Welt : Hobby-Filmer zeigt, wie der Dampfer zu retten gewesen wäre

Jürgen Schön

Von Sirenengeheul begleitet läuft die "Titanic" in den New Yorker Hafen ein. Ein Bravourstück ihres Kapitäns hat sie nach dem Zusammenstoß mit dem Eisberg gerettet. Dutzendmal ist die "Titanic" in den Kinos schon untergegangen. Wolfgang Klemmstein ist der erste, der sie in seinem Film nicht sinken lässt. Das Werk des Amateurfilmers, der zugleich Produzent, Regisseur und Kapitänsdarsteller ist, wird indessen wohl kaum je in die Kinos kommen. Aber man kann ja nie wissen.

Die Idee, wie der Ozeanriese die Katastrophe überstanden haben könnte, kam Klemmstein, der Metallbearbeitung an einer Berufsschule lehrt, in einer Januarnacht des Jahres 1998. "Da habe ich geträumt, dass die Titanic mit ihrem Anker an dem Eisberg festgemacht wird, der sie gerammt hat. So kann sie nicht sinken. Am Tag danach verschrauben Taucher das Leck mit Stahlplatten. Das Schiff kann abgeschleppt werden und läuft in New York ein." Der Amateurfilmer kam zu dem Ergebnis: "Theoretisch wäre das so möglich gewesen."

Damit hatte der Berufsschullehrer, der gemeinsam mit Ehefrau Helga seit 30 Jahren kleine Filme dreht, ein neues Projekt gefunden. In drei Wochen entstand das Drehbuch. 27 Freunde und Bekannte halfen dann als Schauspieler und Techniker bei der Realisierung des Films, der mit der Videokamera gedreht wurde.

Wer nicht wie James Cameron 200 Millionen Dollar für einen "Titanic"-Film zur Verfügung hat, sondern nur rund 15.000 Mark, muss einfallsreich sein.. Damit die Passagiere an der Reling ihren Blick ins Unendliche schweifen lassen konnten, baute der 53-Jährige auf dem Hügel einer Kuhweide ein Geländer auf. Dank geschickter Kameraführung ist nur Himmel zu sehen.

Den in Wirklichkeit 269 Meter langen Dampfer "Titanic", der am 14. April 1912 unterging, stellen zwei selbstgebastelte Holzmodelle dar. Das Arbeitszimmer wurde für die Kamera zur Schiffsbrücke. Aus einer Autofelge entstand ein Maschinentelegraf. Authentische Schiffsatmosphäre bot der Museumsdampfer "MS Büchner" im Rostocker Hafen. Der Schiffsspeisesaal lag jedoch im Binnenland, im Gemeindehaus der nordrhein-westfälischen Stadt Forsbach. Mit "echt goldenem Besteck" auf den Tischen, betont der Produzent.

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