Hilferuf : "Wir hoffen jeden Tag"

Kate und Gerry McCann geben die Hoffnung nicht auf, ihre Tochter zu finden. Auf einer Pressekonferenz in Berlin haben Madeleines Eltern deutsche Touristen um Hilfe gebeten.

Aliki Nassoufis[dpa]
Kate und Gerry McCann
Klaus Wowereit mit Kate und Gerry McCannFoto: dpa

BerlinBerlin - Ihr Gesicht ist eingefallen, ihre Augen sind voller Trauer. Kate McCann, die Mutter der vor fünf Wochen entführten Madeleine, ist von ihrem Leid sichtlich gezeichnet. Mit starrem Blick hält die 38-Jährige einen rosa-weißen Pyjama hoch, der dem gleicht, den ihre vierjährige Tochter zuletzt getragen hat. "Wir wissen noch immer nicht, wo Madeleine ist", sagt ihr Ehemann Gerry McCann. Das britische Paar richtete deshalb am Mittwoch einen verzweifelten Appell an die Deutschen. Bei der Suche nach dem Mädchen sollen jetzt auch aus Portugal zurück gekehrte deutsche Urlauber helfen.

   "Wir möchten deutsche Touristen bitten, die in der Zeit vor der Entführung nahe dem Ferienort Praia da Luz in Portugal waren, ihre digitalen Fotos auf die Internetseite www.madeleine.ceopupload.com zu laden", erklärte Madeleines Vater Gerry. Madeleine war am 3. Mai im Schlaf aus einer Luxus-Ferienanlage an der Algarve-Küste verschwunden. Seitdem fehlt jede Spur von ihr.

   Auf der Internetseite muss der Besitzer der Bilder seine Zustimmung zur Verwendung geben. Die Fotos sollten nicht veröffentlicht und strikt vertraulich behandelt werden, wird dort versprochen. Interessant seien vor allem Bilder mit fremden Menschen im Hintergrund, erklärte McCann. Die Eltern erhoffen sich so einen Hinweis auf die möglichen Entführer.

Starke Medienpräsenz ein Risiko?

   "Wir hoffen und beten jeden Tag, dass Madeleine sicher zu uns zurück kommt", sagte ihr Vater, der am Dienstag seinen 39. Geburtstag ohne seine Tochter feiern musste. "Es gibt keine Sicherheit, dass Madeleine noch in Portugal ist." Die Grenzen und Häfen seien erst etwa zwölf Stunden nach Madeleines Verschwinden geschlossen worden. "Deswegen wollen wir eine so große Öffentlichkeit wie möglich erreichen, da sie in jedem Land sein könnte."

   Für ihre Suche hat das Arzt-Ehepaar bereits zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen in Portugal, Spanien und Großbritannien gestartet. In der vergangenen Woche trafen die gläubigen Katholiken sogar Papst Benedikt XVI. Genau diese starke Medienpräsenz könnte nach Ansicht von Kriminologen aber auch ein Risiko für Madeleine sein. Noch ist unklar, warum das Mädchen entführt wurde. Die Spekulationen reichen von pädophilen Tätern bis hin zu einem Menschenhändlerring. Vorwürfe, unverantwortlich zu handeln, wiesen die McCanns in Berlin jedoch erneut heftig zurück.

Von Berlin über Amsterdam nach Marokko

   "In den ersten zwei oder drei Tagen nach der Entführung haben wir fast gar nicht funktioniert", sagte Gerry McCann. "Als wir dann aber mit der Suchaktion begonnen haben, haben wir gemerkt, dass es uns Kraft gibt, aktiv zu sein." Außerdem wollten sich die Beiden später keine Vorwürfe machen müssen. "Wir wollen nicht in sechs Monaten zurückblicken und sagen "Hätten wir mal dies gemacht, hätten wir mal das gemacht"."

   Deswegen haben sich Madeleines Eltern auch für die nächsten Tage viel vorgenommen. Noch am Mittwoch stand ein Treffen mit dem Staatssekretär im Bundesjustizministerium auf dem Programm. Später wollte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das Paar empfangen. In Deutschland gelten derzeit etwa 1600 Kinder als vermisst.

   Keine 24 Stunden nach ihrer Ankunft in Berlin wollten die McCanns am Nachmittag weiter nach Amsterdam, um dort die Bevölkerung um Hilfe zu bitten. Danach wollen sie nach Marokko reisen. "Es ist die ganz normale Bevölkerung, die uns helfen kann", war sich Gerry McCann sicher. "Irgendjemand weiß, wer Madeleine hat - wir brauchen nur einen Telefonanruf mit einem Ort oder einem Namen."

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