Hollywood : Mel Gibson beginnt Entziehungskur

Nach dem Skandal um seine Trunkenheitsfahrt und angebliche antisemitische Ausfälle hat Mel Gibson eine Entziehungskur begonnen. In Hollywood dürfte es Gibson künftig sehr schwer haben.

Los Angeles - Der 50-jährige Oscar-Preisträger Mel Gibson war Ende vergangener Woche im kalifornischen Malibu betrunken am Steuer festgenommen worden. Internetberichten zufolge soll er bei seiner Festnahme sexistische und judenfeindliche Schimpftiraden losgelassen haben. Trotz seiner Entschuldigung dauerte die Diskussion um den Fehltritt des Stars an. Experten der US-Filmbranche waren sich einig: Während die Fans ihm verzeihen könnten, werde es Gibson in Hollywood künftig sehr viel schwerer haben.

Gewaltiger Imageverlust

Besonders kritisch wertete die Fachzeitschrift "Variety" das Verhalten des Hollywood-Superstars. Dessen Sturz werde schwindelerregend sein, schrieb der Produzent Peter Bart in einem Leitartikel. "Die Kritik wird ihn töten, ein Teil des Publikums wird auf seine Arbeit herabschauen. Seine Glaubwürdigkeit als Regisseur ist schwer beschädigt." Durch seine Tiraden habe Gibson nicht nur seine Freunde und Kollegen, sondern auch sich selbst verraten.

Robert Thompson, TV-Professor an der Universität Syracuse, sieht auf Gibson schwere Zeiten zukommen. Nicht so sehr, weil in Hollywood viele jüdische Filmschaffende tätig sind. "Hollywood ist generell nicht besonders erfreut bei einem solchen Verhalten. Welchen Film auch immer er machen will - er hat nun diese Geschichte am Hals", sagte Thompson.

Image-Berater Peter Montoya spricht von einem "schrecklichen Schlag" für Gibsons Ansehen. Er glaube jedoch nicht, dass das Ganze außer Kontrolle geraten werde. Immerhin habe Gibson eine eiserne Regel beherzigt und sich schnell entschuldigt. "In Amerika kann das Publikum sehr viel verzeihen, wenn Du Verantwortung übernimmst und Dich entschuldigst", sagte Montoya. Nur wer diese Regel nicht befolge, zahle später einen hohen Preis.

Gibson bittet um Verzeihung

Gibson hatte am Wochenende in einer TV-Sendung um Verzeihung für seine Entgleisung gebeten. Auslöser war die Veröffentlichung des angeblichen Polizeiberichts von Gibsons Festnahme durch die Internet-Klatschseite tmz.com. Demnach soll der Schauspieler bei seiner Festnahme auf Juden geschimpft und gesagt haben: "Die Juden sind für alle Kriege in der Welt verantwortlich."

Der in Amerika geborene und in Australien aufgewachsene Schauspieler ist bekennender Katholik. Er war in den 80er Jahren durch die Filmreihen "Mad Max" und "Lethal Weapon" bekannt geworden; für seinen Erfolgsfilm "Braveheart", bei dem er auch Regie führte, wurde er 1996 mit zwei Oscars ausgezeichnet. Gibson spielte außerdem in Filmen wie "Was Frauen wollen" und "Fletchers Visionen".

Für Aufsehen sorgte zuletzt sein Film "Die Passion Christi" über die letzten Stunden im Leben von Jesus Christus, der ebenso erfolgreich wie umstritten war. Jüdische Organisationen in den USA hatten als antisemitisch empfundene Passagen kritisiert. Der Vorsitzende der Anti-Diffamierungsliga, Abraham Foxman, sagte, die Entschuldigung Gibsons sei ohne Reue und reiche nicht aus. Das Verhalten des Schauspielers zeige zudem, dass seine Beteuerungen in der Debatte um "Die Passion Christi", er habe mit dem Film niemanden verletzen wollen, "nichts als eine Lüge" gewesen seien. Gibson arbeitet derzeit an seinem nächsten Film als Regisseur; "Apocalypto" soll im Dezember in die Kinos kommen. (tso/AFP)

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