• Hochwasser in Deutschland: Warum Berlin und Brandenburg weitgehend verschont bleiben

Hochwasser in Deutschland : Warum Berlin und Brandenburg weitgehend verschont bleiben

Anders als in Bayern, Sachsen und Thüringen sind in Brandenburg allenfalls kleine Gebiete vom Hochwasser betroffen - und das trotz des Dauerregens der vergangenen Tage.

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Hochwasser an der Schwarzen Elster
Hochwasser an der Schwarzen ElsterFoto: dpa

Das Wort „Hochwasser“ besitzt in Brandenburg fast eine magische Wirkung. Bei jeder Meldung über steigende Pegel selbst in weit entfernten Regionen werden die Anrainer der vielen großen und kleinen Flüsse hellhörig. Die schlimmen Erlebnisse während der Jahrhundertflut 1997 an der Oder, der überlaufenden Elbe 2002 oder der vielen Beinahekatastrophen in den folgenden Jahren haben sie sensibel werden lassen. Deshalb strömten viele Neugierige am Sonntag vor allem in den südlichen Regionen an die Flüsse, um sich selbst einen Überblick über mögliche Gefahren zu verschaffen. Besonders entlang der Schwarzen Elster zwischen Bad Liebenwerda und Herzberg, rund 150 Kilometer südwestlich Berlins gelegen, konnte man in viele besorgte Gesichter sehen. „Wir haben alle noch die Bilder von 2010 im Kopf, als der Fluss Straßen überschwemmte und die Feuerwehr praktisch in letzter Sekunde eine Überflutung ganzer Stadtviertel verhinderte“, erinnerte sich ein Einwohner von Herzberg, der damals Tag und Nacht Sandsäcke gefüllt hatte. „Noch immer fehlt entlang der Schwarzen Elster ein durchgängiger Deich.“ Das Landesumweltamt musste für den Fluss die zweithöchste Alarmstufe ausrufen. „Falls weitere Niederschläge kommen, ist mit der Alarmstufe 3 zwischen Herzberg und Bad Liebenwerda zu rechnen“, hieß es.

Hochwasser in Deutschland
Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).Weitere Bilder anzeigen
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27.06.2013 21:23Das Hochwasser geht, der Schaden bleibt. Wie hier auf der Bundesstraßee 188 bei Kabelitz (Sachsen-Anhalt).

Auch für die Spree zwischen der Landesgrenze zu Sachsen und der Talsperre Spremberg sowie von Leibsch bis zum Schwielochsee gilt Hochwasseralarm, wenn auch noch in der niedrigsten Warnstufe. Unter starker Beobachtung steht ebenso die Dahme südöstlich Berlins zwischen Golßen und Märkisch Buchholz, wo Alarmstufe 2 gilt. Die Fachleute vom Landesumweltamt sprechen von einer „weitgehend entspannten Lage“. So sei man vom Sandsackschleppen noch ein ganzes Stück entfernt. „Kritisch wird es erst ab Warnstufe 3“, sagte der Sprecher des Landesumweltamtes in Cottbus, Wolfgang Genehr.

Berlin und der größte Teil Brandenburgs werden auch diesmal weitgehend verschont. Ursache für den Starkregen in Sachsen, Thüringen und teilweise in Brandenburg waren Tiefdruckgebiete, die sich von Polen aus auf den Weg nach Süden gemacht und sich an den Mittelgebirgen gestaut hatten. Die großen Ströme wie Oder und Elbe können die Niederschläge meistens problemlos aufnehmen. Für sie sind Starkniederschläge vor allem im Quellgebiet bedrohlich. So hatte das verheerende Oderhochwasser 1997 seine Ursache in tagelangen Niederschlägen im polnischen und tschechischen Riesengebirge.

Die Regenwolken, die es bis nach Berlin schaffen, sind oftmals bereits stark ausgeregnet. Das gilt auch für die meisten Niederschlagssysteme, die von Westen heranziehen. Wenn es zu Überschwemmungen kommt, dann deshalb, weil andernorts Starkregen die Flüsse anschwellen lässt, die das Wasser nach Brandenburg tragen. So ist bereits jetzt der Grundwasserspiegel in Brandenburg stark angestiegen.

Wer dem Wetter entfliehen möchte, muss nicht weit fahren. In Warnemünde an der Ostsee schien am Sonnabend die Sonne, am Sonntag war es bedeckt, aber trocken.

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