Welt : „Hölle auf Erden“

Die Explosion einer unterirdischen Gasleitung setzt ein ganzes Wohnviertel bei San Francisco in Brand / Mindestens vier Tote

San Francisco - Ein lodernder Feuerball in der Nähe des Flughafens von San Francisco hat nach der Explosion einer Gaspipeline eine tödliche Verwüstung angerichtet. Auch Stunden nach der Explosion am Donnerstagabend (Ortszeit) war der Brand, der ein ganzes Wohnviertel erfasste, am Freitag immer noch nicht unter Kontrolle. Mindestens vier Menschen starben nach offiziellen Angaben. Der stellvertretende Gouverneur von Kalifornien, Abel Maldonado, rief über den Bezirk den Notstand aus.

Zunächst glaubten viele an einen Terroranschlag, da die Explosion den nur etwa drei Kilometer von San Franciscos Flughafen entfernten Vorort San Bruno nur zwei Tage vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 erschütterte. Unmittelbar nach der Explosion waren meterhohe Stichflammen zu sehen. Binnen Minuten stand ein ganzer Straßenzug in Flammen, Menschen rannten in Panik davon, andere schossen fasziniert Fotos mit ihren Handys, vom Himmel regnete es Glassplitter und Trümmer.

Schon nach kurzer Zeit stellte sich der wahre Grund der Explosion heraus: Unter einer Straße von San Bruno war eine Erdgasleitung geborsten. Wie aus einem gewaltigen Bunsenbrenner schossen die Flammen aus dem Leck in alle Richtungen und setzten Häuser und Autos in Brand. Mindestens vier Menschen kamen in den Flammen um, knapp 40 weitere mussten mit Verbrennungen und anderen Verletzungen in Krankenhäusern behandelt werden. Mehr als 53 Häuser brannten teils bis auf die Grundmauern nieder, mindestens 120 weitere wurden nach Angaben der Feuerwehr beschädigt. Rund 100 Einwohner wurden in Notunterkünften untergebracht.

Maldonado, der Gouverneur Arnold Schwarzenegger während dessen Asienreise vertritt, rief für den gesamten Bezirk den Notstand aus. Er rechne mit weiteren Opfern, sagte er nach einer ersten Besichtigung der Unglücksstelle dem US-Sender CNN. „Es sieht aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen“, berichtete Maldonado. Er habe in vielen Einfahrten verbrannte Autos gesehen: „Das sagt mir, dass viele ihre Häuser nicht verlassen haben, und das macht mir große Sorge.“ Augenzeugen berichteten, die Explosion habe einen Krater von der Größe einer mehrspurigen Straßenkreuzung hinterlassen.

„Erst haben wir einen lauten Knall gehört, dann wackelte das ganze Haus“, erzählten die Brüder Bob und Ed Pellegrini dem örtlichen Sender ABC. Sie dachten erst an ein Erdbeben, spürten dann aber die starke Hitze. „Plötzlich sahen wir die Flammen gleich vor dem Fenster“, schilderte Bob die Situation. „Es sah aus wie die Hölle auf Erden.“ Sie konnten nur durch den Garten entkommen, denn vorne zur Straße hin war es zu heiß. „Das Haus ist zerstört. Ich habe nichts mehr, alles ist weg“, sagte Ed. Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen und -hubschraubern gelang es den Feuerwehrleuten zunächst nicht, die Brände unter Kontrolle zu bringen. In Berichten hieß es, die Flammenhitze habe die Fenster von Feuerwehrwagen zum Schmelzen gebracht.

Bürgermeister Jim Ruane bestätigte, dass der Bruch einer 60 Zentimeter breiten Hochdruckleitung Schuld an einem der schlimmsten Brandinfernos in einer amerikanischen Stadt seit Jahren sei. Der Sprecher des Energieversorgers Pacific Gas & Electric, Jeff Smith, sprach von einer „schrecklichen Situation“. Sollte sich herausstellen, dass sein Unternehmen Schuld an dem Unglück trage, „werden wir die volle Verantwortung übernehmen“. Medienberichten zufolge hatten Anwohner schon Tage zuvor Gasgeruch vernommen und den Behörden gemeldet. Ein Mann schimpfte vor den schwelenden Überresten seiner Nachbarschaft, dass der Energiekonzern auf die Beschwerden nicht reagiert habe. AFP/dpa

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