Hundeschule : Beamte bestätigen sittenfragliche Rituale

Bayerische Polizeibeamte haben nach Medienangaben bestätigt, dass es in der Polizeihundeschule in Herzogau heikle Rituale und eine Striptease-Show gegeben habe. Die Schulleitung wusste Bescheid.

Hamburg/MünchenAusbilder der Polizeihundeschule im oberpfälzischen Herzogau haben laut "Spiegel" einen Teil der anonymen Anschuldigungen bestätigt.Der stellvertretende Leiter der Polizeihundeschule in der Oberpfalz habe in einer dienstrechtlichen Vernehmung eingeräumt, dass bei einem Abschlussabend eines Hundeführerseminars im Jahr 2001 eine Striptease-Tänzerin in der Einrichtung aufgetreten ist. Er sei davon überrascht worden, sei aber nicht eingeschritten, um sich nicht unbeliebt zu machen.

Staatsanwaltliche Vorermittlungen nach einer anonymen Anzeige waren am Freitag eingestellt worden, weil es nach Angaben der Behörde keinen Hinweis auf strafbare Handlungen in der Fortbildungseinrichtung gegeben habe. In einem anonymen Brief war Ausbildern vorgeworfen worden, Beamtinnen bei Abschlussfeiern sexuell erniedrigt zu haben. Auch von neonazistischen Umtrieben und Tierquälerei war in dem Schreiben die Rede.

Polizeigewerkschaft warnt vor öffentlicher Hetzjagd gegen Hundeführer

Ein umstrittenes Ritual bei Lehrgangsabschlussfeiern, bei dem junge Beamte wie Hunde am Halsband durch das Kasino geführt wurden, hatte das bayerische Innenministerium inzwischen aber untersagt. Die deutsche Polizeigewerkschaft warnte unterdessen vor einer öffentlichen Hetzjagd auf Hundeführer.

Ein Ausbilder bestätigte dem Bericht zufolge zudem, dass bei den "Erstlingshundeführertaufen" für Neulinge auch Elektrohalsbänder getragen worden seien. Er selbst habe freiwillig bei einer solchen "Taufe" mitgemacht und ein Halsband umgelegt bekommen. Zu Stromstößen sei es in seinem Fall allerdings nicht gekommen.

Schulleitung: "In keiner Weise menschenverachtend"

Ob die Rituale bei den Abschlussfeiern gegen die guten Sitten verstoßen, war dem Bericht zufolge bereits im Februar dieses Jahres Thema bei einer Dienstbesprechung in der Schule gewesen. Allerdings hätten die Ausbilder versichert, dass die sogenannten Taufen "in keiner Weise menschenverachtend seien". Die Schulleitung habe daraufhin keinen Handlungsbedarf gesehen.

Der bayerische Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Hermann Benker, erklärte am Samstag in München, die Hundeführer der Polizei fühlen sich nach dem Wirbel um die Polizeihundeschule einer öffentlichen Hetzjagd ausgesetzt. Die tägliche Arbeit werde dadurch in unerträglicher Weise beeinträchtigt. Die "öffentliche Hatz" müsse umgehend beendet werden. (mit ddp/dpa)

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