Hochwasser : Flutwelle rollt elbabwärts

In den ostdeutschen Hochwassergebieten gibt es noch keine Entwarnung. Die Flutwelle der Elbe hat am Dienstag Dresden erreicht und treibt nun die Wasserstände flussabwärts in die Höhe.

Dresden - In der Nacht sei das Wasser in Magdeburg stärker gestiegen als erwartet, teilte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz mit. Flussaufwärts in Tschechien begann die Elbe bereits leicht zu sinken. In Niederösterreich und in Ungarn blieb die Hochwassersituation hingegen ebenfalls angespannt. In Bayern ertrank ein Rentner, als er beim Auswaschen von Abfalleimern in einen Fluss gerissen wurde.

Der 86-Jährige wollte am Montag im bayerischen Bischofsheim a. d. Rhön zwei Eimer reinigen, in denen er Grünabfälle transportiert hatte. Dabei sei er vermutlich wegen des Hochwassers in den Fluss Brend gerissen worden, teilte die Polizei mit.

An der Elbe in Magdeburg wurde am Morgen bereits ein Pegelstand von 6,14 Metern gemessen - ursprünglich waren für den Dienstag nur rund 6,00 Meter erwartet worden. Der Höchststand wurde für das Wochenende erwartet. Er soll jedoch der Prognose zufolge unter dem Wert des Jahrhunderthochwassers von 2002 bleiben, der bei 6,70 Meter lag.

In weiten Teilen Sachsens hat das Hochwasser der Elbe seinen Höchststand hingegen bereits erreicht. Seit Stunden gebe es in Schöna und Dresden gleich bleibende Pegelstände, teilte die Hochwasserzentrale am Morgen mit. In Schöna an der deutsch-tschechischen Grenze wurden seit Montagabend konstant 8,88 Meter gemessen, in Dresden waren es seit dem frühen Morgen 7,49 Meter. Bei der Jahrhunderflut 2002 kam Dresden auf 9,40 Meter. Auch in Bad Schandau blieb der Pegelstand bei 8,88 Meter stehen. Das Zentrum sei weitgehend überflutet und «der Schaden nicht unerheblich», sagte Bürgermeister Andreas Eggert (parteilos). Im Normalfall habe die Elbe einen Wasserstand von etwa 1,50 Meter. 2002 war sie auf rund zwölf Meter angeschwollen.

Im gesamten Freistaat waren rund 300 Bundeswehrsoldaten im Hochwassereinsatz, wie das Landesinnenministerium mitteilte. Bei dem Ort Gohlis im Landkreis Riesa-Großenhain sollte am Dienstag eine Staatsstraße aufgerissen werden, damit das Hochwasser der Elbe abfließen kann. Diese Straße war erst Ende der 90er Jahre errichtet worden.

Lage in Österreich gespannt

In Österreich wollen die Behörden die Einsatzkräfte noch einmal verstärken. Nach einem Dammbruch nordöstlich von Wien an der March bei Dürnkrut durchbrachen die Fluten an einer weiteren Stelle den aufgeweichten Damm. Noch in der Nacht mussten nach Angaben des österreichischen Rundfunks ORF drei weitere Orte geräumt werden. Die Bewohner von insgesamt 79 Häusern verbrachten die Nacht in Kindergärten. In Dürnkrut standen weiter rund 350 der 900 Häuser unter Wasser.

In Ungarn mussten bisher mehr als 500 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht werden. Landesweit waren 25 000 Helfer im Einsatz. In der Hauptstadt Budapest und im Norden des Landes, am Donauknie, kämpften die Helfer gegen immer wieder aufbrechende Lecks in den provisorischen Deichen aus Sandsäcken. In Budapest lag der Wasserstand am Dienstagmorgen mit 8,57 Meter bereits knapp unter dem für den Abend erwarteten Höchstwert von 8,60 Meter. Die Uferstraßen waren überflutet. Einsatzkräfte versuchten mit Sandsäcken, ein Eindringen des Wassers in die ufernahen U-Bahnschächte zu verhindern. (tso/dpa)

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