Welt : Herbie kommt schlecht in Fahrt

Kinoketten boykottieren den Filmstart wegen Streit um Leihbedingungen

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Berlin „Herbie fully loaded – Ein toller Käfer startet durch!“ hätte das Zeug zum Blockbuster. Die Deutschlandpremiere zur Neuverfilmung der Abenteuer des sympatischen Käfers steigt am Sonntag in der Berliner Waldbühne mit einem Weltrekordversuch zur längsten Käfer-Parade der Welt. Wer den Film aber zum Kinostart am 4.August im Programm der Kinoketten sucht, findet ihn nicht: Cinestar, Cinemaxx und UCI wollen den Film bundesweit nicht spielen. „Herbie“ läuft in rund 500, meist kleineren Lichtspielhäusern.

Grund für den Boykott ist ein Streit über die Leihbedingungen des Films. Der Verleiher Buena Vista will die DVD zum Film rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft Anfang Dezember auf den Markt bringen. Das wäre vier Monate nach dem Kinostart. Allgemein gilt aber ein sechsmonatiges Zeitfenster, in dem die Kinos den Film exklusiv haben. „Das ist ein Gentlemen’s Agreement, an das sich die meisten halten“, sagt Jan Österlin, Sprecher der Cinestar-Gruppe.

Wenn der Verleiher darauf besteht, die DVD früher herauszubringen, verlangen die Kinobetreiber im Gegenzug einen niedrigeren Leihsatz. Der liegt bei einem Film wie „Herbie“ in der Regel bei 53 Prozent des Kartenpreises, den ein Kino pro Karte an den Verleiher abtreten muss. Cinestar hatte angeboten, 44 Prozent der Kartenerlöse an Buena Vista zu zahlen. Das Angebot nahm der Verleiher aber nicht an, wollte 50,4 Prozent. Daraufhin entschied Cinestar, den Film nicht zu zeigen, und entfernte die entsprechende Werbung aus den Kinos.

„Für uns ist das ein Präzedenzfall“, sagt Jan Österlin: „Uns ist es wichtig, auch an andere Verleiher ein wichtiges Signal zu setzen.“ Kinos und Verleiher hätten ein gemeinsames Interesse, Filme so gut wie möglich zu präsentieren. „Je erfolgreicher ein Film im Kino ist, umso teurer kann man zum Beispiel seine Rechte an Fernsehsender verkaufen.“ Das werde bei Herbie allerdings schwierig, wenn nur kleine Kinos den Film spielten.

Auch bei Cinemaxx ist die Ansage klar: „Die Verhandlungen mit Buena Vista sind nicht beendet, aber die Vorstellungen liegen sehr weit auseinander. Da muss Bewegung rein. Die wird aber nicht von uns kommen“, sagt Sprecher Arne Schmidt. Für Thomas Schülke, Marketingdirektor bei UCI, ist das Phänomen, DVDs so schnell wie möglich nach dem Kinostart eines Films auf den Markt zu werfen, nicht neu: „Das ist ein schleichender Prozess, der seit einigen Jahren eingesetzt hat.“ UCI hat in der Vergangenheit schon einen Buena-Vista-Film gesperrt: „Die Kühe sind los“ lief mit zwei Monaten Verspätung an, weil die DVD schon dreieinhalb Monate nach Filmstart erschien. Der Verleih Buena Vista wollte das Thema gestern nicht kommentieren. cof

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