Horrorfilm : Der 15.000-Dollar-Schocker

"Paranormal Activity" ist ein ganz billiger Horrorfilm – und ein Riesenerfolg in den USA.

Rita Neubauer[San Francisco]
Paranormal_Activity
Viele vergleichen ihn mit dem "Blair Witch Project". Szene aus "Paranormal Activity" -Foto: picture-alliance/ZUMA Pres

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Ende Oktober, wenn ganz Amerika auf Halloween wartet, kommt ein neuer „Saw“-Film in die Kinos. Doch dieses Jahr lässt nicht „Saw VI“, die sechste Folge des langlebigen Horrorspektakels, die Fans wie Lemminge in die Kinos laufen, sondern „Paranormal Activity“. Der Überraschungshit ist ein eher langsam köchelnder Horrorfilm, der Zuschauer wie Beobachter des Genres gleichermaßen schockiert. Letztere wollen gar glauben, dass „Paranormal“ sich zu einem der profitabelsten Filme der letzten Jahre erweisen und mehr als 100 Millionen Dollar bis Ende Oktober einspielen könnte. Nicht schlecht für einen Streifen, der für gerade einmal 15 000 Dollar gedreht wurde.

Schon wird „Paranormal“ mit „Blair Witch Project“ verglichen, dem 1999 gedrehten Horrorfilm in Form einer Pseudo-Doku. Der preisgekrönte Film spielte weltweit über 248 Millionen Dollar ein bei Produktionskosten von 60 000 Dollar. In „Paranormal Activity“ sind unsichtbare Kräfte im Haus von Katie (Katie Featherston) und Micah (Micah Sloat) am Werk, und das junge Paar in San Diego zieht sich schließlich zurück, in sein Schlafzimmer – mit einer Videoausrüstung. Das führt zu einigen verwackelten Bildern und wiegt die Zuschauer im Glauben, dass das Videomaterial echt ist.

Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen mit Hilfe des Handkamera-Horrors wie in „Blair Witch“ und „Cloverfield“. Was vor allem das ganz junge Publikum und Fans der TV-Serie „The Hills“ begeistern dürfte. Klaustrophobie feiert fröhliche Urständ. Während beim „Blair Witch Project“ eine geschickt als Tatsachenbericht getarnte Webpräsenz das Interesse anheizte, führte bei „Paranormal“ schließlich cleveres Internetmarketing zum Erfolg.

Anfänglich sah es gar nicht so gut für das Drama von Regisseur und Drehbuchautor Oren Peli aus. Premiere hatte der Low-Budget-Film bereits 2007 auf dem Sundance-Filmfestival in Utah. Ohne allzu durchschlagenden Erfolg. Dann wäre der Indie-Film fast in der Versenkung verschwunden. Steven Spielberg regte ein Remake mit höherem Budget an. Das verhinderte das Internet. Denn Paramount Pictures setzte zusammen mit der Veranstaltungsserie Eventful auf cleveres Marketing. Gezeigt wurde der „roh zusammengezimmerte“ Film, so schrieb der „New York Times“-Kritiker A.O.Scott, in 13 amerikanischen Kleinstädten als Vorpremiere. Dann versprach die Filmfirma landesweit Vorführungen unter einer Bedingung: Eine Million Internetnutzer mussten sich ihn auf die Leinwand wünschen. Mund-zu-Mund-Propaganda und mitternächtliche Vorführungen in UniStädten, immer nur einem kleinen Publikum zugänglich, erhöhten den Hype und führten schließlich zu langen Schlangen vor den Kinokassen. Im Internet, in Foren, bei Facebook und auf Twitter gehört er seitdem zu den populärsten und wild diskutierten Filmen.

Am ersten Wochenende spielte „Paranormal“ allein in Mitternachtsvorstellungen 530 000 Dollar ein. In der zweiten Woche, inzwischen in der Prime-Time, waren es bereits 7,8 Millionen. „Paranormal“, der nun in 1800 Kinos läuft, liefert sich seit dem Wochenende ein wahres Box-Office-Gemetzel mit dem am Freitag gestarteten „Saw VI“.

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