• "Hiroshima, mon amour": Der Theologe Eugen Drewermann über den Film seines Lebens

Welt : "Hiroshima, mon amour": Der Theologe Eugen Drewermann über den Film seines Lebens

Johanna Adorján

Filmgeschichtlich betrachtet, ist "Hiroshima, mon amour" einer der bedeutendsten Filme der Nouvelle Vague, für mich ist er jedoch noch viel mehr: der traurigste, schönste und beste Film, der mir bekannt wurde. Regie führte der Franzose Alain Resnais, das Drehbuch stammt von Marguerite Duras, die versucht hat, ihrem Entsetzen über den Abwurf der Atombombe Ausdruck zu verleihen. Konfrontiert werden miteinander zwei Menschen, die von Leid und Krieg zerfressen sind. Eine französische Schauspielerin ist nach Hiroshima gekommen, um einen Werbefilm für den Frieden zu drehen. Sie begegnet einem japanischen Architekten, die beiden verlieben sich und verbringen eine Nacht im Hotel. Gleich in der ersten Szene sieht man die beiden verzweifelt sich aneinanderklammern: Es ist die Geschichte einer unordentlichen Liebe in einer Welt, in der der Wahnsinn zur Normalität gefroren ist. Um das Unfassbare zu begreifen, ist sie in eine Ausstellung gegangen, die die Katastrophe zeigt. "Ich habe das Leid der Menschen gesehen", sagt sie. Er antwortet ihr: "Du hast nichts gesehen."

Der Film ist der Versuch, glauben zu machen, dass Liebe über Entsetzen hinweg trösten könnte, zumindest für eine Nacht. Was der Film nicht erzählt, ist, dass 14 Tage nach dem Abwurf der Bombe tatsächlich ein Kamerateam nach Hiroshima entsannt wurde. Amerikaner kamen in die Stadt - nicht, um das Leid zu dokumentieren, sondern um zukünftige Explosionen noch grausamer zu machen. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit denke ich an diesen Film: Er schürt die Hoffnung, dass Liebe und Kunst doch etwas bewirken können in einer kalten Welt.

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