Welt : Hilfe in der Not

Trotz effizienter Strukturen braucht das Land Unterstützung

Moses Fendel
Einsam inmitten der Verwüstung. Eine weinende Frau sitzt zwischen den Trümmern ihrer von dem Tsunami zerstörten Stadt Natori im Norden des Landes. Fotos: Reuters(1), AFP(2)
Einsam inmitten der Verwüstung. Eine weinende Frau sitzt zwischen den Trümmern ihrer von dem Tsunami zerstörten Stadt Natori im...Foto: REUTERS

Bundespräsident Christian Wulff hat alle Deutschen zu Spenden für Japan aufgerufen. „Ich werde das auch tun“, sagte er am Montag bei einem Treffen mit dem japanischen Botschafter Takahiro Shinyo in der japanischen Botschaft in Berlin. Wulff überbrachte sein Beileid im Namen der deutschen Bevölkerung. „Es ist mir ein ehrliches und aufrichtiges Anliegen, das Mitgefühl aller Deutschen auszudrücken.“ Der Botschafter bedankte sich bei Wulff für sein Mitgefühl. „Ich weiß, dass Sie in Krisenzeiten immer an unserer Seite gestanden haben.“

Verschiedene Hilfsorganisationen haben zu Spenden für die Opfer der Katastrophe in Japan aufgerufen. Neben dem Deutschen Roten Kreuz und den Hilfswerken der beiden großen Kirchen, Diakonie und Caritas, bittet auch die „Aktion Deutschland Hilft“, ein Bündnis mehrerer Wohlfahrtsverbände, um Unterstützung.

Doch wie sinnvoll sind Spenden für ein Industrieland wie Japan? Das Land verfügt im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, die von Katastrophen heimgesucht wurden, über eine leistungsfähige Wirtschaft und effiziente Strukturen. Dennoch ist das Land angesichts der unermesslichen Verwüstungen auf Hilfe angewiesen und nimmt Hilfe gerne an. Die japanische Botschaft bittet, Spenden über das Rote Kreuz nach Japan zu leiten. Auch Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), hält Spenden grundsätzlich für sinnvoll. „Wir werden niemandem vom Spenden abraten“, sagte er. Doch bei Aufrufen sei Vorsicht geboten. „Vor allem mit Organisationen, die den Eindruck erwecken, selbst vor Ort tätig zu werden.“ Japan habe bisher noch nicht offiziell um Hilfe gebeten, „schon gar nicht im Bereich der Non-Profit-Organisationen.“ Sinnvoll seien nur Spenden an „seriöse Organisationen, die gute Kontakte zu bestehenden Strukturen vor Ort“ unterhielten wie das Rote Kreuz oder die Caritas.

Auf die gezielte Unterstützung japanischer Partner setzt auch Rainer Lang, Pressesprecher der Katastrophenhilfe der Diakonie. Die Diakonie wolle Solidarität mit den Menschen in Japan zeigen und die Gelegenheit zum Spenden geben. „Die Menschen sind erschüttert. Aus den Kirchengemeinden hat uns eine Welle der Solidarität erreicht. Wir werden uns Zeit lassen und in Ruhe Partner vor Ort suchen. Mittelfristig werden wir Menschen unterstützen, die unter der Katastrophe leiden und die nicht von der staatlichen Hilfe profitieren“, sagte Lang.

Auf längerfristige Hilfe setzt auch das Deutsche Rote Kreuz. Pressesprecherin Svenja Koch sagte, der Bedarf an Unterstützung sei trotz der guten wirtschaftlichen Lage Japans hoch. Die gesammelten Spenden kämen dem Japanischen Roten Kreuz zugute, das das Geld innerhalb der nächsten fünf Jahre für Nothilfe und Wiederaufbau einsetzen könne. mit dpa

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