Welt : Hochzeit in Norwegen: Am Ende sagen alle Ja

In Anwesenheit des Hochadels aus ganz Europa und Zehntausenden Menschen auf den Straßen haben sich am Sonnabend in Oslo der norwegische Kronprinz Haakon und die Bürgerliche Mette-Marit Tjessem Hiby das Ja-Wort gegeben. Rund 400 Gäste, unter ihnen der britische Prinz Charles und die spanische Königin Sofia, reisten zu der Traumhochzeit des Jahres an. Die einstündige Trauungszeremonie im Dom von Oslo begann um 17 Uhr. Zu den sechs Blumenkindern gehörte auch der außereheliche Sohn der Braut, der vier Jahre alte Marius. Die Hochzeit des 28-jährigen Thronfolgers sorgte schon im Vorfeld wegen der ausschweifenden Vergangenheit seiner Braut für Schlagzeilen. Dabei hatte es heftige Kritik gehagelt. Doch am Tag der Hochzeit sagten alle Ja zu der Verbindung.

Schon Stunden vor der Trauung war die Innenstadt trotz Regens mit Schaulustigen restlos gefüllt. König Harald V. verkündete am Hochzeitstag, dass die 28-jährige Frau des gleichaltrigen Thronfolgers nach dem Jawort den Titel "Ihre Königliche Hoheit Kronprinzessin Mette-Marit" trägt.

Ebenfalls kurz vor dem Gang zum Altar meldete sich über einen Anwalt der Ex-Freund der Prinzenbraut mit dem Versprechen zu Wort, weder in Norwegen noch anderswo "nicht hoffähige" Fotos aus der wilden Jugend von Mette-Marit zu veröffentlichen. Der wegen Drogen- und Gewaltvergehen vorbestrafte Fotograf war Mitte der neunziger Jahre drei Jahre lang fester Freund Mette-Marits, ist aber nicht Vater ihres vierjährigen nichtehelichen Sohnes Marius.

Er erklärte, in jüngster Zeit hätten Medien "gewaltigen Druck" auf ihn ausgeübt, um belastende Fotos zu verkaufen. Er wolle sich aber unter allen Umständen loyal verhalten. Bei der Osloer Polizei waren Mitte der Woche mehrere Tipps über bevorstehende Erpressungsversuche gegen die Braut mit "kompromittierenden" Bildern von Sex- und Drogen-Aktivitäten eingegangen. Die Geschichte des Hochzeitspaares gleicht einem modernen Märchen: Mette-Marit stammt aus einfachem Haus, der Vater ihres Sohns ist wegen Kokainbesitzes vorbestraft, sie selbst war Anfang der 90er Jahre als Mitglied der Osloer House-Szene mit Drogen in Berührung gekommen. Doch seit ihrem öffentlichen Bedauern hat sie in den Augen der meisten Norweger die Feuertaufe als Prinzessin bestanden. König Carl XVI. Gustav und Königin Silvia aus Schweden, Prinz Albert von Monaco, Prinz Willem-Alexander aus den Niederlanden und seine Verlobte Maxima Zorreguieta sowie zahlreiche weitere Prominenz aus Adel und Politik kamen, um zu verfolgen, wie Braut und Bräutigam gemeinsam den Gang der Kathedrale entlang zum Traualtar schreiten. Welches Kleid die blonde Mette-Marit tragen würde, war bis zuletzt ein streng gehütetes Geheimnis. Nach dem Ja-Wort gab es einen Empfang im Königspalast. Zum Abschluss von Diner und Tanz erleuchtete ein Feuerwerk den Himmel über Oslo. Beim offiziellen Hochzeitsauftakt am Freitagabend mit einem Festbankett der norwegischen Regierung nannte Ministerpräsident Jens Stoltenberg die Trauung ein "Symbol für Liebe und Glück". Sie sei ein deutliches Signal für die einigende Funktion der Monarchie.

Die Liebesbeziehung zwischen dem Kronprinzen und der Bürgerlichen wurde wegen des Lebenslaufs der Braut von vielen norwegischen Royalisten mit Argwohn betrachtet. Mit Wonne stocherten die Medien in der Vergangenheit der zukünftigen Königin herum. Seit sie im vergangenen Oktober mit Sohn Marius beim Prinzen einzog und das Paar sich im Dezember verlobte, steht Mette-Marit im Scheinwerferlicht. Mit ihrem Lebenslauf schienen sogar die toleranten Norweger zeitweise etwas überfordert. Vor ihrem Studium der Sozialanthropologie arbeitete Mette-Marit unter anderem als Erdbeerpflückerin, Kellnerin und Verkäuferin. Der Vater ihres Kindes ist mehrfach vorbestraft wegen Gewalttätigkeit, Trunkenheit am Steuer und Kokainbesitz.

Den Tränen nahe hatte sich Mette-Marit am Mittwoch für ihre ausschweifende Vergangenheit entschuldigt. Sie habe sich in einem Milieu bewegt, in dem zahlreiche Grenzen ausgetestet und überschritten worden seien: "Das tut mir Leid". Die offenen Worten des neuen Mitglieds im Königshaus scheinen die Norweger überzeugt zu haben. In einer Umfrage einen Tag nach dem Geständnis zeigten sich 70 Prozent der Befragten überzeugt, Mette-Marit habe das Zeug, eines Tages Königin zu werden.

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