Hurrikan : "Gott schütze uns"

Als Monstersturm der schlimmsten Kategorie 5 hat der Hurrikan "Katrina" am Sonntag Kurs auf die Südostküste der USA genommen. Für die Touristenmetropole New Orleans wurde eine Zwangsevakuierung verfügt.

Miami/Washington (29.08.2005, 08:06 Uhr) - In den USA droht heute die möglicherweise schlimmste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten. Der gewaltige Hurrikan «Katrina» näherte sich in der Nacht immer weiter der südöstlichen Küste am Golf von Mexiko und könnte am Morgen Ortszeit (früher Nachmittag MESZ) direkt die weltberühmte Touristenmetropole New Orleans treffen, die teilweise tiefer als der Meeresspiegel liegt. Nach Einschätzung des Hurrikan-Zentrums in Miami ist der Sturm der stärksten Kategorie 5 so gefährlich, dass er zahlreiche Todesopfer fordern und verheerende Schäden anrichten könnte.

Seit es Wetteraufzeichnungen gibt, ist es nur drei Mal vorgekommen, dass Hurrikans dieser Stärke auf das US-Festland trafen. Dabei kamen jeweils dutzende bis hunderte Menschen ums Leben, die Schäden gingen in die Milliarden. Nach Einschätzung von Meteorologen könnte der Sturm «Katrina» alles bisher Dagewesene übertreffen, weil sein Umfang weitaus größer ist als der seiner berüchtigten Vorgänger. Damit drohen weit verbreitete schwere Schäden bis tief in das Inland hinein.

Nach Berechnungen vom späten Sonntagabend, die sich aber wieder ändern könnten, wird das Zentrum von «Katrina» um etwa 14.00 Uhr MESZ bei Grand Isle in Louisiana die Küste erreichen und dann etwa eine Stunde später über New Orleans ziehen, das fast ganz überflutet werden könnte. Vor diesem Hintergrund war am Sonntag zum ersten Mal in der Geschichte die Evakuierung der Stadt angeordnet worden. Auch in den niedrig gelegenen Küstenabschnitten von Mississippi und Alabama wurden die Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Insgesamt waren am Sonntag von Louisiana bis Florida Hunderttausende Menschen auf der Flucht.

Erwartet wurden vor allem für Louisiana hohe Flutwellen von bis zu siebeneinhalb Metern - das wären die höchsten, die jeweils in den USA bei Hurrikans gemessen wurden. Gefährlich hohe Wellen wurden aber auch für Mississippi, Alabama und sogar Florida vorausgesagt. Das Unwettergebiet war am Sonntag nämlich so groß, dass der Sturm noch in einem Umkreis von 160 Kilometern um sein «Auge» Windgeschwindigkeiten mit Hurrikanstärke entwickelte. Schon für Mitternacht Ortszeit wurden schwere Windböen an Land erwartet - rund sieben Stunden vor dem erwarteten Eintreffen des Sturms.

«Wir können nur beten, dass der Verlust an Menschenleben gering ist», sagte der Direktor des Hurrikan-Zentrums, Max Mayfield, am Sonntagabend, nachdem sich keine Kursänderung des Sturms abgezeichnet hatte. Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, erklärte, eine schwere Katastrophe erscheine nahezu unausweichlich. Die Lage wurde als so ernst eingestuft, dass Präsident George W. Bush die Bevölkerung in den bedrohten Gebieten dazu aufrief, sich im Landesinnern in Sicherheit zu bringen.

"Ein Alptraumszenario"

«Katrina» hatte sich am Sonntagabend mit Windgeschwindigkeiten von rund 265 Stundenkilometern in ihrem Zentrum zwar leicht abgeschwächt, aber Meteorologen bezeichneten das als fast nicht «nennenswert». Das sei ungefähr so, als werde man von einem schweren Sattelschlepper-Zug anstatt einem Zug getroffen, sagte Mayfield vom Hurrikan-Zentrum. Der Chef der US-Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Michael Brown, sprach ebenfalls von einer äußerst ernsten Situation. «Das hier ist ein Alptraumszenario», sagte er wörtlich.

Am Sonntag hatten sich auf vielen Straßen in den bedrohten Regionen die Autoschlangen dutzende Kilometer lang in Richtung Inland gewälzt. An zahlreichen Tankstellen ging das Benzin aus. In New Orleans wurde der Superdome, das Football-Stadion der Stadt, als Notunterkunft für alle geöffnet, die keine Möglichkeit zum Verlassen der Stadt hatten.

New Orleans hatte im Jahr 1965 seine bisher schlimmste Sturmkatastrophe erlebt. Damals hatte Hurrikan «Betsy» die halbe Stadt unter Wasser gesetzt, 60 000 Menschen wurden obdachlos, und in Louisiana sowie den angrenzenden Staaten kamen über 70 Menschen ums Leben. (Von Gabriele Chwallek, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben