• Holzhäuser in Schweden sind eine bezahlbare Idylle, nicht weit von Deutschland entfernt

Welt : Holzhäuser in Schweden sind eine bezahlbare Idylle, nicht weit von Deutschland entfernt

Thomas Askan Vierich

Faluröd, das ist die Farbe, von der immer mehr Deutsche träumen: Dunkelrot ist der eisenoxydhaltige Schlamm aus den Faluner Bergwerken in der mittelschwedischen Provinz Dalsland, und er schützt die Holzhäuser seit Jahrhunderten vor Wind, Wetter und Insekten. Wer einmal in Schweden war, weiß: Rote Holzhäuser mit weißen Fensterrahmen und Giebeln prägen heute wie vor 200 Jahren die Landschaft.

"Für mich ist unsere Stuga in Småland ein Stück Heimat", sagt die Holsteinerin Barbara Lehr. Ihr Vater erwarb schon in den frühen 80er Jahren den ehemaligen Altenteil eines Bauernhofs in der Provinz Halland. Damals war es für Ausländer noch schwer, Grundeigentum in Schweden zu erwerben. Barbaras Vater musste einen Bürgen stellen und die Zustimmung der Gemeinde einholen. Ein befreundeter Abgeordneter im schwedischen Reichstag ebnete den Weg. Erst seit Schweden im Januar 1995 der EU beitrat ist es Deutschen und anderen Bürgern der Union grundsätzlich erlaubt, "ein Stück Paradies" zu erwerben. Nächstes Jahr fällt auch die Genehmigungspflicht durch die Gemeinde, schließlich herrscht EU-weit Niederlassungsfreiheit.

Schweden ist auch immer besser zu erreichen. Weniger als drei Stunden dauert es von Rostock mit der Fähre "Katamaran" bis Trelleborg. Ab 2002 verbindet eine neue Brücke quer über den Öresund Malmö mit Kopenhagen. Dann werden die Immobilienpreise in Schweden steigen, so die Einschätzung von Lisbeth Nordkvist. Sie ist Verkaufsleiterin der LBS Schweden GmbH, einem Tochterunternehmen der ostdeutschen Landesbausparkasse. Frau Nordkvist vermittelt und finanziert schwedische Immobilien für deutsche Interessenten. Von einer Verdreifachung der Grundstückspreise geht sie bei guten Lagen im Süden des Landes aus.

Günstige gebrauchte Immobilien werde es in Schweden aber auch nach dem neuen Brückenschlag zum Festland noch geben, vorausgesetzt der Käufer ersteht keine Stuga oder Sommervilla direkt an einem See oder am Meer. Denn in den berühmten Schärengärten vor Stockholm oder Göteborg ist Grundeigentum teuer. "Wer es dagegen auf sich nimmt, zum Badeort zu radeln, spart viel Geld und kämpft beim Abendbrot auf seiner Terrasse weniger gegen Mücken", sagt Lisbeth Nordkvist.

Ein typisches Schwedenhaus aus Holz mit vier Zimmern und mitten im Wald ist schon für 70 000 DM im renovierten Zustand zu haben. Wer handwerklich geschickt ist, kann sich sein Häuschen selber herrichten und spart etwa die Hälfte der Anschaffungskosten. Allerdings sollte man beachten, dass die oft 100 Jahre alten Holzhäuser nicht gerade viel Komfort bieten. Außerhalb von Ortschaften fehlt oft sogar der Anschluss an die Kanalisation. Das nächste Lebensmittelgeschäft kann Kilometer weit entfernt sein. Und im Winter gelingt es kaum einem Auto, sich einen Weg durch die selten geräumten, Schnee bedeckten Nebenstraßen zu bahnen.

So idyllisch es anmutet, wenn der nächste Nachbar außer Sichtweite ist, das "Einsiedler-Leben" hat nicht nur Vorzüge. "Man muss mit sich selbst klar kommen," sagt Christina Zimmermann. Sie erwarb 1993, zusammen mit ihrem Mann, eine einsam gelegene Stuga bei Växjö in Småland: "Manchmal sitzt man abends vor dem Kamin und fragt sich: Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Wen die Antwort "eigentlich nichts" beunruhigt, sollte vom Erwerb einer Stuga fern ab üblicher Zerstreuungen Abstand nehmen. Oder er investiert rund 100 000 DM. Dafür bekommt er eine Villa aus Holz oder Stein in einer kleinen Ortschaft. Allerdings geht es auch in schwedischen Dörfern eher beschaulich zu. Die größte Attraktion ist und bleibt die überwältigende Landschaft: 96 000 Seen und endlose Wälder, blühende Wiesen mit weidenden Kühen. Ein Nachtleben gibt es nur in Küstenstädten wie Strömstad oder Västervik oder auf der Insel Gotland. Hier haben die Schweden ihre Sommerhäuser.

"Die Deutschen kommen!" Dieser Schlachtruf füllte in den letzten Jahren vor allem während des "Sommerlochs" schwedische Zeitungen. Nicht alle sind begeistert, dass Deutsche und Dänen - letzteren ist ein Urlaub in ihrer Heimat zu teuer geworden - ganze Dörfer in Småländ erwerben. Sogar "alt eingesessene" Deutsche verfolgen den Zuzug ihrer Landsleute mit gemischten Gefühlen: "Viele, die heute kommen, stehen mit Cowboy-Stiefeln und -Hut im Supermarkt und regen sich auf, wie teuer alles ist," sagt Christina Zimmermann. "Und einige glauben, sie könnten für eine Flasche Schnaps in Schweden alles bekommen," sagt Barbara Lehr. Dann reagieren sogar die notorisch freundlichen Schweden schon einmal verärgert: Als Volk von Säufern möchten sie sich nicht hinstellen lassen, von den Deutschen schon gar nicht.

"Die Schweden sind zurückhaltend, aber rührend herzlich," sagt Christiane Zimmermann. "Wenn ich beispielsweise eine neue schwedische Vokabel gelernt habe, nehmen sie das begeistert auf." Wer bereit sei, sich zu integrieren und nicht alle Lebensmittel von Aldi mitbringe oder aber brüllend durch den Wald stapfe, finde schnell Anschluss. Die Schweden wissen, dass sie dem Tourismus einiges zu verdanken haben. So manches Dorf wäre längst ausgestorben, viele rote Holzhäuschen zusammengestürzt und mancher Handwerksbetrieb pleite, hätten die Ausländer nicht die Freuden des schwedischen Landlebens entdeckt. Einen guten Leumund haben die "Germanen" auch durch die ungemein populäre Königin Silvia, eine geborene Deutsche. Noch heute spricht sie Schwedisch mit deutschem Akzent.

Dagegen lebt die Schwedin Lisbeth Nordkvist von der LBS seit 20 Jahren in Deutschland. Und sie kann die Sehnsucht der Deutschen gut verstehen: "Das Leben hierzulande ist im Vergleich zum schwedischen Alltag hart und hektisch. Ich gönne jedem ein Stückchen Schweden."

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