Hiddensee : Zu teuer für die Palucca-Gemeinde

Ein Mann aus Meißen ersteigert das Grundstück der berühmten Tänzerin Gret Palucca auf der Ostsee-Insel Hiddensee. Bei der Versteigerung im Schöneberger Rathaus protestierten zahlreiche Anhänger der Tanzlegende.

Johannes Schneider
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Palucca-Schülerinnen mahnten sorgsamen Umgang mit dem Areal an. Foto: Schneider

Berlin - Ein Mann aus dem sächsischen Meißen hat am Samstag im Berliner Rathaus Schöneberg das Anwesen der berühmten Tänzerin Gret Palucca auf der Insel Hiddensee für 402 000 Euro ersteigert. Die Anhänger der Tanzlegende aus Dresden hoffen, dass sie mit dem neuen Eigentümer das Andenken der 1993 verstorbenen Künstlerin an deren Sommersitz bewahren können. Das Haus auf dem Grundstück war von dem bisherigen Eigentümer in einer überraschenden Aktion abgerissen worden.

Als Heidrun Müller vom Abriss des Palucca-Hauses erfahren hatte, musste sie sich erst mal setzen. „Am frühen Morgen bekam ich den Anruf. Da habe ich nur noch ohnmächtige Wut gefühlt“, sagt die ehemalige Schülerin der 1993 verstorbenen Tanz-Legende Gret Palucca. „Ohnmächtige Wut“ fühlt Müller auch am Samstag wieder: Zusammen mit derzeitigen Tanz-Schülerinnen ist sie zum Schöneberger Rathaus gekommen, um zu protestieren. Denn dort wurdedas Hiddenseer Grundstück versteigert. Unter der Position 99 waren 398 000 Euro Mindestgebot für das knapp 1 500 Quadratmeter große Grundstück ausgewiesen.

In einer Reihe hatten sich sieben junge Palucca-Schülerinnen vor dem Rathaus aufgestellt. Sie hielten Bilder Paluccas und ihres Sommerhauses in den Händen. „Palucca hat uns so viel gegeben“, sagte Vanessa Hehn. „Jetzt müssen wir ihr etwas zurück geben.“ Die 14-Jährige ist seit fünf Jahren an der Dresdner Palucca-Schule. „Position 99“, steht auf ihrem Bild. Und dann: „Palucca-Haus Hiddensee. Denk mal!“

Am 17. März hatte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern das Palucca-Haus als denkmalwürdig eingestuft. Doch noch bevor das zuständigeBauamt den Beschluss umsetzen konnte, ließ der bisherige Besitzer das Haus in den Morgenstunden des 20. März abreißen. Die Genehmigung für einen Neubau besaß er seit 2006.

„Das ist rechtmäßig gelaufen“, sagt Rainer Rohloff vom Bauamt Rügen. „Der Besitzer hätte uns aber eine Woche vorher noch einmal informieren müssen, dass er jetzt tatsächlich abreißen wird.“ Diese Ordnungswidrigkeit werde man entsprechend ahnden: Der Besitzer muss mit einem Bußgeldbescheid rechnen.

„Aber das hilft uns auch nicht weiter“, sagt Konrad Hirsch, der Vorsitzende des Palucca-Fördervereins. Eigentlich wollten Hirsch und seine Mitstreiter selber um das Grundstück mitbieten. 50 000 Euro hätten sie zusammen gehabt, sagt Hirsch, und einen Bankkredit in Aussicht. Aber angesichts des hohen Mindestgebots hätten sie sich dann doch umentschieden. „Zumal es das Haus ja nun leider nicht mehr gibt“, sagt Hirsch. Jetzt hofft er, dass der neue Besitzer ein Interesse am Erbe Paluccas hat. „Vielleicht können wir mit ihm zusammen eine Art Gedenkstätte errichten.“ Er sei bereits auf den Förderverein zugekommen. Nun wolle man gemeinsam nach einer Lösung suchen.

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