Hochwasser : Deichbruch in Thüringen befürchtet

Das Tauwetter hat seinen Preis: Schmelzende Schneemassen und Regen lassen die Flüsse weiter anschwellen. In Wuppertal sind die Bahngleise überflutet. Einige Mosel-Orte sind bereits überschwemmt. In Thüringen droht ein Damm zu brechen.

Diese Eisenbahnunterführung bei Kobern-Gondorf dient derzeit nur dem Wasser.
Diese Eisenbahnunterführung bei Kobern-Gondorf dient derzeit nur dem Wasser.Foto: dapd

Die Hochwasserlage in Thüringen hat sich in einzelnen Regionen weiter verschärft. Im Altenburger Land im Nordosten von Thüringen droht ein Damm zu brechen, wie das Landratsamt am Sonntag mitteilte. Betroffen ist demnach die Bundesstraße 93 zwischen Treben und Serbitz. Helfer seien dabei, den Damm unter anderem mit Flies abzudichten. Das Technische Hilfswerk (THW) sei zur Verstärkung angefordert worden.

Beim Hochwasser 2002 war nach den Angaben an der Stelle die Bundesstraße 93 mit einem Bagger aufgerissen worden, so dass die Wassermassen kontrolliert in die Pleißenaue abfließen konnten. Für das Altenburger Land wurde bereits in der Nacht vom Erfurter Umweltministerium die höchste Alarmstufe ausgerufen, die aber wegen sinkender Waserstände inzwischen wieder aufgehoben wurde.

Thüringen macht Brücken dicht

In Sömmerda (Thüringen) wurde am Abend eine Führungsleitstelle eingerichtet, die die Lage auch in der Nacht beobachtet, wie der Sprecher des Landratsamtes, Michael Platzko, mitteilte. In einigen Mosel-Orten steht weiter das Wasser meterhoch, unter anderem in den bekannten Weinstädten Cochem und Zell. "Die Stadt ist geflutet", sagte ein Polizeisprecher in Zell. Die Feuerwehr habe einen Bootsverkehr eingerichtet. Nach Einschätzung von Wehrleiter Markus Morsch standen etwa 60 Prozent der Altstadt unter Wasser, stellenweise bis zu einer Höhe von 1,80 Metern.

Wo Deutschland unter Wasser steht
Voller Einsatz gegen das Hochwasser in Halle (Saale): In Sachsen-Anhalt gibt es auch am Sonntag noch keine Entwarnung. Experten gehen davon aus, dass hier die Pegelstände noch steigen.Weitere Bilder anzeigen
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16.01.2011 17:23Voller Einsatz gegen das Hochwasser in Halle (Saale): In Sachsen-Anhalt gibt es auch am Sonntag noch keine Entwarnung. Experten...

In Sömmerda musste am Samstagabend der Stadtpark gesperrt und geflutet werden. „Wir konnten ihn nicht mehr halten“, sagte Platzko. Mehrere Brücken über die Unstrut mussten gesperrt werden, da das Wasser nicht mehr unter ihnen hindurchfließen kann.
Auch in den Orten Ringleben und Gebesee sei die Situation weiter kritisch. Die Behörden rechneten damit, dass der Hochwasserscheitel noch in der Nacht erreicht wurde. Danach sei zunächst mit leicht sinkenden Pegelständen zu rechen, sagte Platzko.

Zell steht weiter unter Wasser

In Zell steht hingegen weiterhin die Altstadt zu rund 60 Prozent unter Wasser. Derzeit könne man nicht viel machen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Zell. „Die Situation ist stabil, unsere Zentrale ist besetzt, auch zwei Bootsbesatzungen sind in Bereitschaft“, sagte er.
Wegen des Wochenendes seien aber kaum Menschen unterwegs.

In Mainz und Koblenz bereitete man sich ebenfalls auf das Hochwasser vor. In der Landeshauptstadt wurden erste Parkplätze und Straßen am Rhein gesperrt, wie ein Polizeisprecher sagte. In Koblenz wurden stellenweise Stege aufgebaut, damit die Bürger trockenen Fußes vorankommen.

Bahn kämpft mit überfluteten Gleisen

Das Tauwetter bereitet der Bahn neue Probleme: Hochwasser der Wupper hat die Bahngleise in Wuppertal überflutet. Der Streckenabschnitt zwischen Wuppertal-Vohwinkel und Hauptbahnhof sei am Sonntagmorgen gesperrt worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn der Nachrichtenagentur dpa. Der Fernverkehr werde über das Ruhrgebiet umgeleitet. Auch verschiedene Nahverkehrslinien seien betroffen. Allerdings können Fahrgäste im Nahverkehr der bergischen Stadt weiterhin die Schwebebahn hoch über der Wupper oder Busse nutzen. Wann die Gleissperrung wieder aufgehoben werden kann, war zunächst nicht abzusehen.

Angespannte Lage in Sachsen-Anhalt

Die Hochwasserlage an den Flüssen in Sachsen-Anhalt spitzt sich weiter zu. Für die Weiße Elster am Pegel Oberthau wurde die höchste von vier Alarmstufen ausgerufen, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz am Sonntag in Magdeburg mit. Der Wasserstand habe in der Nacht die kritische Marke von vier Metern überschritten. An den Pegeln Gera-Langenberg und Zeitz der Weißen Elster gelte die dritte Alarmstufe, ebenso für die Schwarze Elster am Pegel Löben. Die Saale und die Unstrut im Burgenlandkreis erreichten ebenfalls Alarmstufe 3. Einige Straßen seien bereits überflutet, meldeten die Behörden.

Hochwasser steigt weiter an

In Rheinland-Pfalz ist das Hochwasser über Nacht weiter gestiegen. In Koblenz liefen nach Angaben der Feuerwehr erste Keller voll. Auch an der Mosel sind die Pegelstände in der Nacht zum Samstag erneut leicht gestiegen.

Im Koblenzer Stadtteil Neuendorf steht das Wasser nach Angaben der Feuerwehr etwa 40 bis 50 Zentimeter hoch, erste Bewohner seien bereits auf die eigens gebauten Stege angewiesen. Derzeit steht der Pegel bei 6,85 Meter (Stand 7 Uhr), bei 7,20 Meter wird das Deutsche Eck überspült. Nach Angaben der Feuerwehr ist das Gelände der Bundesgartenschau (BUGA ), die im April eröffnen soll, nicht gefährdet, da dieses mit rund 3.000 Sandsäcken gesichert worden sei.

An der Mosel wird der Scheitelpunkt des Hochwassers gegen Abend erwartet. Nach Angaben des Hochwasserlagezentrums in Trier könnten die Pegel dann auf bis zu 9 Meter steigen. „Wir können keine Entwarnung geben“, hieß es dort am Sonntagmorgen. Den Schätzungen der Behörden zufolge sind zwischen Trier und Koblenz 30 Gemeinden überflutet.

Kajakfahrer stirbt im Hochwasser

Ein Kajakfahrer ist bei Hochwasser Baden-Württemberg ums Leben gekommen. Wie die Pforzheimer Polizei am Sonntag mitteilte, fiel der 50 Jahre alte Mann am Samstag gegen Mittag bei einem Ausflug aus bislang ungeklärter Ursache aus seinem Boot in den Fluss Enz. Wegen des Hochwassers sei es ihm nicht mehr gelungen, zurück zu seinem Einer-Kajak zu kommen. Der Mann konnte zwar geborgen werden, starb jedoch trotz Reanimationsversuchen noch am Ufer.
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Polizei geht jedoch von einem Unglücksfall aus.

Leichte Entspannung in Brandenburg

Hochwasser an der Oder
Land unter. Die Elbe hat nahe Wittenberge mit 7,29 Metern den höchsten Wert bei eisfreiem Hochwasser seit Beginn der Pegelbeobachtungen erreicht.Weitere Bilder anzeigen
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24.01.2011 13:29Land unter. Die Elbe hat nahe Wittenberge mit 7,29 Metern den höchsten Wert bei eisfreiem Hochwasser seit Beginn der...

In Brandenburg sanken in der Nacht die Pegelstände. Eisbrecher hatten sich am Samstag flussaufwärts durch das tief gefrorene Wasser geschoben und den Weg zur Ostsee freigemacht, wie ein Sprecher der Hochwassermeldezentrale in Frankfurt/Oder am Morgen sagte. Der Pegelstand in Hohensaaten habe gegen 5 Uhr 7,25 Meter betragen. „Und er fällt weiter“ sagte der Sprecher. Entwarnung wollte er aber noch nicht geben. Auch in Schollen zerteilt könne sich das Eis zu Barrieren türmen und den Wasserstand wieder rasch und heftig steigen lassen. Für den Sonntag kündigte der Deutsche Wetterdienst zum anhaltenden Tauwetter bundesweit weiteren Regen an.

Auto von Hochwasserfluss weggeschwemmt

Glück im Unglück hatte eine Mutter und ihre Tochter in Oberfranken: Bei Glatteis kam ihr Auto am Samstagabend von einer Straße in Stadtsteinach ab, stürzte in die Steinach und wurde von dem Hochwasser führenden Fluss rund 150 Meter mitgerissen. Schließlich blieb der Wagen im Wasser an einem Metallpfosten hängen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte.
Die 35 Jahre alte Fahrerin und ihre 13 Jahre alte Tochter konnten sich den Angaben zufolge befreien und wurden von Unfallzeugen an Land gezogen. Mit einer leichten Unterkühlung kamen beide ins Krankenhaus. Der 35-Jährigen wurde nach Angaben der Einsatzzentrale auch Blut abgenommen, weil sie Alkohol getrunken hatte.

Glimpflicher verliefen zwei Dutzend andere Unfälle auf spiegelglatten Straßen in der Region. Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt hatten die Autofahrer überrascht, meinte Polizeisprecher Horst Nagel. Es blieb aber bei zwei Verletzten und 111.000 Euro Sachschaden. (dpa/dapd)

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