Welt : Hilfe – die Stars landen

In Südfrankreich macht eine Bürgerinitiative gegen den Lärm der Privathubschrauber mobil

Hans-Hagen Bremer[Paris]

„Können Sie es hören?“ Jean-Claude Molho unterbricht das Telefongespräch. Man kann sich vorstellen, wie er den Hörer in die Luft hält. Jetzt ist es deutlich in der Muschel zu vernehmen, das Knattern, das näher kommt, ohrenbetäubend wird und ihm die Verständigung mit dem Anrufer aus Paris unmöglich macht. „So geht das alle zehn Minuten“, sagt Molho. Der Zufall bringt ihm in diesem Moment den Beweis für die Lärmbelästigung durch die ständigen Hubschrauberflüge, die den Einwohnern der Orte auf der Halbinsel von Saint-Tropez das Leben schwer machen.

„Morgens um halb acht geht es los und manchmal endet es erst um zehn Uhr am Abend“, sagt der pensionierte Ingenieur. Besonders schlimm sei es an dem Wochenenden vor dem französischen Nationalfeiertag, dem 13. Juli gewesen. Im Sieben-Minuten-Takt und oft in niedriger Höhe hätten die Helikopter Kurs auf Saint-Tropez und seine Nachbarorte Ramatuelle, Grimaud, Gassin oder Cogolin genommen, um Reiche und Schöne zur Erholung an den mondänen Badeort an der Côte d’Azur zu bringen. „Es war die Hölle“, sagt Molho. Am Wochenende des 15. August, dem Höhepunkt der Sommersaison, dürfte ihm ein neuer Lärmrekord bevorstehen – und dazu viel Arbeit. Molho sammelt neuerdings mit eigenen Lärmpegelmessern Beweismaterial für die Belästigung. Er steht an der Spitze einer Bürgerinitiative „Halte Hélico“, die gegen das Rotorengebrumm ankämpft. Fünfhundert Mitglieder gehören ihr inzwischen an.

Nur 20 Minuten dauert der Helikopterflug vom Flughafen Nizza nach Saint-Tropez. Die Fahrt über die Autobahn kann dagegen Stunden dauern, wenn der Verkehr im Sommer nur noch im Schritttempo vorankommt. „Keine endlosen Staus mehr, der Helikopter ist das beste Mittel, um ans Ziel zu kommen“, wirbt Héli Air Monaco, eine der vielen an der Côte d’Azur tätigen Fluggesellschaften. Zwar ist der Transfer mit 790 Euro nicht billig. „Dafür aber können Sie zu jeder beliebigen Zeit fliegen und natürlich holen wir Sie zur gewünschten Stunde auch wieder ab“, gibt eine freundliche Damenstimme Auskunft.

Solche Angebote nutzen vor allem die Filmstars und Formel-1-Rennfahrer, die hier Urlaub machen. Trotz Massentourismus ist für viele von ihnen der durch Brigitte Bardot berühmt gewordene einstige Fischerort weiter eines der liebsten Urlaubsziele. Um ihre Wünsche zu bedienen, sind seit 1998 über vierzig private Landeplätze entstanden, zum Teil in Weinbergen. Das bringt den Winzern ein Zubrot. Die Behörden unternahmen bislang nichts.

Vor kurzem hat Molho ihnen dann ein Ultimatum gestellt, das 4000 Menschen unterzeichnet haben. Darin drohte er, den Zugang zu Saint-Tropez zu sperren, wenn von staatlicher Seite nichts zur Verminderung des Fluglärms geschehe.

Seitdem gibt es erste Veränderungen. „Unser Ultimatum hat Bewegung in die Sache gebracht“, sagt Molho. Die Präfektur hat Pläne für einen Landeplatz auf einer Mole im Meer ins Gespräch gebracht. Auch wurde ein Landeplatz bei Ramatuelle geschlossen, dem Verstöße gegen die Regeln des Flugbetriebs nachgewiesen wurden. „Wenn besser kontrolliert würde, wäre schon viel erreicht“, sagt Molho zum Abschluss des Gesprächs, das alle zehn Minuten vom Lärm anfliegender oder abhebender Helikopter unterbrochen wurde.

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