Horno-Prozess : Rentnerpaar schließt Vergleich

Der Prozess um die Enteignung eines Rentnerehepaars in der Niederlausitzer Ortschaft Horno endet mit einem Vergleich. Die beiden letzten Bewohner verkaufen nach jahrelanger Weigerung nun doch ihre beiden Grundstücke an Vattenfall Europe.

Berlin - Das sieht ein Vergleich vor, auf den sich das Rentnerehepaar Domain und die Vattenfall Europe Mining AG am Mittwoch nach mehrstündiger Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin- Brandenburg einigten. Über Details der Entschädigung für die Familie wurde nach Gerichtsangaben Stillschweigen vereinbart. Die Domains wollen noch in diesem Jahr an ihren neuen Wohnort umziehen.

Das Ehepaar Domain hatte im Berufungsverfahren das Oberverwaltungsgericht angerufen, um seine beiden Grundstücke nicht für den Braunkohletagebau Jänschwalde (Spree-Neiße) des Energiekonzerns hergeben zu müssen. Das Unternehmen hält die Grundstücke mitten im Kohlefördergebiet für unverzichtbar, um den Tagebau fortführen und mit der Kohle das benachbarte Großkraftwerk langfristig versorgen zu können.

«Wir begrüßen es, dass in dem Verfahren eine gütliche Einigung erzielt werden konnte», sagte Vattenfall-Sprecher Peter Fromm. Diese Einigung basiere auf einem Angebot, das die Vattenfall Europe Mining AG bereits vor dem Verfahren unterbreitet habe. Nunmehr sei der Weg für die Fortführung des Tagebaus und die Versorgung des Kraftwerkes frei. Für die Mitarbeiter seien die Arbeitsplätze gesichert.

Seit dem 20. Oktober steht der Vorschnittbagger in der Grube aus Sicherheitsgründen etwa 50 Meter vom Grundstück der Familie Domain still. 60 Bergleute hatten als Beobachter an der Gerichtsverhandlung teilgenommen.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood protestierten während der Verhandlung vor dem Gerichtsgebäude gegen die weitere Abbaggerung Hornos. Einsatzkräfte der Polizei hinderten sie daran, ein Transparent an einem Baum zu befestigen. Gegen zwei beteiligte Personen wird wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Die Aktion war nicht angemeldet.

Der 70 Jahre alte Werner Domain und seine 65-jährige Ehefrau Ursula sind von der Grünen Liga Brandenburg wegen ihres Engagements zu Ehrenmitgliedern ernannt worden. Die Urkunden sollen ihnen an diesem Samstag in Potsdam übergeben werden. Alle anderen Einwohner Hornos haben ihre Grundstücke längst an den Energiekonzern verkauft. Die meisten von ihnen zogen vor zwei Jahren nach Neu-Horno an den Stadtrand von Forst (Spree-Neiße). (tso/dpa)

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