Welt : Hochfliegende Trüffel

Rainer W. During,Matthias Thibaut

Es gab Champagner und Hummertrüffelsalat, aber gegessen wurde mit Plastikbesteck. Sicherheit und edler Komfort reichten sich die Hand beim Concorde-Flug BA001 gestern von London Heathrow nach JFK. Immerhin hat British Airways nicht nur über 51 Millionen DM dafür ausgegeben, die Concorde Flotte nach den neuen Sicherheitsauflagen flugtauglich zu machen. Man steckte zusätzlich über 42 Millionen DM in Komfort und Bequemlichkeit. So konnte es sich Rock-star Sting, der zu den geladenen Gästen an Bord gehörte, auf neuen tintenblauen Ledersesseln mit "Wiegemechanismus" bequem machen. Bequem war auch das neue aquagrüne Bordklo mit Edelstahlamaturen von Edeldesigner Sir Terence Conran.

Gestern flogen erstmals wieder seit dem schweren Unglück bei Paris reguläre Concorde-Maschinen von British Airways und Air France von Paris und London nach New York. Planmäßige 3 Stunden und 15 Minuten dauerte der Flug der Concorde "Alpha Echo", bei dem vor allem Pressevertreter und Vielflieger aus der Welt des internationalen Business an Bord waren - diejenigen also, die die Concordeflüge in den 15 Monaten Zwangspause am meisten vermisst haben. "Es sind unsere loyalsten Kunden, die seit langem auf die Wiederaufnahme der Flüge drängen. Wir haben schon wieder eine lange Warteliste", sagt der British Airways Sprecher. Umgerechnet 150 Millionen DM dürfte die Fluglinie durch die Einstellung der Concorde Flüge verloren haben. Sie sollen nun wieder ein bisschen Geld in die von der Luftverkehrskrise leergefegten Kassen bringen. Aber, so der Sprecher großmütig, "dies ist auch eine gute Gelegenheit, unsere Solidarität mit New York zu zeigen, unserem Hauptziel mit der Concorde".

Die Sicherheitskontrollen waren strikt. "Wie immer", betonte British Airways. Doch waren sie diesmal wohl doch noch ein bisschen strikter als sonst. Plastikbesteck ist seit dem 11. September auf allen Flügen die Regel - und auch die schusssicheren Cockpit-Türen, hinter denen Concorde Pilot Mike Bannister Platz nahm, sollen in den nächsten Monaten auf allen Flügen eingeführt werden. Ab Freitag gibt es dann fahrplanmäßig einen Hin- und Rückflug pro Tag. Die zweite British Airways Concorde, die gestern von London nach New York startete, war eine privat gecharterte Maschine. British Airways wollte nichts bestätigen, aber jeder weiß, dass Premierminister Tony Blair, der sich zu Gesprächen mit Präsident Bush nach Washington aufmachte, bei seiner hektischen Reisediplomatie auf die Concorde eigentlich nicht verzichten kann.

Alle Flugangst vergessen

Das Phänomen Concorde lässt alle Flugangst vergessen. Während die Luftverkehrsgesellschaften seit den Terroranschlägen vom 11. September weltweit unter drastischem Passagierschwund leiden, ist das Interesse der Kunden an der Concorde ungebrochen. Die Leute stehen Schlange, um mit der Concorde zu fliegen. Während auch Air France und British Airways ihre klassischen Flugzeugflotten mangels Nachfrage reduzieren, sind sie mit der Nachfrage nach den teuersten Tickets der Welt mehr als zufrieden. Für den Neustart der modifizierten Concorde gelten aus Sorge vor Attentaten besonders strenge Sicherheitsmaßnahmen.

Bei der Concorde wurden die ohnehin strengen Schutzvorkehrungen noch einmal verstärkt, bestätigt Air France-Sprecherin Cécile Marchal. Einzelheiten wolle man aber nicht bekannt geben. Wegen ihrer Popularität und der oft hochkarätigen Passagiere, so befürchten Sicherheitsexperten, könnte auch die Concorde ein potentielles Terroristenziel darstellen.

"Es gelten ganz stringente Sicherheitsmaßnahmen" erklärt auch British Airways-Sprecherin Karen Herzog. Im Gegensatz zur Air France hatte man beim Eröffnungsflug nur geladene Gäste an Bord, die besonderen Schutz genossen.

Obwohl die Concorde-Flüge erst seit dem 15. Oktober verkauft werden, hat British Airways schon Tickets für rund 20 Millionen Pfund verkauft. "Einige Tage im November und Dezember sind bereits ausgebucht", berichtet Karen Herzog. Ab Dezember wird ab London zusätzlich einmal wöchentlich zur Karibikinsel Barbados gestartet. "Die Buchungszahlen entsprechen unseren Erwartungen", so Cécile Marchal.

"Die Leute sind neugierig und freuen sich darauf, wieder mit der Concorde fliegen zu können", sagt Air France Norddeutschland-Direktorin Dagmar Schmidt-Huse in Berlin. Einige Kunden hätten schon "ungeduldig darauf gewartet", wieder mit zweifacher Schallgeschwindigkeit über den Atlantik zu rasen. Allerdings ist die Hauptstadtregion nicht gerade der stärkste Absatzmarkt für die teuren Tickets in Deutschland. 15 842 Mark kostet der Hin- und Rückflug ab Berlin einschließlich Zubringer zwischen Tegel und Paris. Bei Buchungen mindestens vier Tage im Voraus gilt ein begrenzt verfügbarer Schnäppchenpreis von 10 247 Mark. Für 5794 Mark ist ein Schnuppertrip zu haben, bei dem der Hinflug in der Business-Class eines normalen Jets erfolgt und die Rückreise mit der Concorde.

Insgesamt verfügt British Airways über sieben Concorde, die Air France hat noch fünf der 22 bis 25 Jahre alten Überschalljets, für die es bis heute kein Nachfolgemodell gibt. Am 25. Juli 2000 waren 113 Menschen - überwiegend deutsche Urlauber - ums Leben gekommen, als eine Concorde unmittelbar nach dem Start in Paris abstürzte. Teile eines platzenden Reifens hatten beim Anprall auf die Tragfläche eine Schockwelle im Kerosin ausgelöst, die einen Treibstofftank platzen ließ.

Erst nach einem umfangreichen Modifizierungsprogramm, bei dem unter anderem die Tanks durch eine Kevlar-Gummi-Lösung verstärkt und widerstandsfähigere Reifen entwickelt wurden, gaben die britischen und französischen Behörden der Concorde die Fluglizenz zurück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben