Holzklotz-Verfahren : Geständnis ohne Geständigen

Der mutmaßliche Holzklotz-Werfer wird am Montagnachmittag vor dem Haftrichter sein Geständnis widerufen. Dazu raten ihm seine neuen Anwälte, sein Pflichtverteidiger will sich deshalb entpflichten lassen.

Barbara Junge

BerlinWenn Nikolai H. am heutigen Montagmittag vor dem Haftrichter erscheint, wird die juristische Verfolgung des Holzklotzmordes voraussichtlich eine abrupte Wendung nehmen. Nikolai H., der schon ein Geständnis abgelegt hatte, will dieses dann widerrufen. Jener junge Mann, von dem auch aufgrund des Geständnisses angenommen wird, er habe einen Baumstamm von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg geworfen und damit eine junge Mutter getötet, die auf dem Beifahrersitz saß, als das Auto der Familie die Brücke passierte. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz, einer der Wahlverteidiger von Nikolai H., bestätigte am Sonntag dem Tagesspiegel, dass sein Mandant den Widerruf beabsichtigt.

Nikolai H. war zunächst von einem Pflichtverteidiger vertreten worden. Ende Mai übernahmen sein früherer Anwalt Matthias Koch aus Bremen und der Berliner Schulz zusätzlich das Mandat. Die beiden stellen jetzt in Frage, ob H. tatsächlich der Täter ist. So werfen sie die Frage auf, ob der drogenabhängige Mann ein Geständnis unter Entzug abgelegt hat, um später Methadon zu bekommen. Es gebe mehrere Tatverdächtige, dazu ein fragwürdiges Geständnis und schließlich bedenkliche Indizienbeweise.

Zweifel an Indizienbeweisen

Die neuen Anwälte von H. zweifeln zwei Indizienbeweise an. Zum einen wurde ein Handygespräch des Beschuldigten durch Funkzellenauswertung dem fraglichen Brückenbereich bei Oldenburg zugeordnet. "Aber der Strahlungsbereich ist in außerstädtischen Gebieten weniger genau zuzuordnen", wendet Schulz dagegen ein. Zudem müsse überprüft werden, wer eine solche Zuordnung aus den Daten auslese. Es frage sich, ob diese Auswertung "wissenschaftlich überhaupt valid" sei.

Auch gegen ein weiteres Indiz bringt der Anwalt Bedenken vor: Sogenannte Sandanhaftungen an dem Holzklotz wurden mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit dem Wohnort des Täters zugeordnet. "Wir haben Anhaltspunkte, dass das Ursprungsasservat (der Holzklotz) von der Tatortsicherstellung bis zur forensischen Auswertung Veränderungen erfuhr", führt Schulz an. "Dies wirft die Frage auf, ob eine Drittkontamination die Wahrscheinlichkeitsaussage verfälscht."

An der Frage, ob das Geständnis in einem Prozess verwendet werden dürfte, wollen die Anwälte sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Es sei gut dokumentiert, dass H. unter einem Entzug gelitten habe und er erst nach der Vernehmung Methadon erhalten habe. "Um die Frage zu klären, ob eine solche Vernehmung verwertbar ist, wollen wir die Haftprüfungsinstanzen bis zum Bundesverfassungsgericht zügig durchschreiten", kündigt Schulz an.

Nikolai H.’s Pflichtverteidiger will diesen Weg der Verteidigung nicht mitgehen. "Das kann ich nicht mehr mittragen", sagte Axel Husheer am Sonntag. Es weiche von der Verteidigungsstrategie ab, die er mit seinem Mandaten abgesprochen habe. Er will sich deshalb entpflichten lassen. Das haben auch die neuen Verteidiger bei Gericht schon beantragt.

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