Welt : Hildebrandt würde Wecker volltrunken engagieren

MÜNCHEN (AP).Der wegen Drogenbesitzes angeklagte Liedermacher Konstantin Wecker hat im Kampf um seine Freiheit Schützenhilfe von prominenten Freunden erhalten.Die Schauspielerin Senta Berger sagte am Montag als Zeugin im Revisionsprozeß vor dem Münchner Landgericht aus, der Sänger habe Ende 1995 körperlich und geistig vor dem "absoluten Verfall" gestanden.Der Kabarettist Dieter Hildebrandt berichtete, Wecker habe den Eindruck einer gestörten Persönlichkeit gemacht.

Neben den beiden TV-Stars waren weitere acht Zeugen geladen, die den Zustand des Künstlers auf dem Höhepunkt seines exzessiven Drogenkonsums im Jahr 1995 schildern sollten.Zudem gab das Gericht dem Antrag der Verteidigung statt, zwei weitere Sachverständige zu hören.

In dem Berufungsprozeß will der 50jährige Liedermacher, der im September 1996 wegen des Besitzes von mehr als 1,5 Kilogramm harten Drogen für den Eigenbesitz verurteilt worden war, beweisen, daß er wegen seiner Kokainsucht geistesgestört und damit schuldunfähig war.Er will in der Revision mindestens eine Bewährungsstrafe erreichen.Die Schauspielerin Senta Berger berichtete über ihre Zusammenarbeit mit Wecker bei den gemeinsamen Dreharbeiten zur ARD-Serie "Doktor Schwarz und Doktor Martin".Er habe während der Arbeit stark getrunken, sei verwahrlost und unkonzentriert gewesen: "Wir haben ihn wie einen Patienten behandelt."

Die Situation habe sich in den folgenden Monaten so dramatisch verschlechtert, daß das Filmprojekt gefährdet gewesen sei.Bei einem Kreislaufkollaps Weckers habe sie sogar Todesängste um ihn ausgestanden.Beim Drogenkonsum selbst habe sie den Liedermacher aber nie beobachtet.

Als "ziemlich jämmerlich" schilderte der Kabarettist Hildebrandt die äußere Erscheinung Weckers kurz vor seiner Verhaftung im November 1995.Noch beunruhigender als der körperliche Verfall des Liedermachers sei allerdings die Veränderung seiner Persönlichkeit gewesen: Er habe nicht nur den Eindruck gehabt, daß der Freund weit über seine finanziellen Verhältnisse lebe, sondern der als atheistisch bekannte Liedermacher habe zudem plötzlich von seiner religiösen Bekehrung und höheren Mächten gesprochen."Irgendwas war da gestört bei ihm."

Eine Freundin des Liedermachers, die mit ihm im Sommer 1995 liiert war, gab zu Protokoll, er habe zeitweise in einer nicht existenten Sprache "gebabbelt".Außerdem habe er ihr von Vogelmenschen und Geisterwesen erzählt, die ihn vor Gefahren gewarnt hätten.

Der Prozeß wurde mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt, darunter Weckers Schauspielkollege Friedrich von Thun.Außerdem wollte das Gericht die beiden Sachverständigen hören.Zum Auftakt des Prozesses hatten zwei Gutachter dem Sänger krankhafte psychologische Störungen bescheinigt, eine Schuldunfähigkeit jedoch zurückgewiesen.

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