Welt : Houston, es gibt immer wieder Probleme

Pannenserie oder Alltag? Die US-Raumfähre Discovery hat Mängel, viele sind nicht gravierend

Roland Knauer

„Wenn man genau hinschaut, findet man immer etwas“, meint Raumfähren-Experte Volker Sobick vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn. Nach zwei Katastrophen 1986 und 2003 mit den Raumfähren Challenger und Columbia aber schauen die Verantwortlichen der amerikanischen Weltraumorganisation Nasa jetzt beim ersten Flug einer Raumfähre nach 30 Monaten besonders genau hin. Denn bisher verursachten Kleinigkeiten wie ein defekter Dichtungsring und abplatzende Stücke einer Isolierung die Katastrophen, denen jeweils sieben Astronauten zum Opfer fielen. Solche kleinen Defekte aber finden sich bei genauer Inspektion erfahrungsgemäß in jedem größeren technischen Gerät vom Auto bis zur Raumfähre.

Die Discovery kreist zurzeit angedockt an die internationale Raumstation ISS um die Erde – Zeit und Gelegenheit für die Astronauten, ihr Gefährt genau zu untersuchen und gegebenenfalls zu reparieren. Viele der Fehler sind harmlos oder lassen sich einfach beheben, andere bereiten den Ingenieuren aber Kopfschmerzen: So hängen an mehreren Stellen Keramikfasern lose heraus, mit denen die Fugen zwischen den Hitzeschutz-Kacheln abgedichtet werden.

Sobald die Discovery zur Landung ansetzt, stört alles, was von ihrem Rumpf absteht, den normalerweise glatten Luftstrom: In der mit acht- bis zwölffacher Schallgeschwindigkeit strömenden Luft können so Wirbel entstehen, die die Temperatur an den Kacheln von 1300 Grad Celsius auf mehr als 1500 Grad hochheizen. Das passierte 1995, als – genau wie jetzt bei der Discovery – am Bauch der Raumfähre Columbia 2,5 Zentimeter Fugendichter vorstanden. Damals wurden einige dahinter liegende Hitzeschutzkacheln durch die hohen Temperaturen beschädigt, der Shuttle aber landete sicher und der Schaden wurde öffentlich nicht weiter beachtet.

Die Nasa-Ingenieure brüten nun über zwei Alternativen: Entweder sie lassen die heraushängenden Fugendichtungen einfach in ihrer Position, nach den Erfahrungen mit der Columbia sollte die Discovery schließlich sicher landen können. Bei einem weiteren Weltraumspaziergang könnten die Astronauten die Fugendichtungen auch wieder zwischen die Kacheln drücken oder sie ganz herausrupfen, damit keine Wirbel mehr entstehen können.

Um diese Aufgabe reißen dürften sich die Astronauten der Discovery aber kaum, sie haben auch sonst genug zu tun. So tauschten am Montag Stephen Robinson und Soichi Noguchi bei ihrem zweiten Weltraumspaziergang einen defekten Kreisel aus, der die Raumstation stabilisiert. Das mehr als 350 Kilogramm schwere Schwungrad war bereits am 8. Juni 2002 ausgefallen, ein weiterer der insgesamt vier Kreisel an der ISS hatte 2004 seinen Geist aufgegeben.

Zurzeit aber ruhen alle Augen auf der Discovery und der Nasa. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Isolierung der Tanks, weil davon schon 2003 ein größeres Stück abgebrochen war und eine Tragfläche der Columbia so stark beschädigte, dass die Raumfähre vor der Landung in der Luft in ihre Einzelteile zerfiel.

Diesmal hielt die Isolierung an der kritischen Stelle – und brach dafür an einer anderen Stelle ab. Der abgeplatzte Schaumstoff verfehlte zwar die Discovery, die also auch in dieser Hinsicht sicher landen sollte. Ein ernstes Problem aber haben die Nasa-Ingenieure trotzdem: Sie hatten die an dieser Stelle von Hand aufgebrachte Isolierung vor dem Start mit Ultraschall untersucht und keinen Fehler feststellen können, berichtet DLR-Experte Volker Sobick. Trotzdem sprang durch die gewaltigen Erschütterungen ein Stück ab. Beim nächsten Start könnte ein abplatzendes größeres Teil der Isolierung also erneut die Raumfähre treffen und in Schwierigkeiten bringen.

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