Welt : Hilft Rache gegen Schreibblockaden?

Eine Autorin ließ eine Filmproduzentin ermorden – in einem Roman

Rüdiger Suchsland

Nein, richtig nett ist es nicht, was der erfolgreichen Berliner Filmproduzentin da angetan wird: Mit einer metallenen Klobürste erschlagen liegt sie eines Tages einfach da auf dem Damenklo einer Edelkneipe – glücklicherweise ist dies nur eine Szene aus einem Roman. Und glücklicherweise handelt es sich bei Rosi Stark, der ruppigen „Alphafrau“, nur um eine Romanfigur – die selbstverständlich ganz und gar überhaupt keine Ähnlichkeit mit lebenden Personen hat. Sagt die in München wohnende Christine Grän, Autorin erfolgreicher Kriminalromane und Erfinderin der Hobbydetektivin Anna Marx, die in „Marx, My Love“ im Mordfall von Rosi Stark ermittelt. „Keinen Hinweis auf irgendwelche Ähnlichkeiten zu lebenden Personen“ sieht auch Gräns Verlag C.Bertelsmann, „und wenn es Ähnlichkeiten geben sollte, wären die natürlich nicht beabsichtigt“. Vielleicht aber doch. Denn das Filmbusiness ist übersichtlich, und der eine oder andere Branchenkenner hatte nach Lektüre des ebenso flott wie süffig geschriebenen Romans schnell eine Vorstellung, wer mit der resoluten Rosi Stark möglicherweise tatsächlich gemeint sein könnte: „Marx, My Love“ ist, so munkelt man in der Szene, in Wahrheit ein subtiler Racheakt an der Berliner Produzentin Regina Ziegler. Ziegler, seit 20 Jahren ganz oben im deutschen Film, ist unter Kollegen ebenso geachtet wie gefürchtet. Zwischen dem blonden, höchst unsympathischen fiktiven Mordopfer und der rothaarigen, durchsetzungsstarken Sechzigjährigen gibt es in der Tat für manche Beobachter auffällige Parallelen. Grän und Ziegler sind seit einigen Jahren in inniger Feindschaft verbunden: Ziegler hatte einst Gräns Heldin Anna Marx in eine TV-Serie verwandelt. Bei der ersten Staffel arbeitete Grän noch mit, bei der zweiten bekam sie noch Geld für die Rechte, die dritte wurde dann von Ziegler ohne Gräns Zustimmung gedreht. Grän klagte, bekam in erster Instanz Recht, verlor aber in zweiter. Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie eine Schreibblockade geahnt. Die habe sie dadurch kuriert, dass sie „mit Lust“ einen neuen Anna-Marx-Roman geschrieben habe. „Wahrscheinlich ist da auch Erlebtes eingeflossen.“

„Ich hatte angefangen, den Roman zu lesen“, gibt Regina Ziegler auf Nachfrage zu, „aber er hat mich nicht fasziniert“. Sie fühle sich durch Vermutungen von Dritten eigentlich nicht gekränkt, sagte sie weiter, „Ich fühle mich nicht beleidigt, sondern behelligt.“

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