Hochmoselbrücke : Experten zweifeln an Sicherheit

Die Hochmoselbrücke soll die Eifel mit dem Hunsrück verbinden. Doch einige Experten zweifeln an ihrer Sicherheit. Sie befürchten, dass die Brücke einstürzen könnte.

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In Teilen fertig. Die Brücke soll die Eifel mit dem Hunsrück verbinden.
In Teilen fertig. Die Brücke soll die Eifel mit dem Hunsrück verbinden.Foto: picture alliance / dpa

Die Stellungnahme ist eindeutig: Die Brücke gefährde Menschenleben, ihr Bau sei verantwortungslos. Das sagt der Ingenieurgeologe Rafig Azzam, Professor an der Hochschule in Aachen und ein renommierter Fachmann, der auch als Gutachter der Staatsanwaltschaft im Verfahren zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs tätig wurde. Die Rede ist von der Hochmoselbrücke, mit 1,7 Kilometern Länge und 160 Metern Höhe das größte Brückenbauwerk in Europa. Sie soll die Eifel mit dem Hunsrück verbinden. Seit drei Jahren wird gebaut, doch das Projekt ist umstritten.

Kann die Brücke dort überhaupt stehen? Wird sie möglicherweise einstürzen? Diese Zweifel an der Sicherheit, die es schon länger gibt, haben nun auch eine Strafanzeige zur Folge: Die Bürgerinitiative Pro Mosel sieht den Tatbestand der Baugefährdung als erfüllt an. „Es fehlen Standsicherheitsnachweise, es wird nicht nach dem Stand der Technik gebaut, auch die Einflüsse von Hochwasser und Starkregenfällen sind nicht ausreichend berücksichtigt“, sagt ihr Sprecher Georg Laska.

Gefährlicher Rutschhang

Es ist der Hang bei Ürzig am Westufer der Mosel, der die Probleme bereitet – ein gefährlicher Rutschhang. Seit Jahrtausenden ist er in Bewegung. Der Untergrund setzt sich aus feinkörnigem Schiefergestein und festen Schieferblöcken zusammen, diese haushohen Blöcke schwimmen quasi in diesem Gemisch. Niemand weiß, in welcher Tiefe fester Untergrund beginnt. Das soll nach der Auffassung der Planer auch kein Problem sein. Die Brückenpfeiler sollen ohne Verbindung zu festem Boden in den Rutschhang gebaut werden. Nur: Wie reagiert der Hang auf die Brückenpfeiler? Kommt es zu Bewegungen, gar Erdrutschen? Und welche Folgen hat das für die Stabilität der Brücke? Das fragen sich Geologen.

Rafig Azzam ist nicht der einzige Fachmann, der Sicherheitsprobleme sieht. Er ist der vierte Geologe, der die Standsicherheit der Brücke anzweifelt. Erst im September hat sein Kollege Jean-Frank Wagner von der Universität Trier den Hang als rutschgefährdet eingestuft. Jeder noch so kleine Eingriff könne ein Abgleiten des Hanges auslösen, schrieb er in einer Stellungnahme. Risiken, die auch Azzam sieht. Die von der Straßenbauverwaltung vorgelegten Untersuchungen seien weder vollständig noch im Ergebnis nachvollziehbar. „Sie erfüllen nicht das in den Normen geforderte Sicherheitskonzept." Auch die geplanten Stahlbetonschächte, die mit Ankern rückwärtig im Berg befestigt werden und die Pfeiler vor rutschenden Erdmassen schützen sollen, können Azzam nicht beruhigen: Sie reichten nicht aus.

Im Dezember sollten die Bauarbeiten am Hang beginnen. Doch es gibt technische Probleme am Bohrgerät. Erst Mitte Januar soll es nun weitergehen, sagt eine Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz. Trotzdem bleibt die Landesregierung dabei: Es gebe keinen Grund, an der Sicherheit der Brücke zu zweifeln. Sie verweist auf international anerkannte Fachbüros. Danach sei klar, dass die Brücke sicher errichtet werden könne.

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