Hochwasser : Flutalarm am Kloster Weltenburg

Nach den verheerenden Überschwemmungen in der Alpenregion hat sich die Hochwasserlage merklich entspannt. Dagegen gaben die Behörden für das weltberühmte Kloster Weltenburg bei Kelheim Katastrophenalarm aus.

München/Wien/Genf ((25.08.2005, 16:02 Uhr) - Auch entlang der Donau und der Isar galt örtlich immer noch: Land unter. Vielerorts begannen schwierige Aufräumarbeiten.

In Österreich konnten rund 1000 Urlauber, darunter hunderte Deutsche, den Ferienort Lech am Arlberg über eine provisorisch reparierte Straße verlassen. Sie waren zwei Tage lang vom Hochwasser eingeschlossen. An etlichen anderen Orten wurden Einheimische und Touristen weiter via Luftbrücke versorgt: Hubschrauber brachten Lebensmittel, Medikamente und Trinkwasser.

Bei der jüngsten Fluttragödie starben in Österreich und in der Schweiz jeweils vier Menschen, in Bayern kam ein Mann bei einer leichtsinnigen Schlauchbootfahrt ums Leben. Zwei Schweizer wurden weiter vermisst.

Unterdessen spitzte sich die Parteienkontroverse um den richtigen Katastrophenschutz weiter zu. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wies erneut die Kritik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am vorbeugenden Hochwasserschutz in Bayern zurück und warf dem Bund im Gegenzug vor, seine eigenen Mittel gekürzt zu haben. Laut dem Deutschen Reisebüro und Reiserveranstalter Verband gibt es bislang nur vereinzelt Kundenanfragen zu Stornierungen von Reisen in die Alpenregion.

Für Kelheim riefen die Behörden Katastrophenalarm aus. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Wasserwirtschaft wurden dort am Nachmittag Pegelstände der Donau von bis zu 7,20 Metern erwartet, das ist aber deutlich weniger als zu Pfingsten 1999. Dennoch fürchteten die Behörden, dass das Wasser in die Kirche von Kloster Weltenburg eindringen könnte. Dort hatte Hochwasser schon in der Vergangenheit schwere Schäden angerichtet. Das Kloster gilt als das älteste in Bayern und lockt alljährlich rund 500 000 Gäste aus nah und fern an. Bereits im Jahr 600 sollen sich dort Wandermönche niedergelassen haben.

In Neustadt an der Donau drohte ein Deich zu brechen. Zahlreiche Einsatzkräfte waren mit der Sicherung beschäftigt. Der Scheitel der Hochwasserwelle auf der Isar erreichte das niederbayerische Landshut, wo die Wassermassen in eine Flutmulde geleitet werden sollten. In der Drei-Flüsse-Stadt Passau entspannte sich die Lage deutlich. Die Pegelstände an Donau und Inn seien im Laufe der Nacht stark zurückgegangen, sagte ein Stadtsprecher. Der Scheitel der Hochwasserwelle auf der Donau wurde Freitagabend erwartet.

Bundeskanzler Schröder wollte sich an diesem Donnerstag in Augsburg über das Ausmaß der Katastrophe informieren. Ein Besuch im Hochwassergebiet war aber nicht geplant.

Aufatmen in Österreich: Die Hochwassergefahr sei zunächst einmal gebannt, sagten Experten angesichts deutlich gesunkener Pegelstände in Ober- und Niederösterreich. Fast die Hälfte der seit Dienstag in Lech am Arlberg eingeschlossenen Touristen konnten den Urlauberort inzwischen verlassen. In Lech waren 16 der rund 200 Hotels und Pensionen evakuiert worden. Die Trinkwasserversorgung war auch am Donnerstag noch unterbrochen.

Auch in der Schweiz entspannte sich die Lage weiter. Die Pegelstände blieben nach Angaben der Behörden stabil oder gingen langsam zurück. Die Bergungs- und Räummannschaften, die seit dem Wochenende rund um die Uhr im Einsatz sind, sehen sich nun mit Bergen von Treibholz konfrontiert. Es muss schnellstens weggeräumt werden, sonst kann das Wasser nicht ablaufen. Im Kanton Schwyz rutschte am Mittwochabend eine Straße ab.

Bei den seit fast zwei Wochen andauernden Überschwemmungen in Rumänien stieg die Zahl der Todesopfer auf 31. Im Süden Polens sind nach schweren nächtlichen Regenfällen zahlreiche Straßen, Felder und Bauernhöfe in der Region Beskiden überschwemmt. Während sich die Hochwasserlage in Cieszyn (Teschen) leicht entspannte, war die Gemeinde Porabka in der Region Bielsko-Biala am Donnerstag vormittag von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete der polnische Rundfunk.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, machte die weltweite Klimaerwärmung für das neuerliche Hochwasser in Bayern, Österreich und der Schweiz mitverantwortlich. Troge rief die Bundesländer in der «Berliner Zeitung» (Donnerstag) dazu auf, «jetzt zügig Hochwasservorsorge zu betreiben und so Klimafolgen einzudämmen». (tso)

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