Welt : Hochzeit der Angst

In Spanien sind auf mehreren Flugplätzen Kleinflugzeuge gestohlen worden – von Terroristen?

Ralph Schulze

Madrid - Kurz vor der spanischen Jahrhunderthochzeit am Samstag zwischen Thronfolger Felipe und der bürgerlichen Letizia wird die Terrorhysterie in der Hauptstadt immer größer. Besonders der Diebstahl einiger Ultraleichtflugzeuge auf mehreren kleinen Sportflughäfen des Landes hat die Behörden alarmiert und dazu veranlasst, die ohnehin schon gigantischen Sicherheitsvorkehrungen weiter zu verschärfen. Die Ermittler glauben zwar, dass die Diebstähle in den letzten Monaten nichts mit der Hochzeit und dem internationalen Terrorismus zu tun haben. Aber ausgeschlossen wird ebenfalls nichts. Erst recht nach dem nationalen Schock durch die islamistische Bombenserie vom 11. März in Madrid, bei der 192 Menschen starben.

Und wenn doch ein Terror-Flieger einen Luftangriff auf die edle Gesellschaft mit Staatschefs und Königsadel aus aller Welt versuchen sollte? „Dann werden wir ihn herunterholen“, warnen die Sicherheitsbehörden, die den Luftraum vollständig gesperrt haben. Bewaffnete Kampfjets, Polizeihubschrauber, Luftabwehrbatterien und ein Awacs-Aufklärer der Nato wachen von Freitag bis Sonntag über das größte globale Adelsfest seit 20 Jahren. Experten warnen freilich, dass die entwendeten Ultraleichtflieger so klein sind, dass sie nicht einmal einen Flughafen zum Starten brauchen und vom Radar nur schwer entdeckt werden können. Noch eine weitere Vision lässt den 23000 Polizisten und mehreren tausend Soldaten, die zum Hochzeitsschutz abkommandiert wurden, das Blut in den Adern gefrieren: Die Erinnerung an den Bombenanschlag auf die letzte Königshochzeit in Madrid im Mai des Jahres 1906. Damals starben 23 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Ein Extremist aus der schon früher eigenwilligen nordspanischen Region Katalonien hatte von einem Balkon eine Dynamitbombe auf die Kutsche des Königs Alfonso XIII. geworfen, der gerade seine Traumprinzessin Victoria Eugenia von Battenberg geheiratet hatte. Alfonso, Urgroßvater Felipes, und Victoria entkamen unverletzt.

Dies alles trägt dazu bei, dass die Hochzeitsgesellschaft mit 1400 illustren Gästen vom größten Polizeiaufgebot der spanischen Geschichte bewacht wird: Nicht Kellner, sondern Bodyguards werden die Drinks und das Galamenü servieren. 200 Scharfschützen hocken auf den Dächern, um potenzielle Attentäter per Präzisionsgewehr auszuschalten. Vor allem die Fahrt durch die jubelnde Menge nach der kirchlichen Trauung gilt als hohes Sicherheitsrisiko. Um Terrorplanungen zu erschweren, haben die Behörden erst jetzt die Straßenroute bekanntgegeben, auf der Felipe und Letizia am Samstag im gepanzerten Rolls Royce an den Untertanen vorbeirollen werden. Gestern war Generalprobe für das Jawort. Mit dem Paar. Es hat geklappt.

23000 Polizisten werden die Hochzeit des spanischen Thronfolgers Felipe mit Letizia Ortiz bewachen. Überall in Madrid sind bereits jetzt Sicherheitsbeamte stationiert.

Die Aufwendungen für die Sicherheit bei dem Jahrhundertereignis sollen zwischen 20 und 40 Millionen Euro kosten, je nachdem wie sich bis Samstag die Sicherheitslage entwickelt.

Die spanische Hauptstadt rechnet mit 1,2 Milliarden Euro direkter und indirekter zusätzlicher Einnahmen durch den Werbeeffekt der Hochzeit auf den Tourismus in den nächsten Jahren.

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