Welt : Hitze, Gewitter, 36 Grad

OFFENBACH/HAMBURG (Tsp). Nach dem bisher heißesten Wochenende des Jahres streiten das Hoch "Paola" und der irische Tiefausläufer "Gordon" mit Blitz und Donner um die Vorherrschaft über das sommerliche Deutschland. Dort, wo "Paola" und "Gordon" aufeinandertreffen, gewittert es weiterhin heftig. Am Sonnabend, dem bis heute wärmsten Tag des Jahres, ließ das Hochdruckgebiet vor allem die Autofahrer der ersten Urlaubsreisewelle Richtung Süden bei etlichen Staus in ihren Karossen schmoren. Ausflügler, Gartenfans und Wasserfreunde konnten dagegen den Sommer ungebremst genießen. Neue Höchsttemperaturen werden für den Wochenbeginn vor allem in der Lausitz und am Alpenrand erwartet.

Einen Vorgeschmack auf die explosiven Spannungen am Himmel gab es am Sonnabend und Sonntag vor allem im Südwesten: Unwetter - im Saarland zum Teil mit Graupel und Hagel - zogen von Lothringen über das Saarland, die Pfalz, das nördliche Baden-Württemberg und Südhessen bis nach Thüringen. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach registrierte innerhalb einer Stunde in diesen Regionen 5674 Blitze. Am Frankfurter Flughafen war der Flugverkehr wegen der Gewitter vorübergehend unterbrochen, es kam zu leichten Verspätungen.

Der Sonnabend war nach Auskunft des Wetterdienstes der vielerorts heißeste Tag des Jahres, dicht an dicht drängten sich die Menschen in Freibädern und Badeseen. An die 10 000 Gäste tummelten sich auch am Sonntag im Strandbad am Berliner Wannsee. "Das ist ein Spitzentag", freuten sich die Betreiber. Bei Badeunfällen kamen jedoch in Hamburg, Brandenburg und Niedersachsen drei Männer und ein sechs Jahre alter Junge ums Leben.

In Frankfurt, Mannheim, Freiburg, Koblenz und Stuttgart wurden am Sonnabend 34 Grad erreicht, in Berlin waren es, wie berichtet, 32 Grad. In Gießen und Karlsruhe stieg die Quecksilbersäule auf 33 Grad. Auch die Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern lockte Sonnen- und Badefreunde, während es an der Nordseeküste auf Sylt nur 21 Grad warm war. In Niedersachsen mußten sich die Menschen mit 25 Grad begnügen, auf der Zugspitze wurden zwölf Grad gemessen. Im Taunus und im Odenwald überschritten die Ozonwerte die kritische Marke von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

Die Blechkolonnen Richtung Süden stauten sich am Sonnabend in Bayern insgesamt auf mindestens 70 Kilometer Länge. Am Sonntag rollte der Verkehr wieder weitgehend störungsfrei. "Das Chaos ist ausgeblieben", bilanzierte ein Polizeisprecher in München. Auch in den österreichischen Alpen gab es auf den Ausweichstrecken für den nach einem Brand gesperrten Tauerntunnel keine starken Behinderungen. In der Schweiz staute sich der Reiseverkehr zum Ferienbeginn vor allem vor dem Gotthard-Tunnel.

Die leichte Abkühlung nach den Gewittern am Sonntag soll nur von kurzer Dauer sein. Für Montag wird ein neuer Hitzerekord mit 36 Grad am Alpenrand und in Berlin angekündigt. Von Dienstag an sollen "Gordon" und sein kleiner Bruder "Henrik" für weitere Gewitter und etwas Kühle sorgen.

Für viele Menschen bedeutet das Sommerwetter jedoch nicht nur eitel Sonnenschein: Schwüle Luft bereitet Empfindlichen vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands Probleme. Personen mir Herz- Kreislauf-Erkrankungen sollten ihre Freizeitaktivitäten in die Morgenstunden oder den Abend legen.

Wegen der Schwüle könne auch Asthmatikern gelegentlich die Luft wegbleiben, hieß es. Autofahrer wird angesichts der hohen Ozonwerte empfohlen, ihre Fahrzeuge in der Garage oder vor der Haustür stehen zu lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben