Hochwasser : Viel Wasser und kein Strom

Land unter: Der Cedar River hat in Iowa 3200 Häuser überflutet.

Christoph von Marschall

WashingtonAm Vatertagswochenende stehen die USA unter einem doppelten Schock. Die Bilder von überfluteten Städten im Mittleren Westen erinnern an die Zerstörung von New Orleans vor drei Jahren durch Hurrikan „Katrina“. Ausgelöst wurde die Hochwasserkatastrophe durch tagelange Regenfälle und Stürme. Parallel dazu erwies sich die Hauptstadt Washington DC bei einem mehrstündigen Stromausfall, der das Zentrum lahmlegte, als weitgehend unfähig im Krisenmanagement. Wie würde die Stadt da erst mit einem Terroranschlag umgehen, fragt die „Washington Post“ besorgt.

In Iowas Hauptstadt Des Moines und in Cedar Rapids stehen die Zentren seit Tagen meterhoch unter Wasser. Deiche haben versagt, komplette Häuser wurden weggespült und haben sich wie überdimensionierte, verlassene Hausboote an den noch stehenden Pfeilern einer auseinandergebrochenen Eisenbahnbrücke über den Cedar River verkeilt. Zehn Meter über Normalpegel hatte der Cedar River am Freitag erreicht. In Des Moines ragt das State Capitol mit seiner vergoldeten Kuppel wie eine Insel aus den Fluten. Mehr als hunderttausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Trinkwasser wird knapp, weil die verschmutzten Fluten die Reservoirs und Leitungssysteme kontaminieren. Die Hauptverkehrsadern Iowas sind unterbrochen.

Gouverneur Chet Culver erklärte, dass drei Menschen durch die Folgen der Überschwemmungen gestorben seien. Dass die Zahl der Opfer verhältnismäßig gering blieb, führen die Behörden auf die Lehren aus der letzten Überflutung 1993 und die Verbesserungen der Infrastruktur seither zurück. Bürger und Verwaltung im Mittleren Westen haben zudem besonnener reagiert als 2005 in New Orleans. Diese von Einwanderern aus Deutschland und Skandinavien dominierten Gegenden gelten als Vorbild von Selbstorganisation und Bürgersinn. Südstaaten wie Louisiana haben dagegen den Ruf von Missmanagement und Korruption.

In Iowa bieten die Behörden kostenlose Tetanusimpfungen an. Die Aufrufe, freiwillig den Wassergebrauch zu rationieren und auf das Waschen zu verzichten, damit genug sauberes Trinkwasser übrig bleibt, werden offenbar befolgt.

Der Stromausfall im Zentrum der Hauptstadt Washington am Freitag ging auf Materialversagen in einer Umspannstation zurück. Das Weiße Haus wurde durch Notstromaggregate versorgt. In der übrigen Innenstadt herrschte dagegen stundenlang Chaos, weil die Ampeln ausfielen und die U-Bahn-Stationen unbeleuchtet blieben. Die Medien kritisieren, dass die Polizei keine Mitarbeiter zur Verkehrsregelung entsandte und die Verkehrsbetriebe keine Angestellten mit Taschenlampen in die Bahnhöfe schickte.

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