Holzklotzwurf : Morddrohungen gegen den Angeklagten

Das Landgericht Oldenburg verhandelt ab Dienstag über tödlichen Holzklotzwurf von Autobahnbrücke. Der drogensüchtige Verdächtige hat inzwischen sein Geständnis widerrufen.

Eckhard Stengel

BremenSiebeneinhalb Monate nach dem tödlichen Wurf eines Holzklotzes von einer Autobahnbrücke beginnt am Dienstag der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Täter Nikolai H. vor dem Landgericht im niedersächsischen Oldenburg. Der 30- Jährige soll am Ostersonntag ein fast sechs Kilogramm schweres Holzstück auf einen fahrenden Pkw geworfen haben. Das Geschoss durchschlug die Windschutzscheibe und tötete eine 33-jährige Mutter vor den Augen ihrer beiden sieben- und neunjährigen Kinder sowie ihres Ehemanns, der am Steuer saß. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten einen "heimtückisch und mit gemeingefährlichen Mitteln begangenen Mord sowie einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr" vor.

Zunächst hatten die Ermittler Jugendliche in Verdacht, die von Zeugen in der Nähe des Tatortes gesehen und daraufhin per Phantombild gesucht wurden. Als die Fahndung erfolglos blieb, drohte die polizeiliche Sonderkommission mit einem Massen-Gentest unter jungen Leuten, um ihre DNA mit Spuren vom Holzklotz abzugleichen. Daraufhin meldete sich Nikolai H. als angeblicher Zeuge. Der vorbestrafte Drogensüchtige, der in der Nähe der A 29 wohnt, gab an, er sei wenige Stunden vor der Tat über die Brücke geradelt, habe dort einen Holzklotz gesehen und ihn zur Seite gelegt. Die Polizei glaubte ihm jedoch nicht und bewog ihn schließlich zu einem Geständnis. Er habe aus " allgemeinem Frust" gehandelt, soll der Heroinabhängige den Beamten erklärt haben.

Ermittler werteten fast 13.000 Handydaten aus

Später widerrief er aber sein Geständnis und gab an, während der Verhöre unter Entzugserscheinungen gelitten zu haben. Die Ersatzdroge Methadon sei ihm erst für den Fall eines Geständnisses in Aussicht gestellt worden. Die Staatsanwaltschaft will sich zu diesem Vorwurf nicht äußern, glaubt aber, auch ohne Geständnis genug Beweise zu haben. So sollen Sandanhaftungen am Holzklotz identisch sein mit Bodenproben vom Grundstück des Angeklagten. Auch sollen dort ähnliche Holzklötze gelegen haben.

Das Landgericht hat bis Ende Januar 2009 zunächst 16 Verhandlungstage anberaumt. Der Prozess findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, denn gegen den Angeklagten und einen seiner beiden Verteidiger wurden anonyme Morddrohungen geäußert - angeblich von Kasachen. Zufällig sind sowohl der Angeklagte als auch die getötete Frau Spätaussiedler, beide stammen aus Kasachstan. So hat das Landgericht nicht nur Personen- und Taschenkontrollen angeordnet, sondern sich auch eigens eine mobile Sicherheitsglaswand aus Bonn ausgeliehen, die den Angeklagten vom Publikum trennt. Die einzige Glaswand der niedersächsischen Justiz wird derzeit im Landgericht Stade gebraucht, das derzeit über den siebenfachen Mord in einem China-Restaurant in Sittensen verhandelt.

In dem Prozess wird die Verteidigung voraussichtlich nicht nur die Vernehmungsmethoden, sondern auch weitere Fahndungsmaßnahmen infrage stellen. Die Ermittler sollen fast 13.000 Handydaten von Menschen ausgewertet haben, die sich an jenem Osterabend in der Nähe des Tatortes aufhielten. Außerdem wurden offenbar Gespräche aus einer Telefonzelle in Rastede abgehört, wovon auch völlig Unbeteiligte betroffen waren.

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