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Höhlendrama bei Berchtesgaden : „Er fühlt sich in der Trage sehr wohl"

Der Transport des schwer verletzten Forschers ist gestartet. Doch die Rettung wird extrem schwierig. Eine Operation in der Höhle ist wohl nicht nötig.

Zum Team der Rettungskräfte, die den verunglückten Forscher bergen wollen, gehören auch zwei Deutsche (2.v.l. u. 3.v.l.).
Zum Team der Rettungskräfte, die den verunglückten Forscher bergen wollen, gehören auch zwei Deutsche (2.v.l. u. 3.v.l.).Foto: dpa

Für den schwer verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden hat der lange Weg nach oben begonnen. Am Freitagnachmittag ging der Transport los, wie die Bergwacht mitteilte. „Transport startet jetzt“, hieß es demnach um Punkt 17.28 Uhr über das Textnachrichtenprogramm, das der Bergwacht die Kommunikation mit Westhauser und seinem Arzt ermöglicht.

Elf Stunden lang transportierte eine Gruppe von 15 italienischen Höhlenrettern den Mann in der Nacht zu Samstag anschließend auf einer Trage in Richtung Ausgang, ehe sie mit ihrem Patienten an einem Ruheplatz Pause machte, wie die bayerische Bergwacht mitteilte. Der Zustand des 52-Jährigen sei stabil. „Er fühlt sich in der Trage sehr wohl und sendet liebe Grüße an seine Familie“, gab ein Sprecher der Bergwacht die Botschaft wieder, die der Verletzte per Funksystem gesendet hatte.

Den Angaben zufolge betreute zunächst ein österreichischer Arzt den Patienten, gegen Mitternacht übernahm dann der deutsche Arzt, der gestern in die Höhle eingestiegen war. Am Samstag befanden sich laut Bergwacht etwa 60 Retter in der Höhle.
Weitere 16 italienische Höhlenretter sollten das aktuelle Team ablösen und den weiteren Transport bewerkstelligen. Die Infrastruktur der schwer zugänglichen Höhle wurde verbessert: Biwakplätze wurden ausgebaut, die Telefonleitung nach unten verlängert.

Eine Operation in der Riesending-Schachthöhle ist wohl nicht nötig..„Es kommt zu keiner Operation im Moment in der Höhle. Es ist auch nicht geplant“, sagte der Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, am Freitag in Berchtesgaden. „Bei diesem Verletzungsmuster sind Schwellungen zu erwarten. Wir sind aber heute in einem Bereich, in dem nicht mehr mit Schwellungen zu rechnen ist.“ Für den Fall, dass Westhausers Schädeldecke geöffnet werden müsse, liege ein Bohrer am Höhleneingang bereit, es deute aber derzeit nichts darauf hin.

Zwei Ärzte behandelten den schwer verletzten Forscher am Donnerstag mit Medikamenten. Der 52-Jährige sei transportfähig, sagte der höhlenerfahrene Notarzt, Anästhesist und Neurochirurg Michael Petermeyer am Donnerstag. Eine genaue Diagnostik sei zwar nicht möglich. Aber: „Der Patient ist körperlich und psychisch stabil. Das deute ich als extrem positiv.“

Westhauser, der seit Jahren die tiefste und längste Höhle Deutschlands erforscht, hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen in einer Tiefe von 1000 Metern ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, das normalerweise auf der Intensivstation behandelt wird.

Die Retter rechnen mit einer schwierigen und langwierigen Aktion

Die Retter sehen einer schweren Aufgabe entgegen. „Es sprengt jede Vorstellung, was eine Rettung aus dieser Tiefe bedeutet“, sagte Petermeyer, der selbst in ähnlichen Tiefen war und das Einsatzteam verstärkt. „Es ist extrem verwinkelt, es geht um die Ecke. Es ist schmierig, es ist lehmig, es ist rutschig. Es ist eine Riesenherausforderung, die uns bevorsteht. Wir brauchen alle einen langen Atem.“

Für die Retter ist die Situation extrem belastend. Diejenigen, die aus der Höhle kommen, werden psychologisch betreut. „Sie sind unglaublich erschöpft und mental stark belastet“, erklärt der Vizevorsitzende der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider.

Die Retter hoffen, dass sie jeden Tag eines der vier auf der Strecke eingerichteten Biwaks erreichen. Ob das gelingt, ist vollkommen offen. „Das hängt ganz vom Zustand des Patienten ab“, sagte der Bergwachtmitarbeiter.
Die Einsatzleitung bleibt über ein eigens installiertes Funksystem in Kontakt mit den Helfern am Unglücksort in der Tiefe. Draußen steht auch Petermeyer bereit. Er könnte ebenfalls noch absteigen und helfen. (dpa/AFP)

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