HIV-Infektionsgefahr : Wie sicher sind deutsche Kliniken?

Der Skandal in den USA, bei dem 40.000 Patienten sich möglicherweise mit HIV oder Hepatitis angesteckt haben, ist erschreckend. Deutschland hatte bereits einen ähnlichen Fall mit gigantischem Ausmaß in den 80er Jahren. Wie hoch ist die Gefahr heute, sich in einem Krankenhaus hierzulande anzustecken?

Irja Most
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In den 80er Jahren gab es einen der größten Blutprodukteskandale Deutschlands. -Foto: ddp

"Hundert Prozent Sicherheit gibt es nicht", erklärt Dr. Susanne Stökler, Pressesprecherin vom Paul-Ehrlich-Institut. Doch Inzwischen sind die Testmethoden so weit ausgereift, dass das Risiko, sich in einem Krankenhaus in Deutschland mit HIV anzustecken gegen Null tendiert. Eine Gefahr bleibt allerdings, eine Transfusion mit verseuchtem Blut zu erhalten: "Wenn ein Spender ganz frisch infiziert ist und er beim Spendefragebogen lügt, kann ein Test nicht unbedingt nachweisen, dass die Konserve unsauber ist", sagt Stökler.

Das Problem besteht darin, dass bei einem HIV-Träger, der zunächst nur eine geringe Menge der Antikörper für das HI-Virus im Blut hat, diese in der kleinen Probe für den Test nicht unbedingt nachzuweisen ist. Denn erst nach drei bis vier Wochen ist eine HIV-Infizierung sicher feststellbar, da der Test nicht das HI-Virus direkt belegt, sondern die Reaktion des Immunsystems in Form der Antikörper.

Blutskandal erschüttert Deutschland vor über 20 Jahren

Ein gigantischer Blutprodukte-Skandal wie in den 1980er Jahren ist aus heutiger Sicht in Deutschland undenkbar. Angestellte der Koblenzer Firma UB Plasma erfanden damals Testergebnisse zu den Blutkonserven, um Geld zu sparen. Sie untersuchten die Proben nicht einzeln, sondern vermischten drei miteinander oder es fand gar keine Untersuchung statt.

In über 50 Krankenhäusern wurden Blut-Produkte der windigen Firma sichergestellt. Über hunderte Patienten infizierten sich mit dem HI-Virus. Sogar 1993 zwischen März und April stecken sich noch drei Patienten in Fulda und Frankfurt über dieses verseuchte Plasma mit HIV an. Mit Einführung von Bluttests und gesetzlichen Regelungen sank in erheblichem Maße die Gefahr sich durch Blutspenden zu infizieren. "In den letzten fünf bis sechs Jahren gab es drei oder vier HIV-Infektionen durch Blutkonserven", gibt Stökler an. Und versichert: "So sicher wie in Deutschland ist kein Blut auf der Welt."

Vorfälle weltweit

Auch wenn die Blutspenden zumindest in Deutschland verlässlich sind, gibt es immer wieder Vorfälle, bei denen sich Patienten während ihres Klinikaufenthaltes mit HIV oder Hepatitis anstecken. Erst im Februar dieses Jahres gab es im italienischen Florenz drei Organempfänger, denen in dem Transplantationsinstitut OTT HIV-infizierte Organe eingepflanzt wurden. Grund für den Irrtum sei menschliches Versagen, räumt das Institut ein.

In den Niederlanden mussten im letzten Jahr 500 Patienten Angst haben, sich mit dem HI-Virus und möglicherweise auch mit Hepatitis B und C angesteckt zu haben. Sie waren im Bernhoven-Spital in Oss bei Eindhoven mit Instrumenten behandelt worden, die in vier neuen - allerdings defekten Desinfektionsgeräten gereinigt wurden. Die Klinik informierte die Betroffenen per Brief und bat um eine Blutuntersuchung. Ansteckungen gab es offensichtlich keine.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten verurteilte das oberste Gericht erst kürzlich das Gesundheitsministerium zu umgerechnet 500.000 Millionen Euro Schmerzensgeld. Vier Brüder waren in einer Klinik in den Emiraten 1990 wegen der Bluterkrankheit behandelt worden und steckten sich dabei mit dem HI-Virus an. Schuld waren Transfusionen mit verseuchten Blutkonserven oder die Verwendung nicht steriler Nadeln, berichtet die Internet-Zeitung "Emaratalyoum". Alle vier Kinder erkrankten an Aids, zwei sind inzwischen gestorben.

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