeskanzler auf eine ganz andere Persönlichkeit als bei Schröder schließen. Zwar tanzen beide eng und damit falsch, das haben sie gemeinsam, aber das ist nicht der Punkt. Während Schröder die Nähe seiner Frau braucht, um beim Tanzen ein Gefühl der emotionalen Sicherheit zu haben, braucht Kohl nicht unbedingt die Nähe seiner eigenen Frau. Vielleicht ist "Nähe" aber auch nicht ganz das richtige Wort. Denn es geht dem Mann beim europäischen Tango darum, ein wenig Distanz zur Frau aufzubauen und sie dann, in einem Zustand körperlicher Spannung, gegen ihren leichten Widerstand ein wenig zu "biegen". Das ist - tänzerisch - gewollt und soll dem Mann das besondere Vergnügen beim europäischen Tango bereiten. Der Mann aber tut gut daran, nicht darüber zu sprechen; als Gentleman. Ob Kohl deshalb sein Vergnügen auch nur mit dem akzeptierten Begriff der "Nähe" beschrieb? Wer allerdings wirklich Nähe beim Tango sucht, der tanzt argentinischen Tango, genauer: den argentinischen "Tango de Salon". Das wiederum ist ein ganz anderer Tanz, dem sich überwiegend eine Szene von Leuten hingibt, die drei bis vier Jahrzehnte jünger sind als der Altkanzler. Aber einer wie Kohl, der rennt doch nicht dem Zeitgeist hinterher.

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