Hilfe für Haiti : "Wenigstens ist es diesmal kein Kriegsgebiet"

Sie brechen auf in Richtung Haiti: Ärzte, Krankenschwestern - und auch spontane Helfer. Die Familien bleiben mit gemischten Gefühlen zurück. Begegnungen am Düsseldorfer Flughafen.

von
Bernard
Johnny Bernard, spontaner Helfer aus Berlin. -Foto: Ingrid Müller

DüsseldorfGeschlafen haben viele von ihnen schon in der vergangenen Nacht nicht. Mit Rucksäcken, Isomatten und Wasserflaschen stehen sie am Morgen in der Abflughalle des Düsseldorfer Flughafens. Sie, das ist ein Team von Ärzten, Krankenschwestern, Apothekern und einem Logistiker aus dem ganzen Bundesgebiet, die den Erdbebenopfern in Haiti helfen wollen. Sie sind mit der Hilfsorganisation Humedica aus Kaufbeuren unterwegs.

Der übermüdete Geschäftsführer Wolfgang Groß, ein Herr mit grauem Haar und Brille, ist wie alle anderen in roter Weste vor Ort. Auch er hat sich die Nacht um die Ohren geschlagen, "wir haben noch Röntgenfilme organisiert". Am Mittag sollte die Gruppe mit Air Berlin über Puerto Plata in der Dominikanischen Republik gen Haiti starten, wo schon einige Kollegen mit der Arbeit im "Krankenhaus der Hoffnung" begonnen haben, das weitgehend unzerstört geblieben ist. Am Freitag bot die Fluggesellschaft an, kostenfrei den Airbus für einen Hilfsflug zur Verfügung zu stellen - nun sind 35 Tonnen Material an Bord, Infusionen, Verbände, OP-Material und Medikamente, Medikamente, Medikamente. Noch am Morgen kommt eine Lieferung. Groß scheint selbst erstaunt, was in so kurzer Zeit übers Wochenende alles machbar war.

Die Erdbeben-Katastrophe in Haiti
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1 von 49Foto: AFP
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Die Truppe, zu der auch die Kindernothilfe, World Vision und Ein Herz für Kinder gehören, ist bunt gemischt. Junge Ärzte sind dabei, Krankenschwestern. Die meisten kennen sich nicht, der Unfallchirurg Simeon Janzen kommt aus Detmold, der Anästhesist Norman Hecker aus Tübingen, Krankenschwester Sabine Brehm aus Germaringen - die Namen werden sie sich heute noch nicht merken können. Einige sind erfahrene Helfer, wie der Bonner Allgemeinmediziner Michael Brinkmann. Mit kurzem Bart und Metallbrille steht der schmale dunkelblonde Mann in der Abflughalle - er hat sich erstmal ein Wasser organisiert. Der 50-Jährige in Jeans und Boots kennt schon einige Krisengebiete der Erde, es ist sein zehnter Einsatz, der vierte für Humedica. Kosovo, Pakistan, Irak und Somalia sind nur einige Länder. Früher war er oft monatelang unterwegs, seit er Familie hat, "schätze ich das eigene Risiko anders ein".

Die Familie, das sind seine Frau Heike, Lehrerin in der Erwachsenenbildung, und die Kinder Tom (11) und Lisa (7). Lisa hat ihm beim Abendbrot zum Abschied gesagt. "Wenigstens ist es diesmal kein Kriegsgebiet. Ich gucke, dass ich nicht so viel weinen muss. Du machst da deinen Teil, wir hier unseren", erzählt er mit gemischten Gefühlen von sehr erwachsenen Gedanken der Tochter. Ohne die Familie daheim, sagt er, wären seine Einsätze gar nicht denkbar. "Da bin ich gut aufgehoben. Da kann ich auch mit meinen Problemen wiederkommen." Michael Brinkmann macht das, weil er zu dem Schluss gekommen ist, "dass es gut ist, sich nicht nur um sich selbst zu kümmern". Und irgendwie mag er es auch, "mit den fünf Sinnen zu untersuchen". Es sei auch möglich, ohne Kernspin und Ultraschall gute medizinische Versorgung zu bieten, sagt er. Und er weiß, dass auch die Kollegin in der Bonner Praxis und die Kollegen bei der Feuerwehr jetzt zu Hause seine Arbeit mit übernehmen müssen. Die, sagt er, werden viel zu oft vergessen, wenn dann die tollen Helfer überall ins Bild rücken.

Mit von der Partie ist auch ein spontaner Helfer aus Berlin. Johnny Bernard. Er ist halb Dominikaner, halb Haitianer, führt mit seiner Frau das Reisebüro Alf Tours in der Yorckstraße und hat ein weiteres in Puerto Plata, erzählt er lachend. Seine Angehörigen in Haiti, "ein paar Onkel und Cousinen", haben alle überlebt, sie wohnen an der Küste Haitis. Als er vom Beben hörte, hat seine Frau im Internet recherchiert - und sie haben Humedica ihre Hilfe angeboten. Die haben angenommen. Nun erzählt der 42-Jährige unter den Augen von Logistiker Florian Hansmann sichtlich stolz, dass der Transport des Materials von Puerto Plata nach Port-au-Prince schon organisiert ist.

Am Mittag kam extra der Botschafter Haitis, Saget, an den Flughafen, um die Helfer zu verabschieden. Wolfgang Groß blieb mit ihm zurück. Für ihn geht die Arbeit in Deutschland weiter. Am Mittwoch soll der nächste Flieger ins Erdbebengebiet starten. 

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