Hochwasser : Tauwetter treibt Flüsse über die Ufer

Tauwetter mit Temperaturen um zehn Grad hat viele deutsche Flüsse über die Ufer treten lassen. Mehrere Städte wurden überschwemmt. Der Höhepunkt des Hochwassers wird vielerorts an diesem Montag erwartet.

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Voller Einsatz gegen das Hochwasser in Halle (Saale): In Sachsen-Anhalt gibt es auch am Sonntag noch keine Entwarnung. Experten gehen davon aus, dass hier die Pegelstände noch steigen.Weitere Bilder anzeigen
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16.01.2011 17:23Voller Einsatz gegen das Hochwasser in Halle (Saale): In Sachsen-Anhalt gibt es auch am Sonntag noch keine Entwarnung. Experten...

In Koblenz liefen am Sonntag Keller voll. An der Mosel stand das Wasser meterhoch in Cochem und Zell. In Weimar war der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Ilmpark geflutet. In Köln waren Ufer überflutet und im thüringischen Sömmerda der Stadtpark. In Süddeutschland forderten Hochwasser und Tauwetter mindestens zwei Todesopfer. Bundesweit sind viele Brücken und Straßen gesperrt. Der Höhepunkt des Winterhochwassers wird vielerorts an diesem Montag erwartet.

Ursache des Hochwassers ist das Tauwetter, das gigantische Mengen Schnee schmelzen lässt. „Wir haben zurzeit eine sehr außergewöhnliche Wettersituation“, sagt Benno Dröge von der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Ursache der vielen Überschwemmungen sei vor allem der heftige Temperaturwechsel. „Die Perioden, in der sich kalte und warme Temperaturen abwechseln, sind momentan sehr kurz“, bestätigt auch Rainer Fuchs vom hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie. Teilweise schwankten die Temperaturen innerhalb eines Tages um bis zu zehn Grad Celsius. „Auf solche Temperaturwechsel müssen wir uns in Zukunft wohl öfter einstellen“, sagt Fuchs. Beruhigend ist bei all den Hochwasserprognosen nur, dass es die Prognosen überhaupt gibt. Auf vier Tage im Voraus können die Behörden einigermaßen genaue Vorhersagen treffen – und schaffen damit Zeit für die nötigen Vorbereitungen. „Zwei Tage vorher sind die Prognosen sogar sehr genau“, sagt Benno Dröge.

In Baden-Württemberg wurde ein 50 Jahre alter Kajakfahrer tot aus der Enz bei Pforzheim gezogen. Er hatte das Hochwasser offenbar unterschätzt. Die Polizei ging davon aus, dass er aus seinem Boot fiel und wegen der starken Strömung nicht mehr zurückklettern konnte. In Niederbayern lösten die milden Temperaturen eine Dachlawine aus. Die schlug einem 67-Jährigen auf einer Baustelle in Kelheim ein Gerüstteil an den Kopf – der Mann starb.

Das Hochwasser an Rhein und Mosel ließ am Sonntag in Koblenz viele Keller volllaufen. „Zum Glück haben wir große Höhenunterschiede im Ort“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Deshalb hätten in den betroffenen Stadtteilen nur für die ersten Häuserzeilen Stege aufgebaut werden müssen. Der Höchststand des Rheins von 7,50 Metern bis 8,00 Metern erwartete der Sprecher für Montagabend. Ab einer Höhe von 7,20 Metern wird in Koblenz das Deutsche Eck überschwemmt, an dem die Mosel in den Rhein fließt. Bei den großen Hochwassern 1993 und 1995 hatte der Wasserstand in Koblenz die Neun-Meter- Marke überschritten.

In Zell an der Mosel, wo das Wasser am Samstag in die Stadt gelaufen war, gab es noch keine Entwarnung. Auch in der bekannten Weinstadt Cochem stand das Wasser meterhoch. In Mainz wurden erste Parkplätze am Rhein gesperrt.

In Köln waren die Rheinufer in den Stadtteilen Rodenkirchen und Porz-Zündorf überschwemmt. Zum Wochenbeginn wurden 9 Meter erwartet, das Wasser stieg am Sonntag mit etwa sechs Zentimetern pro Stunde langsamer als zuvor.

   Das Land Thüringen traf das Hochwasser flächendeckend. An mehr als 40 der insgesamt 51 Pegel war am Sonntag die Meldestufe überschritten. mit dpa

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