Hochhausbrand : Jugendliche legten Brand in Sozialbau bei Paris

Eine Brandstiftung in einem 18-stöckigen Hochhaus bei Paris hat mindestens 15 Menschen das Leben gekostet. Die Polizei nahm drei junge Mädchen aus der Sozialbausiedlung fest, die zuvor als Zeugen vernommen worden waren.

Paris (04.09.2005, 20:32 Uhr) - Die meisten Todesopfer seien im dichten Rauch qualvoll erstickt, teilte die Feuerwehr mit. Sieben der 35 Verletzten schwebten am Abend noch in Lebensgefahr. Augenzeugen berichteten, Jugendliche hätten Briefkästen im Eingang des Hochhauses in L'Hay-les-Roses in Brand gesteckt. Die Polizei nahm drei Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren vorläufig fest, die zuvor als Zeugen vernommen worden waren. Zwei wohnten in dem Block. Ein Polizeisprecher mahnte jedoch, die Mädchen dürften nicht vorschnell zu Tätern gestempelt werden.

Am Morgen hatte eine 50-jährige Bewohnerin erklärt: «Offenbar haben drei Mädchen im Eingang mit brennbarem Zeug gespielt.» Probleme mit herumlungernden Jugendlichen seien hier an der Tagesordnung. «Wenn sie nicht die Mülltonnen anstecken, dann eben die Müllschlucker oder die Autos. Irgendwann musste das mal so kommen.»

Das gesamte verqualmte Hochhaus wurde evakuiert und wird voraussichtlich für drei Wochen geräumt bleiben. Den 300 bis 400 Bewohnern wurden nach kurzer Unterbringung in einer Turnhalle Übergangsquartiere zugewiesen. In dem Block wohnten viele Schwarze. Ein halbes Dutzend Opfer kämen aus Haiti, sagte ein Augenzeuge. Einen Zusammenhang mit der Brandserie in Pariser Unterkünften für afrikanische Einwanderer mit fast 50 Toten sehen die Behörden aber nicht. «Der Brand hat damit nichts zu tun», sagte auch Feuerwehrhauptmann Michel Cros. Mehrere Minister besuchten am Sonntag den Brandort. Der erkrankte Präsident Jacques Chirac ließ sich in der Klinik über den Fall informieren.

Die Feuerwehr arbeitete schnell und effizient. Die 160 Männer retteten 26 Menschen aus höchster Lebensgefahr. Eine Schwangere brachte im Notarztwagen ihr Kind zur Welt. Nach zwei Stunden war der Brand gegen 3.00 Uhr nachts unter Kontrolle. Unter den Opfern sind mehrere Kinder. «Es hätte weniger Tote gegeben, wenn die Menschen nicht in Panik ihre Türen geöffnet hätten», sagte Feuerwehrhauptmann Cros. «Der Rauch hat die Menschen getötet.» Über das Treppenhaus zog der Qualm bis in die höchste Etage. Keine Wohnung wurde ein Raub der Flammen. Doch wer die Tür öffnete, stand schnell inmitten giftiger Schwaden und großer Hitze.

«Als ich aufwachte, war das Zimmer voller Qualm», sagte Jean aus dem Parterre. «Der Rauch war so dicht, als würde er an der Haut kleben. Man konnte nicht mehr atmen.» Jean entkam durch das Fenster und alarmierte die Feuerwehr. «Die Leute wollten sich aus dem Fenster stürzen», sagt er. «Ich habe ihnen zugerufen, das nicht zu tun, weil die Feuerwehr gleich kommt.» Sein Nachbar Jean-Luc Quinson aus dem ersten Stock berichtete, die Flammen hätten zwei bis drei Meter hoch geschlagen. Auch er alarmierte die Feuerwehr, die ihm riet, in der Wohnung zu bleiben und alle Tür- und Fensteröffnungen abzudichten.

Als die Helfer die ersten Leichen aus dem Haus trugen, fingen die Menschen vor dem Haus an zu schreien. «Es gab viel Panik, weil man Leichen von Leuten gesehen hat, die man kannte», erklärt die Hausbewohnerin Florence Leclerc. «Unsere Nachbarn, ein Paar mit einem Sohn, sind alle tot», sagt sie niedergeschlagen. Von ihren eigenen Angehörigen habe sie noch keine Nachricht.

Wegen der jüngsten Brände in Paris erregte das Inferno in L'Hay-les-Roses großes Aufsehen. Der Sozialbau in der Nähe des Großmarktes Rungis war in gutem Zustand. Eine Serie sieht die Polizei nicht. Beim Brand in der Pariser Afrikanerunterkunft am 26. August mit 17 Toten gehen die Behörden von Brandstiftung ohne Tötungsabsicht aus. Das Feuer in einem von Afrikanern besetzten Haus drei Tage später mit 7 Toten wird auf einen Kurzschluss zurückgeführt. Beim Brand Mitte April im von Einwanderern bewohnten Sozialhotel «Paris-Opéra» waren nachts fahrlässig Textilien in einen Raum mit brennenden Kerzen geworfen worden. (Von Hans-Hermann Nikolei, dpa)

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