Herzogau : Skandal an Hundeschule: Pikante Bilder aufgetaucht

Von den angeblichen Exzessen an einer Polizeihundeschule in Herzogau gibt es offenbar Bilder, die einen "Täufling" mit Hundeleine und Elektrohalsband zeigen. Bayerns Innenminister wiegelt trotzdem weiter ab.

Hundeleine
Skandal in der Hundeschule? Viele Vorwürfe scheinen haltlos. -Foto: ddp

München Zu den umstrittenen Initiationsritualen an der Polizeihundeschule im oberpfälzischen Herzogau sind neue Details bekanntgeworden. Auf Fotos von den sogenannten Erstlingshundeführertaufen soll einem Medienbericht zufolge ein Polizist zu sehen sein, der ein Würgehalsband und ein Elektrohalsband trägt. Das andere Ende der Leine habe sein "Pate" in der Hand. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, er halte die allermeisten Vorwürfe gegen Ausbilder der Hundeschule für strafrechtlich geklärt.

Laut "stern.de" musste der "Täufling", der auf den Fotos zu sehen ist, Schnapsfläschen mit den Zähnen fassen und austrinken. Die Bilder zeigten den Angaben nach auch, wie der Hundeführer aus einem mit einer gelben Flüssigkeit gefüllten Napf schlabbere. Dem Bericht zufolge musste aus dem Hundenapf nach übereinstimmenden Erzählungen von Zeugen auch Trocken-Hundefutter gegessen werden. Wer dabei zögerte, sei teilweise mit einem Elektroschock "ermuntert" worden.

Als Höhepunkt des Taufrituals sollen die Polizisten mit einer Mischung aus Brühe, Salatöl, Essig, Bier und anderen Zutaten übergossen worden sein. Das Gebräu wurde von einer Schüssel aufgefangen, die der Proband anschließend austrinken musste.

Keinerlei Hinweise auf Straftaten

Herrmann sagte, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Regensburg hätten keinerlei Hinweise auf Straftaten ergeben. Die dienstrechtliche Prüfung der in einem anonymen Schreiben erhobenen Vorwürfe dauere aber noch an. Über mögliche Konsequenzen könne erst danach entschieden werden.

Mit Blick auf die Taufrituale sagte der CSU-Politiker, dass er von diesem "Zirkus" nichts halte. Er habe sie deshalb verboten. Es sei aber ein Unterschied, ob jemand nach Gummibärchen schnappen müsse oder, wie in dem Schreiben behauptet, Urin trinken müsse. Das Ansehen der Polizei dürfe weder von "falschen, anonymen" Anschuldigungen noch durch schwarze Schafe unter den Beamten in Mitleidenschaft gezogen werden, betonte er.

Drei beschuldigte Beamte sind inzwischen aus Herzogau abgezogen worden. Zwei davon seien versetzt, einer vom Dienst freigestellt worden, sagte Herrmann. Die Dienstaufsicht für die Hundeschule wurde der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg übertragen.

"Dichtung und Wahrheit"

In einem anonymen Schreiben war Ausbildern vorgeworfen worden, Beamtinnen bei Abschlussfeiern sexuell erniedrigt zu haben. Auch von neonazistischen Umtrieben und Tierquälerei war darin die Rede. Herrmann wies daraufhin, dass keine dieser Anschuldigungen von den befragten Hundeführern bestätigt worden sei. Das Schreiben sei gekennzeichnet von "Dichtung und Wahrheit". Auch Vergleiche mit Bildern aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib, auf denen US-Soldaten unter anderem mit an Hundeleinen befestigten Gefangenen posierten, wies Herrmann strikt zurück.

Herrmann räumte ein, dass die Hundeschule dringend saniert werden müsse. Die Unterbringung für die Beamten sei "bescheiden", sagte er. Mit der Sanierung solle im kommenden Jahr begonnen werden. Die Grünen warfen Polizei und Innenministerium vor, die Vorgänge in Herzogau jahrelang ignoriert zu haben. Es sei alarmierend, dass erst ein "Skandal um einen anonymen Brief" zu Konsequenzen führe, sagte die Grünen-Innenexpertin Christine Kamm. (mit dpa)