Welt : Hochwasser: Eisige Fluten erreichen Jakutsk

Die sibirische Großstadt Jakutsk stand in der Nacht zum Dienstag unmittelbar vor der seit Tagen befürchteten Hochwasser-Katastrophe. Selbst mit Bombenangriffen von Kampfjets der russischen Luftwaffe gelang es bis kurz vor Mitternacht Ortszeit nicht, einen auf 28 Kilometer Länge angestauten Eispfropfen im Strom Lena nördlich der Stadt aufzulösen.

Der Wasserpegel entlang des acht Meter hohen Damms um die Stadt stieg am Montagabend knapp einen Meter über die kritische Marke. Da bis zum Dienstagmorgen eine neue, zwei Meter hohe Flutwelle vom Oberlauf erwartet wurde, rechnete der Krisenstab mit dem Schlimmsten. Zahlreiche Vororte von Jakutsk standen bereits unter Wasser.

Das russische Fernsehen zeigte am Montag Bilder vom vereisten Katastrophenfluss. Verzweifelte Menschen bereiteten sich auf das Verlassen ihrer Häuser vor. Der Bürgermeister von Jakutsk drohte Bootsbesitzern mit der Beschlagnahmung ihrer Gefährte, sollten sie für Transportdienste auf den Fluten Geld verlangen.

Von den 200 000 Einwohnern von Jakutsk waren bis zum Nachmittag erst knapp 4000 in Sicherheit gebracht worden. Für die übrigen Bewohner richtete der Krisenstab Sammelpunkte für den Abtransport ein, berichtete die Agentur Interfax. "Noch ist die Lage unter Kontrolle", verlautete aus dem Krisenstab. Zuvor war in der Stadt der Ausnahmezustand verhängt worden. Knapp 16 Kilometer flussabwärts von Jakutsk hatte sich bei Kangalassy in der Nacht ein mehrere Kilometer langer und breiter Pfropfen aus Eisschollen gebildet, hinter dem sich die Wassermassen stauten.

Die Eisplatte hielt pausenlosen Bombenangriffe von Kampfjets sowie gezielten Sprengungen mit Dynamit-Ladungen zunächst stand. Auf den nahe gelegenen Stützpunkten der Luftwaffe war bis zum Nachmittag der gesamte Vorrat an Bomben aufgebraucht, so dass von Stützpunkten im Fernen Osten Russlands Nachschub angefordert wurde. Vor den eisigen Fluten der Lena waren bis zum Mittag knapp 46 000 Menschen aus 30 verschiedenen Orten in Sicherheit gebracht worden. In Moskau ordnete Präsident Putin die Bildung einer Hochwasser-Sonderkommission der Regierung an.

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