Hitze im Sommer : Das Siesta-Dorf von Spanien

Ein spanischer Bürgermeister verordnet in den Sommermonaten ein Mittagsschläfchen für alle. In der Zeit sollen in der Gemeinde Ador in der Region Valencia Ruhe und Muße gelten.

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Das Siesta-Ort befindet sich im Süden Spaniens.
Das Siesta-Ort befindet sich im Süden Spaniens.Foto: Michael Urban/dapd

In dem kleinen spanischen Bauernort Ador, in der Mittelmeerregion Valencia, hat Dorfpolizist Óscar Mascarell im Sommer eine ganz besondere Aufgabe: Jeden Tag zur Mittagszeit baut er sich vor einem Mikrofon auf und verliest den Siesta-Erlass, der per Lautsprecher durch das ganze Dorf dröhnt. Darin empfiehlt Bürgermeister Joan Faus, dass sich die Einwohner nach dem Mittagessen doch bitte aufs Ohr legen mögen, um die heißesten Stunden des Tages ohne Hitzschlag zu überstehen.

Die Menschen der 1400-Seelen-Gemeinde sind äußerst gehorsame Bürger: Von zwei bis fünf Uhr nachmittags, wenn die Sonne den Boden beinahe zum Glühen bringt, fällt das ganze Dorf in einen Tiefschlaf. Geschäfte, das kleine öffentliche Freibad und sogar die Dorfschänke schließen dann. Straßen und Plätze liegen wie ausgestorben da.

Bürgermeister geht als Vorbild voran

Schon seit Jahren wird der Mittagsschlaf-Erlass jeden Sommer in Kraft gesetzt. So ist die Gemeinde Ador zu Spaniens bekanntestem Siesta-Dorf geworden. Bürgermeister Joan Faus, ein 67-jähriger pensionierter Lehrer, geht mit gutem Beispiel voran – und macht es sich nachmittags auf dem Sofa gemütlich.

Die Siesta, meint Ortsvorsteher Faus, sei nun mal gut fürs Wohlbefinden. Erst recht in einem Bauerndorf wie Ador, in dem viele Menschen auf den umliegenden Orangenplantagen arbeiten. Und in dem die Leute wegen der großen Hitze im Sommer noch früher als gewöhnlich aufstehen, um auf den Feldern zu schuften. „Mittags flüchten sie dann vor den hohen Temperaturen und kehren nach Hause zurück, um sich auszuruhen.“

Eine Empfehlung, keine Pflicht

Das Siesta-Gesetz beinhalte „nur eine Empfehlung und keine Pflicht“, sagt Bürgermeister Faus. Die Verordnung sei aber auch eine Bitte an all jene, die nicht zur Siesta-Zeit die Augen schließen wollen: Sie sollen zumindest keinen Lärm machen. Kinder sollen nicht draußen spielen. Fernseher und Radiogeräte sollen heruntergedreht werden. Um die Ruhe nicht zu stören.

Und wer doch gegen den Siesta-Erlass verstößt? Dem drohen keine Ordnungsstrafen, sagt der Bürgermeister. Aber der Übeltäter muss vielleicht mit dem Zorn der Dörfler rechnen – was viel schlimmer sein könnte.

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