Welt : Hinter Gitter

Winnie Mandela wegen Betrugs zu fünf Jahren verurteilt

Wolfgang Drechsler[Pretoria]

Von Wolfgang Drechsler,

Pretoria

Normalerweise ist ihr Markenzeichen die Extravaganz – wallende Gewänder, kühn geschwungene Hüte, die stets in die Luft gereckte Faust. Doch jetzt sitzt Winnie Madikizela Mandela, wie sie seit ihrer Scheidung von Nelson Mandela im Jahre 1996 heißt, ganz brav auf der Anklagebank im Amtsgericht von Pretoria: Das Kleid der Ex-Frau des ehemaligen südafrikanischen Staatschefs, ist in schlichtem weiß gehalten und sie ist hutlos. Selbst die Perücke wirkt heute eher unscheinbar.

Die 68-Jährige hat allen Grund, sich bedeckt zu halten, denn gerade hat Amtsrichter Peet Johnson sie zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Anders als in der Vergangenheit ist sie diesmal nicht wieder, wie gemeinhin erwartet, mit einer Bewährungsstrafe oder saftigen Geldbuße davongekommen.

Vielmehr sah es das Gericht als erwiesen an, dass Frau Mandela für eine Reihe von Personen, darunter auch Tochter Zinzi, unter falschen Angaben Bankkredite in Höhe von mehr als 100 000 Euro erschlichen hat. Insgesamt wurden sie und ihr Finanzberater in 43 Fällen von Betrug und 25 Fällen von Diebstahl für schuldig befunden. Und diesmal soll sie dafür zur Abschreckung ins Gefängnis. Allerdings stellt das Gericht ihr Alter und ihr „hartes Leben“ mildernd in Rechnung. Einen Großteil der Strafe wird die Frau Mandela deshalb wohl in Form von Sozialarbeit ableisten. Vermutlich wird sie nur ein paar Monate ins Gefängnis müssen. Immerhin: Nachdem erst im letzten Monat der langjährige Fraktionsführer des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) wegen Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt worden war, ist mit Winnie Mandela in diesem Jahr bereits das zweite prominente Mitglied der früheren Widerstandsbewegung rechtskräftig verurteilt worden.

Auch gegen Vizepräsident Jacob Zuma ermittelt derzeit eine Sondereinheit der südafrikanischen Polizei wegen Korruption in einem Waffendeal. Es ist nicht das erste Mal, dass die am Kap lange Zeit als „Mutter der Nation“ vergötterte Winnie Mandela mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Bereits zu Apartheidzeiten war die frühere Bürgerrechtlerin dem so genannten „Mandela Football Club“ im Johannesburger Township Soweto eng verbunden, einer notorischen Schlägerbande, die als ihre Bodyguards fungierte und mehr als ein Dutzend Morde an schwarzen Jugendlichen verübt haben soll. Winnie Mandela wurde der schweren Körperverletzung für schuldig befunden, entging der mehrjährigen Haftstrafe damals aber im Berufungsverfahren.

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