Hitzekollaps im ICE nach Köln : Ermittlungen gegen Zugbegleiter eingestellt

Der Kollaps von Fahrgästen in einem überhitzten ICE zwischen Hannover und Bielefeld hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. Mehr als ein Jahr nach dem Vorfall stellte die Staatsanwaltschaft Bielefeld ein Verfahren gegen den Zugbegleiter wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

27 Schüler mussten nach dem Ausfall der Klimaanlage im Sommer 2010 medizinisch versorgt werden.
27 Schüler mussten nach dem Ausfall der Klimaanlage im Sommer 2010 medizinisch versorgt werden.Foto: dpa

Das sagte ein Behördensprecher am Montag und bestätigte einen Vorabbericht der Zeitung „Neue Westfälische“ (Dienstag). Der Zugbegleiter hatte im Juli 2010 den Zug nach Köln mit einer defekten Klimaanlage übernommen. Eine Viertelstunde lang hatte er probiert, das Gerät zum Laufen zu bringen. Danach hatte er den Zug anfahren und erst in Bielefeld halten lassen. Mehr als 20 Fahrgäste stellten wegen Beschwerden später Strafanzeige.
Nach Ansicht der Ermittler hat der Zugbegleiter richtig gehandelt.

Die Gesundheitsbeschwerden der Fahrgäste seien erst nach Abfahrt des Zuges aufgefallen. Auf freier Strecke wäre der Ausstieg für die Fahrgäste aber zu gefährlich gewesen. An allen anderen Bahnhöfen vor Bielefeld seien die Bahnsteige zu kurz gewesen, um bei sämtlichen Waggons einen sicheren Ausstieg zu gewährleisten. Daher habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nun eingestellt. Vom Hauptbahnhof Bielefeld aus waren damals neun Jugendliche ins Krankenhaus gebracht worden, einige hatten Infusionen erhalten.

Insgesamt waren 27 Schüler medizinisch versorgt worden. Zeugen berichteten später, dass in dem Zug mehrere ältere Menschen zusammengebrochen seien und in den Gängen gelegen hätten. Eine Mutter habe fast die Nerven verloren und in Panik und Verzweiflung versucht, ein Fenster mit dem Nothammer einzuschlagen, weil ihr kleiner Sohn nach Luft rang. Zunächst hatte der Verdacht bestanden, dass der Zugbegleiter nicht früh genug auf die Situation reagiert habe.

Auch in zahlreichen anderen ICE waren im Sommer 2010 Klimaanlagen ausgefallen. Bundesweit liefen wegen der Hitze-Pannen der Bahn acht Ermittlungsverfahren bei der Bundespolizei. Die 27 000 betroffenen Passagiere bekamen von der Bahn Entschädigungen im Wert von knapp vier Millionen Euro. Im Frühsommer 2011 hatte es erneut rund 20 Mal Probleme mit der Klimaanlage bei ICE-Zügen gegeben. (dpa)

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