Welt : Hurrikan "Georges" sucht Florida heim

RITA NEUBAUER

MIAMI .Ocean Drive, sonst ein geschäftiger Touristenstrip in Miami Beach, war bereits Donnerstag nachmittag verwaist.Restaurants und Läden hatte Türen und Fenster vernagelt, viele Bewohner sich ins Landesinnere verzogen.Im nur wenige Kilometer südlich gelegenen Florida Keys bereiteten sich die Einwohner unterdessen auf "Georges" vor.Die Inselkette, die sich auf rund 200 Kilometer von Key Biscayne nach Key West zieht, lag Freitag früh exakt auf der Route des siebten Hurrikans, der dieses Jahr durch die Karibik tobt.Windgeschwindigkeiten von über 170 Kilometer und schwere Überschwemmungen wurden dort im Laufe des Freitags erwartet.Die meisten der 80 000 Einwohner hatten bereits am Mittwoch die Keys verlassen.Zwischen Tampa am Golf von Mexiko und Fort Lauderdale an der Ostküste wurden rund 750 000 Menschen aufgefordert, sich ins Landesinnere zu begeben.

Georges hatte zwar am Donnerstag über Kuba an Stärke verloren, legte aber in der Nacht zum Freitag wieder auf offener See zu.Die große Zerstörungswut von Hurrikan Andrew, der 1992 Süd-Florida heimsuchte und dort Schäden von 25 Milliarden Dollar anrichtete, werden trotzdem nicht erwartet.Dennoch rief in Miami der Bürgermeister von Dade County, Alex Panelas, die Einwohner nahe der Bay von Miami auf, ihre Häuser zu verlassen.Gefährdet sind vor allem die Inselchen zwischen Miami und Miami Beach, wo die Reichen und Schönen aus dem nordamerikanischen Show-Business und auch Boris Becker exklusive Domizile unterhalten.

Welch zerstörerische Kräfte der Wirbelsturm entwickeln kann, zeigte sich auf seiner fünftägigen Reise durch die Karibik.Über 180 Tote und Zehntausende von Obdachlosen hinterließ er in Puerto Rico, der Dominikanischen Republik, Haiti und Kuba.Allein in der Dominikanischen Republik, der am schwersten betroffenen Inselrepublik, kamen mindestens 125 Menschen ums Leben.Die Regierung schätzt, daß 90 Prozent der Lebensmittelproduktion vernichtet wurden.Mindestens 100 000 Dominikaner verloren ihr Dach über dem Kopf.Die zu den USA gehörende Insel Puerto Rico erklärte US-Präsident Bill Clinton inzwischen zur Katastrophenzone.

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