HOMMAGEEin Abend für die Libanesin Etel Adnan : Liebe, Tod, Gewalt

Jean-Claude Tappenhorst

Trotz ihrer 87 Jahre war die Libanesin Etel Adnan so etwas wie das malende, dichtende und philosophierende Universalwunder der diesjährigen Documenta. Über Beirut, die Stadt, in der sie 1925 als Tochter einer Griechin und eines Syrers geboren wurde, hat sie einmal geschrieben: „Sie verkaufen den Tod in Beirut so, wie sie Wein in Frankreich verkaufen.“ Dort hat die Nomadin, die unter anderem an der Sorbonne und in Harvard studierte, den Ausbruch des Bürgerkrieges miterlebt.

Der titelgebende Zyklus ihres Bandes „Im Herzen des Herzens eines anderen Landes“ war eine Variation auf Prosaskizzen von William H. Gass – und in Kurz- und Kürzesttexten ein Porträt des Libanon in vielen Puzzleteilen. Etel Adnan, die nach 17 Jahren als Hochschullehrerin in Kalifornien nach Beirut zurückkehrte, um seit Jahren wieder zwischen Paris und Sausalito zu pendeln, ist eine der wichtigsten Stimmen der arabischen Welt und eine hellwache, kritische Zeitgenossin.

Nun veranstaltet die Akademie der Künste einen von Corinna Harfouch und Frank Raddatz kuratierten Abend zu Ehren der Künstlerin. Unter dem Titel „Liebe ist die höchste Gewalt“ präsentieren Christian Grashof, Johannes Gwisdek, Corinna Harfouch, Jutta Hoffmann, Alexander Khuon und Hans-Ulrich Müller-Schwefe in Lesungen und Podiumsgesprächen das literarische Werk der Künstlerin, die auch selber auftreten wird. „Denken“, so hat sie einmal bekannt, „heißt nicht über etwas nachsinnen, sondern Zeugnis ablegen.“ Im Kreis ihrer Freunde und Bewunderer wird man schnell herausfinden, was sie damit meint. Jean-Claude Tappenhorst

Akademie der Künste Hanseatenweg, Do 8.11.,

19 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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